Unaufhaltsamer Aufstieg – Zwischenstand

Es geht ja aufwärts. Ich bekomme nun den Mindestlohn und weiß gar nicht, wohin mit dem ganzen Schotter. Ach nein, halt! Ich hatte mich da nur verguckt, das war leider kein Tausenderpunkt, sonder nur ein Komma. Also doch nicht so toll…

In kurzen Ansätzen beschrieb ich schon, wie der Umgang meines Arbeitgebers mit dem Mindestlohn aussieht. Jetzt sind einige Tage seit seiner Einführung ins Land gegangen, und auch die damit verbundenen Preiserhöhungen für die Kunden sind endlich durchgesetzt und realisiert. Ich habe ja den direkten Vergleich. Im Schnitt liegt diese Preiserhöhung bei dreißig Prozent. Das Gute daran ist, dass ich jetzt weniger arbeiten muss, um auf den gleichen Umsatz wie bisher zu kommen. Blöderweise sorgen die wegbleibenden Kunden auch genau dafür, nämlich dass ich weniger arbeiten muss.
moneyAus der Logik meines Vertrages folgt aber, dass ich mehr Umsatz in kürzerer Arbeitszeit erwirtschaften muss. Dieser Umsatz dient als Basis für meinen Mindestlohn. Momentan ist es sehr schwer, überhaupt diesen Basisumsatz zu erreichen – auf Deutsch: bei mir macht der Chef Verlust. Das war im Januar so, und für den Februar zeichnet sich jetzt ab, dass es ein ähnlich trauriges Ergebnis wird. Ich bin gespannt, wie lange der Chef bereit ist, für mich drauf zu legen…

Leistung soll sich lohnen, also bekomme ich eine entsprechende Zulage für den Umsatz, der oberhalb der Mindestlohn-Basis so anfällt. Momentan ist da kein Anfall, von meinem eigenen beim Blick auf die Lohnabrechnung abgesehen.
Schaue ich mir an, wohin die Reise geht, so sehe ich ganz deutlich, dass ich mit der Einführung des Mindestlohnes tatsächlich schmerzhaft in den Allerwertesten gekniffen bin. Ich bekomme weniger Geld, weil die Zielvorgaben durch die ausbleibenden Kunden nicht mehr haltbar sind. Ich bin verunsichert, wie meine Perspektive in diesem Beruf aussieht, und ich weiß nicht, ob ich mir bei sinkendem Einkommen weiterhin die Anfahrt zu meinem Arbeitsort leisten kann. Noch geht es, weil die alte Karre abbezahlt – ja, so was altmodisches gibt’s noch! – und als Diesel recht sparsam ist.
Unverdrossen schreibe ich Bewerbungen, und nach wie vor handele ich mir reihenweise Absagen ein.

Bei all diesen tollen Aussichten fällt schon gar nicht mehr ins Gewicht, dass die Kundschaft angesichts der erhöhten Preise kein Trinkgeld mehr gibt…

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