Sascha Lobo über Pegida

Der Erfolg von Pegida liegt darin begründet, xenophobe Signale zu senden, ohne dass sich Sender oder Empfänger das eingestehen müssten. Die Erkennungscodes funktionieren sogar so eindeutig, dass man sich die ständige Scheindistanzierung leisten kann, „Wir sind keine Nazis“, „Wir haben nichts gegen Ausländer“, „Wir sind für das Asylrecht“. Diese Sätze brauchen nicht einmal mehr das früher typische „aber“ dahinter, man versteht sich auch so.

Der „taz“-Journalist Philip Meinhold twitterte: „Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass heute nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen.“ Das ist lustig, aber unvollständig. Vielmehr kommt mit Pegida ein neuer politischer Bürgertypus auf die Bühne – der unbewusst Rechtsextreme oder Latenznazi.

(Quelle: SPON)

Natürlich wollte ich ungern im Reflex die tapferen Verteidiger unserer völkischen abendländischen Kultur, die sich da zu montäglichen Spaziergängen im nahezu moslemfreien Dresden versammeln, als tumbe Nazis abstempeln. Vielleicht gerät es mir jetzt auch zum Nachteil, dass ich erstens nicht bei Facebook bin und zweitens auch gar keinen Anreiz verspüre, mich dort auch ohne Zugang umzusehen. Was ich in den einschlägigen Medien über diese Bewegung mitbekomme, reicht mir auch so, dachte ich. Sascha Lobo versteht es in diesem Artikel, meine Gedanken punktgenau aufs elektronische Papier zu bringen.

Ich kann gar nicht anders, als ihm uneingeschränkt zu folgen. Allerdings gehe ich in meiner persönlichen Beurteilung noch einen Schritt weiter. Seine Einschätzung, dass es ein „hermetisches Weltbild“ sei, was die Pegidisten umtreibt, ist für mich der Ausgangspunkt einer viel größeren Gefahr. Nicht die Bequemlichkeit, keine Konsequenzen aus latentem Nazismus ziehen zu müssen, scheint mir bedrohlich, sondern der Umstand, dass genau solch ein Weltbild mit genau den gleichen Mechanismen und propagandistischen wie politischen Werkzeugen dazu benutzt werden konnte, schlimmste Verbrechen an Menschen institutionell verüben zu können.

Mir scheint, dass wir offenbar nichts aus der Geschichte gelernt haben. Faschismus war nicht einfach eine temporäre Erscheinung eines durchgeknallten Österreichers, Faschismus ist nach meiner Auffassung Wesensmerkmal des ungezügelten Kapitalismus. Er tritt gerade wieder zu Tage, auch wenn sehr viele Menschen ihn nicht so nennen und als propagandistischen Kampfbegriff aus der linken Mottenkiste abtun wollen.
Wir sind geradewegs im Gleichschritt hinein ins Vierte Reich, die Parolen zeigen es.

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