Neues aus Absurdistan

In der Causa „Mindestlohn“ gibt es Neuigkeiten, die mir nun ein deutlicheres Bild zeigen:

  • der monatlich von mir zu erwirtschaftende Mindestumsatz ist konkret benannt und noch einmal erhöht worden und liegt jetzt ziemlich genau 50% über der bisherigen Marke
  • eventuell darüber hinausgehende Umsätze werden bis auf weiteres nicht mehr mit einer Provision vergütet
  • die monatliche Arbeitszeit ist reduziert worden, umgerechnet beträgt sie jetzt 6,5 Stunden pro Arbeitstag

Wie bereits von mir geschildert, ist im Gegenzug der Fahrpreis erhöht worden. Leider führt die daraus folgende Enthaltsamkeit der Kunden nicht zur erhofften und benötigten Umsatzsteigerung. Ganz im Gegenteil: dauert dieser Zustand an, dürfte es sehr schwer sein, in der regulären Arbeitszeit den geforderten Mindestumsatz überhaupt zu erreichen. Der Chef hat durchblicken lassen, dass er den Kollegen, der zwei, drei Monate nacheinander die Vorgaben nicht erfüllt, dann leider entlassen muss. Hat der Kollege Glück und überbietet die Vorgaben, so bekommt er trotzdem nur den Mindestlohn.

Leider kann ich an dem Kundenverhalten nichts ändern. Mir ist behördlich untersagt, mit Marketingaktionen auf mich aufmerksam zu machen. Ich habe selbst also bis auf meine eigene Scheißfreundlichkeit keinerlei Einfluss auf die Höhe meines Umsatzes. Will ich diesen Job behalten, muss ich mit großer Wahrscheinlichkeit unbezahlte Überstunden leisten. Sollte ich das Ziel erreichen, habe ich keine Motivation, auch nur einen müden Euro Umsatz darüber hinaus zu produzieren.

Übrigens, wir reden hier von nicht einmal zwölfhundert Euro im Monat. Brutto, wohlgemerkt. Keine Chance, mit mehr Leistungsbereitschaft da was dran zu drehen. Zum Vergleich: letzten Dezember fuhr ich neunzehnhundert Brutto ein. Auch nicht die Welt, aber ausreichend, um wenigstens etwas Spaß bei der Arbeit zu haben.

Jetzt habe ich die Aussicht, ohne eigenes Verschulden bald wieder zur Arbeitsagentur latschen zu dürfen…

Diese Situation ist absurd. Die Kunden denken, dass ich mehr Geld in der Tasche habe, weil die Propaganda ihnen das so weis macht. Das Gegenteil ist der Fall. Zusätzlich ist meine Motivation, überhaupt meinen Arsch zu bewegen, im freien Fall, weil ich unbezahlte Überstunden machen muss, in der Hoffnung, meinen Job behalten zu können. Ich bin gerade auf der Schiene, auf die Konsequenzen zu scheißen und keine Minute länger zu arbeiten. Die Entlassung ist dann auch unausweichlich das Ende meiner Erwerbsarbeit, denn ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass ich mit zweiundfünfzig noch mal einen anständigen Job bekomme. Hundertvierzig erfolglose Bewerbungen und die Geschwindigkeit, mit der die Absagen bei mir eintreffen, sprechen ihre eigene Sprache.

Eigentlich wollte ich heute schön Geburtstag feiern. Irgendwie ist mir die Lust daran vergangen.

 

[Update]

Alle Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sind gestrichen worden. Ich bekomme für den Monat Januar exakt 156 Arbeitsstunden mit dem Mindestlohn vergütet. Das ist ein Glücksfall, denn im Vertrag ist die monatliche Arbeitszeit mit 141 Stunden festgeschrieben.

Eines steht jetzt schon fest: Die tägliche Anfahrt zum Arbeitsplatz, die in der einfachen Entfernung dreiundzwanzig Kilometer ausmacht, kann ich mir so nicht mehr leisten. Das war’s dann wohl.

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Unaufhaltsamer Aufstieg – Zwischenstand

Es geht ja aufwärts. Ich bekomme nun den Mindestlohn und weiß gar nicht, wohin mit dem ganzen Schotter. Ach nein, halt! Ich hatte mich da nur verguckt, das war leider kein Tausenderpunkt, sonder nur ein Komma. Also doch nicht so toll…

In kurzen Ansätzen beschrieb ich schon, wie der Umgang meines Arbeitgebers mit dem Mindestlohn aussieht. Jetzt sind einige Tage seit seiner Einführung ins Land gegangen, und auch die damit verbundenen Preiserhöhungen für die Kunden sind endlich durchgesetzt und realisiert. Ich habe ja den direkten Vergleich. Im Schnitt liegt diese Preiserhöhung bei dreißig Prozent. Das Gute daran ist, dass ich jetzt weniger arbeiten muss, um auf den gleichen Umsatz wie bisher zu kommen. Blöderweise sorgen die wegbleibenden Kunden auch genau dafür, nämlich dass ich weniger arbeiten muss.
moneyAus der Logik meines Vertrages folgt aber, dass ich mehr Umsatz in kürzerer Arbeitszeit erwirtschaften muss. Dieser Umsatz dient als Basis für meinen Mindestlohn. Momentan ist es sehr schwer, überhaupt diesen Basisumsatz zu erreichen – auf Deutsch: bei mir macht der Chef Verlust. Das war im Januar so, und für den Februar zeichnet sich jetzt ab, dass es ein ähnlich trauriges Ergebnis wird. Ich bin gespannt, wie lange der Chef bereit ist, für mich drauf zu legen…

Leistung soll sich lohnen, also bekomme ich eine entsprechende Zulage für den Umsatz, der oberhalb der Mindestlohn-Basis so anfällt. Momentan ist da kein Anfall, von meinem eigenen beim Blick auf die Lohnabrechnung abgesehen.
Schaue ich mir an, wohin die Reise geht, so sehe ich ganz deutlich, dass ich mit der Einführung des Mindestlohnes tatsächlich schmerzhaft in den Allerwertesten gekniffen bin. Ich bekomme weniger Geld, weil die Zielvorgaben durch die ausbleibenden Kunden nicht mehr haltbar sind. Ich bin verunsichert, wie meine Perspektive in diesem Beruf aussieht, und ich weiß nicht, ob ich mir bei sinkendem Einkommen weiterhin die Anfahrt zu meinem Arbeitsort leisten kann. Noch geht es, weil die alte Karre abbezahlt – ja, so was altmodisches gibt’s noch! – und als Diesel recht sparsam ist.
Unverdrossen schreibe ich Bewerbungen, und nach wie vor handele ich mir reihenweise Absagen ein.

Bei all diesen tollen Aussichten fällt schon gar nicht mehr ins Gewicht, dass die Kundschaft angesichts der erhöhten Preise kein Trinkgeld mehr gibt…

Unter Palmen

unter_palmen1Bei der geneigten Leserschaft mag sich gerade der Eindruck einstellen, dass auf diesem Blog im Augenblick nicht wirklich was los ist. Stimmt auch. Das liegt aber weniger daran, dass „mein“ Manjaro ohne Zicken läuft und klaglos alle Aktualisierungen hinnimmt und ich deshalb schon mal überhaupt nichts Berichtenswertes darüber auf der Pfanne hätte, sondern wohl mehr an der Tatsache, dass ich nun auf der Sonnenseite des Lebens angekommen bin. Ich bin in den erlauchten Kreis der Mindestlohnempfänger aufgestiegen und kann mein ganzes Glück noch gar nicht erfassen. Die künftigen Segnungen dieses unbeschwerten und süßen Lebens konnte und wollte ich jedoch nicht abwarten, weshalb ich mich ungeduldig zurück gezogen habe und schon mal übe…

Lichte Zukunft

Einige wenige Tage noch warten auf die Große Bescherung. Nein, nicht den Weihnachtsmann – anderenorts kommt auch das Christkind – meine ich, sondern den reichen Geldsegen, der im Neuen Jahr in Form des „Mindestlohnes“ förmlich auf mich herabregnen, ach was sage ich da, buchstäblich einstürzen wird wie ein heftiger Monsun…

Die Aussichten scheinen dann doch nicht so rosig, wie mir die vereinte Politmischpoke und deren gleichgeschaltete Lautsprecher eintrichtern wollen. Zuerst einmal werden die Tarife für die Fahrgäste angehoben, was zu mehr Umsatz führen kann, aber nicht zwangsläufig muss. Die Kollegen trösten sich damit, dass bisherige Preiserhöhungen keine Umsatzeinbußen bewirkten. Die bewegten sich aber auch noch nicht in einem Bereich um fünfundzwanzig Prozent herum. Nichts Genaues weiß man nicht, die Spekulationen schießen ins Kraut.
Mein Grundgehalt wird sich geringfügig erhöhen, weil im Gegenzug einfach weniger Arbeitszeit veranschlagt wird. Allerdings wird erwartet, dass ich in kürzerer Zeit ein Drittel mehr Umsatz erarbeite, damit man mir den „Mindestlohn“ zahlen kann. Daher werde ich, mal den bisherigen Umsatz betrachtet, weniger Leistungszulage auf den Betrag oberhalb des Mindestumsatzes bekommen. Günstigenfalls geht das als Nullsummenspiel aus und ich habe exakt soviel wie vorher. Dafür werde ich wohl nicht mit der dann geringeren Arbeitszeit auskommen, sondern wie bisher meine durchschnittlich zweihundertvierzig Monatsstunden abbrummen. Die Differenz ist dann meine großzügige Pausenzeit. Wir können es auch freiwillige, unbezahlte Mehrarbeit nennen.
Meine Begeisterung für den „Mindestlohn“ hält sich angesichts dieser Aussichten in engen Grenzen.