Kernelgeschichten

tuxSchon in den Tagen, als auf meinem Rechner noch KANOTIX lief, wollte ich den jeweils aktuellsten Kernel haben. Nicht immer waren Neuerungen oder Verbesserungen augenscheinlich und während der täglichen Routine-Anwendung spürbar. Das machte mir jedoch nichts aus, verschaffte mir doch allein die Gewissheit, den neuesten Kernel zu benutzen, ausreichend Genugtuung.

Noch heute halte ich das so, gerade weil ich mit ManjaroLinux eine Distribution verwende, die das Rolling-Release-Development-Modell verkörpert. Zudem bietet ManjaroLinux ein Werkzeug zur bequemen Verwaltung der verfügbaren und installierten Kernel an: das Skript mhwd-kernel.

Die aktuell verfügbaren Kernel lasse ich mir mit

mhwd-kernel -l

anzeigen. Für die testing-Branche werden aktuell folgende Kernel aufgelistet:

Available kernels:
 * linux310
 * linux312
 * linux313
 * linux314
 * linux316
 * linux318
 * linux319
 * linux41
 * linux42
 * linux43
 * linux44
 * linux45

Wenn ich mit kernel.org vergleiche, dann sind alle longterm kernel dabei. Inwiefern es ratsam ist, einen Kernel zu verwenden, der zwar sein Lebensende erreicht hat (3.16, 3.19 und 4.2), jedoch von der jeweiligen Distribution weiter gepflegt wird, kann sicher diskutiert werden. Ich tue dies nicht und muss mich daher mit diesem Thema nicht auseinandersetzen.

Über die Zeit habe ich mir angewöhnt, immer den letzten lauffähigen Kernel zu behalten, wenn ich einen neuen rc-Kernel teste. Man weiß ja nie, ob der Prozess der Kernelentwicklung bis zum fertigen Release stolperfrei verläuft. Bisher war der LTS-Kernel 4.1 (longterm) das Rettungsboot, aber seit der Veröffentlichung von Kernel 4.4 brauchte ich den nicht mehr.

sudo mhwd-kernel -r linux41

Die Veröffentlichung eines Kernels bedeutet auch, dass mit der Arbeit an seinem Nachfolger begonnen wurde und mit dem Erscheinen der ersten rc-Versionen in den Repositories der Distributionen gerechnet werden kann. Für Manjaro testing ist aktuell Kernel 4.5rc2-1 verfügbar, also habe ich den mal installiert:

sudo mhwd-kernel -i linux45

Das ist schon der ganze Zauber. Das Skript installiert den Kernel linux45 4.5rc2-1, die Kernel-Header linux45-headers 4.5rc2-1, den proprietären nVidia-Treiber linux45-nvidia-340xx 340.96-0.1 und die VirtualBox-Host-Module linux45-virtualbox-host-modules 5.0.14-0.1.

Die Installation wird mit der automatischen Aktualisierung des Bootloaders GRUB2 abgeschlossen. Ein beherzter Neustart – und schon kann ich testen, ob der Kernel anständig arbeitet und alle verbaute und angeschlossene Hardware funktioniert.

$ mhwd-kernel -li
Currently running: 4.5.0-1-MANJARO (linux45)
The following kernels are installed in your system:
   * linux44
   * linux45
$ _

Um die Aktualisierung dieses Kernels muss ich mich nicht gesondert kümmern, das erledigt das Systemupdate:

sudo pacman -Syyuu

Natürlich könnte ich das auch mit grafischen Hilfsmitteln erledigen, aber das verbietet mein Ego. Ich mache hier die Arbeit des Systemadministrators, und als solcher habe ich den Anspruch an mich, mein System auf der Konsole (bzw. im Terminalfenster) zu pflegen.
Ich empfinde die Verwaltung der Kernel mit dem Skript mhwd-kernel als sehr bequem und einfach. Die Updates des Systems sorgen dafür, dass alle installierten Kernel mit Aktualisierungen versorgt werden. Sobald der Kernel 4.5 als stable veröffentlicht wird und dieser Kernel sauber auf meinem System läuft, wird Version 4.4 gelöscht. Dann muss ich nur noch regelmäßig nachschauen, ob der neue Kandidat verfügbar ist.

Ich müsste mir diese Arbeit nicht antun, denn ein aktuelles ManjaroLinux kommt mit dem LTS-Kernel 4.1, und der werkelte korrekt auf meinem System. Da es sich um einen longterm-Kernel handelt, würde er bis ultimo gepflegt und aktualisiert werden. Aber wie das so ist mit uns Linuxern: wenn das System stabil läuft (und dass tut ManjaroLinux, auch in der testing-Branche!), beginne ich, mich zu langweilen. Und dann muss ich irgendwas „frickeln“. Deshalb Dual- oder Multiboot, deshalb ein Sack voller virtueller Maschinen mit verschiedenen Distributionen, deshalb immer den neuesten Kernel.

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