Mein Weg zu Linux

Wie kam ich eigentlich zu Linux?

Zugegeben, nach so langer Zeit fällt es mir schwer, mich tatsächlich an jede Einzelheit zu erinnern. Immerhin nutze ich seit 2004 mehr oder weniger regelmäßig das alternative Betriebssystem. Vielleicht begann mein Weg zu Linux sogar noch früher…

2005-04Im Jahr 1991 machte ich Bekanntschaft mit Sinix, einem UNIX-Derivat. Mich beeindruckte die Konzeption des Dateisystems und der Benutzerverwaltung, mehr noch aber die Möglichkeiten, mit Shell-Skripten kleine Programme mit richtigen Kontrollstrukturen zu schreiben. Das ging sehr weit über die Batch-Dateien unter DOS hinaus, bei deren Erstellung ich es bis dahin zu einer gewissen Fertigkeit gebracht hatte.

Dennoch verlor ich UNIX aus den Augen, und es dauerte knapp zehn Jahre, bis ich ernsthaft nach einer Alternative für das System suchte, das beim Kauf eines Rechners meist vorinstalliert ist. Bei der Suche stieß ich auf die SUSE, damals in der Version 9.x, genauer habe ich das nicht mehr. Ziemlich eilig bestellte ich mir die Version mit Handbuch und Installationssupport und war mir sicher, dass eine großartige Zukunft auf mich wartete, wenn ich nur den Versprechungen der Werbung Glauben schenkte…

Nach dem Ende des dreiwöchigen Installationssupports hatte ich einen grauen Bildschirm mit einem noch graueren X in der Mitte. Wir einigten uns dann, dass ich ein Opfer der Werbung sei, das Paket zurückgeben könne und mein Geld wiederbekäme. Dieser erste ernsthafte Versuch scheiterte zwar, doch ich war infiziert, nicht zuletzt deshalb, weil ich auf bekannte Strukturen traf.

kdmIch suchte also weiter und stieß auf KANOTIX, damals in der Version Bughunter 9A. Es klappte auf Anhieb, die Hardware wurde erkannt und ich sah KDE, völlig ohne Installationssupport. Hier sei mir eine Anmerkung gestattet: mit meinem heutigen Kenntnisstand hätte ich die SUSE damals sicher ordentlich zum Laufen bekommen.

Ich installierte KANOTIX also erst einmal als zusätzliches System neben Windows XP, mit dem ich eigentlich zufrieden war. Das lag mit Sicherheit daran, dass ich bis dahin jahrelang ausschließlich mit Windows umging. Doch das änderte sich rasch. Nach ein paar Monaten stellte ich fest, dass ich Windows gar nicht mehr startete, da ich alle „Arbeiten“ auch prima mit KANOTIX erledigen konnte. Das wäre das vorläufige Ende für Windows gewesen, wenn da nicht ein Umzug dazwischen gekommen wäre. Mein bisheriger DSL-Anbieter konnte am neuen Ort nicht mit der gleichen Dienstleistung aufwarten. Also habe ich zähneknirschend den Rückschritt in die DFÜ-Steinzeit in Kauf genommen. Ein 56-k-Modem ist nun mal suboptimal für ein dist-upgrade, weshalb ich weiter Windows nutzte. Mit einem Debian stable wäre ich damals besser dran gewesen, aber diese Erkenntnis erschloss sich mir erst später.

Nach kurzer Zeit war das Martyrium vorbei, denn es stellte sich heraus, dass der bisherige Dienstleister nicht wollte. Die Kündigung brachte es ans Licht: der Riese mit dem magentafarbenen Buchstaben im Logo wollte einfach nicht, dem waren meine Rechnungen nicht hoch genug. Als die Kündigung eintraf, konnte und wollte er plötzlich doch. Aber es war zu spät.

thorhammerMit neuer Bandbreite und KANOTIX Thorhammer ging es 2007 weiter, diesmal nicht mehr im DualBoot mit Windows. Das System aus Redmond hatte nun endgültig ausgedient, erfüllte aber noch einen letzten guten Zweck: ich verschenkte es an einen Bekannten, der sich mit altem Kram herumärgerte. Fortan spazierte ich in die Zeitschriftenabteilung des örtlichen Supermarktes und blätterte in den einschlägigen Linux-Zeitschriften, die Kundschaft immer aus den Augenwinkeln beobachtend. Irgendwie mussten sie es mir doch ansehen, dass ich etwas Besonderes war, meinte ich damals…

Auf dem Desktoprechner habe ich lange Zeit KANOTIX die Treue gehalten. Doch irgendwann ist diese Liebe erloschen, nicht zuletzt durch allerlei Problemchen. Außerdem war ich seit Langem auf der Suche nach der perfekten Rolling-Release-Distribution, und irgendwann meinte ich, sie mit ManjaroLinux gefunden zu haben. Bisher passen wir hervorragend zusammen, MajaroLinux und ich, und so fand es auch auf mein Netbook.