Langeweile-Modus mit DVB-T

manjaro-logo-greenDie Art meiner derzeitigen beruflichen Tätigkeit bringt es mit sich, dass ich hin und wieder mehr oder weniger lange Phasen der Untätigkeit überbrücken muss. Mein Netbook leistet mir dabei treue Dienste. Internetzugang oder Filme von der Festplatte – so sah bis gestern mein Langeweile-Modus aus.
Irgendwann fällt mir ein, dass ich mir vor etwa drei oder vier Jahren einen DVB-T-Stick zugelegt hatte, um im Garten auch mal TV schauen zu können. Damals habe ich wohl die Verfügbarkeitskarte falsch interpretiert, denn außer Bayern 3 kommt nichts an am Gerät. So fällt der Stick in einen Dornröschenschlaf, aus dem ich ihn gestern erwecke. Dieses Vorhaben geistert schon länger in meinem Kopf, aber ich habe eben erst jetzt geschafft, es in die Tat umzusetzen.

Das Studium einschlägiger Wikis ergibt, dass ich VLC zur Wiedergabe nutzen will, weil dieser Medienabspieler erstens dazu geeignet ist, und ich ihn zweitens sowieso schon auf der Platte habe. Was noch fehlt, ist die passende Firmware zum Stick. Ich stöpsele den Stick an und frage das System, um welches Modell es sich dabei handelt:
$ lsusb
Bus 001 Device 005: ID 15a4:9016 Afatech Technologies, Inc. AF9015 DVB-T USB2.0 stick

Mit „9015“ mache ich mich auf die Suche nach der passenden Firmware.
$ yaourt -Ss 9015
aur/af9015-firmware 5.24.0.0-5 (42)
Firmware for Afatech af9015 based USB dvb devices

Die Installation ist schnell erledigt.
$ yaourt -S af9015-firmware

Der nächste Schritt ist ein wenig schwieriger. Um VLC gescheit zur Wiedergabe von DVB-T nutzen zu können, brauche ich eine Datei channels.conf mit den Senderangaben. Um diese Datei zu füllen, muss ich das Programm scan aus dem Paket linuxtv-dvb-apps benutzen. Dieses Paket ist noch nicht auf dem Netbook, ich installiere es schnell.
$ sudo pacman -S linuxtv-dvb-apps

Nun muss der Sendersuchlauf noch wissen, welche Frequenzen er abschnorcheln soll. Diese Frequenzen bekomme ich auf einschlägigen Seiten im Netz. Diese Angaben schreibe ich in eine Datei für die Lokalisierung. In meinem Fall ist es de-jena. Die Datei hat folgenden Inhalt:
# DVB-T Jena
# T freq bw fec_hi fec_lo mod transmission-mode guard-interval hierarchy
T 474000000 8MHz 2/3 NONE QAM64 8k 1/4 NONE
T 522000000 8MHz 2/3 NONE QAM64 8k 1/4 NONE
T 706000000 8MHz 2/3 NONE QAM16 8k 1/4 NONE

Damit kann ich den Sendersuchlauf anwerfen.
$ scan -n -o zap -p de-jena > channels.conf

Gespannt starte ich VLC. Im Menü „Medien“ wähle ich „Datei öffnen“ und suche die eben erstellte Datei channels.conf. VLC beginnt auch prompt mit der Wiedergabe des ersten gefundenen Senders. Perfekt!

dvb-t-vlc

Der Senderwechsel funktioniert mit den Knöpfen für Vorwärtsspulen und Rückwärtsspulen. In der Wiedergabeliste kann ich auch direkt einen Sender auswählen.

dvb-t-vlc-channels

Als unerwartetes Bonbon präsentiert VLC einen Knopf, mit dem ich zum Videotext wechseln kann. Das funktioniert auch, für die Auswahl einer Seite kann ich die Seitenzahl direkt in die Tasten hacken.

dvb-t-vlc-teletext

Sicher, es ist erst einmal ein klein wenig Handarbeit nötig. Aber sie hat sich gelohnt. Ich bin wieder einmal entzückt, wie wenig Aufwand hier mit Manjaro nötig ist, um mein Netbook in einen Fernseher zu verwandeln, auch wenn die verwendete Technik schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.

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4 Gedanken zu „Langeweile-Modus mit DVB-T

  1. Wunderbar, endlich mal eine nachvollziehbare Beschreibung dieses Vorgangs mit der channels.conf – ich habe das mehrere Male versucht und scheitere immer wieder an der korrekten Übertragung der Daten in diese channels.conf oder vielleicht auch noch an anderem … Jetzt habe ich eine etwas genauere Idee vom Ablauf …
    Und es ist immer wieder schön, etwas aus Jena zu hören, denn seit meine Tochter dort studiert, habe ich ein ausgesprochen positives Verhältnis zu der Stadt.

    • Gefühlt hat die Recherche dreimal so lange gedauert wie die anschließende Umsetzung. Wenn man einmal weiß, wie’s geht… 😉

      Jena ist zwar nicht meine Heimatstadt, aber bei einem so intensiven Kontakt bleibt es nicht aus, dass ich beinahe liebevolle Gefühle für die Stadt entwickle. Es liegt wohl auch an den Menschen.

  2. Na dann viel Spass damit.Geniese es solange es noch möglich ist.Soviel ich weiß wird ab 2017 auf DVB-T 2 umgestellt und dann kann man den Stick leider entsorgen.

    • Ja, davon habe ich gehört. Nicht abwärtskompatibel. Im Moment scheinen T2-Sticks preislich in dem Bereich der T zu liegen, und wenn das so bleibt, wäre es zu verschmerzen. Trotzdem ist es irgendwie … kapitalistisch.
      Wir müssen dann nur wieder schauen, dass es die passende Firmware für die Dinger gibt.

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