Meine kleine EDV-Zeitreise

Beim Betrachten der Meldungen zum letzten Update fiel mir auf, dass die Größendifferenz der Aktualisierung 36,12 MB betrug. An sich ist das keine weitere Aufmerksamkeit wert, doch ich musste unweigerlich daran denken, dass es eine Zeit gab, in der man mit solchen Beträgen ganze Festplatten füllen konnte…

‚Warte mal,‘ dachte ich bei mir. ‚Nicht so eilig! Wann hast Du Deinen ersten PC gekauft? 1991? Im Frühjahr? So Ende April, Anfang Mai herum? Glückwunsch, Alter, das ist ziemlich genau fünfundzwanzig Jahre her!‘
Oh Mann, tatsächlich! Und plötzlich stiegen all die liebevoll gehüteten Erinnerungen an das Schätzchen von damals wieder auf.

out2Wir hatten ja nichts. Also wir Ossis. Und vor allem nichts richtig Rechentechnisches in der Wohnstube, zumindest bei mir nicht. Natürlich gab es auch die berühmten Robotron-Kleincomputer zu kaufen, aber ich hatte damals weder die Zeit, um mich in das sozialistische Wartekollektiv vor den einschlägigen Fachgeschäften einzureihen, noch hatte ich die nötigen Beziehungen, um der Warterei zu entgehen. Außerdem hatte ich gerade eine Familie gegründet, und nun saßen die Zahlungsmittel auch nicht mehr so locker.
Blut geleckt hatte ich dann in den Wendewirren, als mein damaliger Betrieb, der VEB „Gleichschritt“ mir die Gelegenheit verschaffte, die ersten Schritte an einem „richtigen“ PC zu tun. Es war ein EC 1834 der Weltfirma Robotron. Mein erster Kurs dauerte damals vier Tage und hatte zwei Themen:

  • das Betriebssystem DCP und
  • das Textverarbeitungssystem TP

Den Spätgeborenen werden diese Begriffe ebenso wenig etwas sagen wie mir damals, Eingeweihte werden nickend milde lächeln. Später sollte ich diese Strukturen bei MS-DOS und WordStar wiederfinden …

out1

Ein knappes halbes Jahr nach dieser ersten Berührung mit einem „echten“ PC war die DDR Geschichte, und ich begann eine Umschulung zum Datenverarbeitungskaufmann. Meine Vorkenntnisse waren gar nicht so übel, denn ich kam mit dem neuen Stoff sehr gut zurecht. Weil ich noch keinen eigenen PC besaß, verbrachte ich viele Stunden zusätzlich im Computerkabinett, denn die ganze Sache hatte mich gepackt. Ich schrieb Batch-Dateien für alle möglichen und unmöglichen Fälle, verbog den Prompt-Befehl soweit, dass ich im DOS ein oberes und unteres farbiges Panel hatte mit Anzeige von Datum, Uhrzeit und aktuellem Arbeitsverzeichnis, und ich schrieb mit COBOL wahre Romane, um ein dreifarbiges Auswahlmenü à la Dialog in der Bash zu sehen…

Irgendwann war das nicht mehr genug und ich wollte einen eigenen PC haben. Wo kaufte man damals einen PC im Osten, im Frühjahr 1991? Es gab eine große Kette, deren nächste Niederlassung sechzig Kilometer entfernt lag. Kein Hindernis! Nach diesem Ausflug war ich stolzer Besitzer eines Highscreen AT 286-16. Das Paket beinhaltete den Rechner mit Tastatur, Keyboard, Maus, Vierzehn-Zoll-Röhrenmonitor und einem Epson LX-80 und war für zweitausend Westmark zu haben. Dazu gab es als Betriebssystem DR-DOS 5.0 und die Office-Suite Works.

Die Hardware-Ausstattung war für damalige Verhältnisse brauchbar:

  • Prozessor 80286 mit 16 MHz Taktfrequenz
  • 1 MB Arbeitsspeicher (RAM)
  • 40 MB Festplatte
  • Diskettenlaufwerke 5,25″ und 3,5″ HD (1,44 MB)

Schon bald war der Plattenplatz aufgebraucht, und eine zweite Platte musste her. Damals hatte ich aufgepasst, was es mit Master, Slave und CableSelect auf dem ATA-Standard (vorher auch als IDE bekannt) auf sich hatte. Zugleich kam ich sehr günstig an RAM-Riegel heran und rüstete auf zwei Megabyte auf. Booaaah! Plötzlich ging dieses Windows!
Nebenher baute ich noch eine Soundblaster 8bit Mono ein und erfreute mich und die Kinder mit ungewohntem Sound zu „Prince Of Persia“…

PoP-dosbox

So schließt sich der Kreis. Mein heutiges Update hatte eine Größendifferenz von 36,12 MB. Das war beinahe die Kapazität meiner ersten eigenen Festplatte, und es fanden neben dem System und den Anwendungsprogrammen noch persönliche Daten, Texte und etliche Spiele Platz…


P.S.: Noch heute habe ich das Geräusch im Ohr, welches der Neun-Nadler beim Drucken waagerechter Tabellenbegrenzungen machte…

Meinen Senf dazugeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s