Was nun? Das Ende von XP (II)

Im ersten Teil haben wir kurz die Hardware gestreift. Dazu wird später noch etwas mehr zu sagen sein. Generell können wir jedoch gefahrlos behaupten, dass der Großteil der Standard-PC (bei vielen Anbietern auch als Office-PC bezeichnet) linuxtauglich ist. Auf mögliche Schwierigkeiten stoßen wir früher oder später sowieso, hundertprozentig.

2. Was Linux nicht ist

Soviel scheint gesichert: Linux ist nicht Windows, nur ohne dessen Fehler und Probleme. Linux bringt uns nur andere Fehler und Probleme.

Es erfordert ein beinahe radikales Umdenken. Wenn wir uns für ausgeschlafene Windows-Nutzer halten, die schon klar kommen, weil sie sich auskennen, laufen wir geradewegs ins offene Messer, quasi. Wir wissen, dass wir womöglich recht viel über Windows wissen. Linux fordert von uns, dass wir zumindest ansatzweise etwas über unseren Computer wissen.
Linux ist nicht das Frickelsystem, als welches es oft hingestellt wird. Häufig läuft so ein Linux einigermaßen benutzerfreundlich auf Allerwelts-Technik, ohne dass der Benutzer je das allseits gefürchtete Schwarze Loch zu sehen bekommt. Wissen schon, dieses Dingsda, dieses… Ter-mi-nal…

Lesen wir regelmäßig in den Foren, dann stoßen wir auf eine ziemliche große Zahl an Problemen, die da zu lösen sind. Generell sagt das aber nur aus: es gibt Probleme, die unterschiedliche Ursachen haben. Über die Qualität von Linux sagt ein Forum wenig bis nichts aus, denn als zufriedene Anwender haben wir keine Veranlassung, ein Support-Thema in einem solchen Forum zu eröffnen.
Linux ist kein System, das von allen Hardware-Herstellern gleichermaßen gut unterstützt wird. So kommt es eben, dass der Drucker des Herstellers A auf Anhieb funktioniert und wie gewünscht arbeitet, das Modell des Herstellers B auch nach wochenlangen Bemühungen keinen Mucks von sich gibt oder nur Hieroglyphen aufs Papier spuckt. Hier kann und wird es die größten Probleme bei einem möglichen Umstieg geben. Doch können wir daraus auch lernen, bei einem irgendwann fälligen Neukauf die betreffenden Komponenten auf ihre Linux-Tauglichkeit zu prüfen, sollten wir uns dazu durchringen, dieses System langfristiger einzusetzen.

Linux strebt von sich aus nicht nach Marktanteilen. Natürlich gibt es Statistiken, die behaupten, dass Linux auf den Desktop-Systemen eine Verbreitung von irgendwo zwischen einem und zwei Prozent haben soll. Mag sein, aber wen kümmert das?

3. Was ist Linux?

Was so ein Linux wirklich ist und was man damit alles anstellen kann, ist in Dutzenden so genannten Standardwerken in aller Ausführlichkeit beschrieben. Der Herr Kofler hat es dabei im vergangenen Jahr auf immerhin 1223 Seiten gebracht. Wir holen hier nicht annähernd so weit aus, denn das würde das vielleicht zartsprießende Pflänzchen der zukünftigen Linux-Begeisterung rettungslos ersäufen. Versuchen wir mal, uns zu beschränken:

Linux ist nur der Name des innersten Kerns (Kernel) des Betriebssystems, der für so schnöde Dinge wie Speicherverwaltung oder Hardwaresteuerung zuständig ist. Um die Unterhaltung mit den übrigen an so einen Computer angeschlossenen Geräten wie zum Bleistift Drucker, CD-Laufwerk oder Monitor zu ermöglichen, braucht es weitere Programme, die oft Treiber genannt werden. Und nicht zuletzt wollen wir mit der Kiste auch arbeiten oder spielen oder uns anderweitig die Zeit vertreiben. Dazu gibt es die Anwendungsprogramme. Diese Programm-Sammlung gehört zu einer Linux-Distribution und wird korrekt als GNU/Linux bezeichnet. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich aber der Begriff Linux etabliert.

Linux stammt ursprünglich von Unix ab, deshalb hat es auch dessen großartige Benutzer- und Dateirechteverwaltung. Auch das Dateisystem ist sehr verschieden von Windows und alle Geräte werden als Dateien betrachtet. Aus diesem Grund heißt bei Linux das Laufwerk C: meist /dev/sda1…

fortune+cowsayUnd wir haben von Unix das gefürchtete Schwarze Loch übernommen. Die Konsole, in der ein Moloch lauert, der Kommandozeile genannt wird, der unersättlich ellenlange kryptische Befehlsketten, die ohne Informatikstudium nicht entschlüsselbar scheinen, verschlingt und bei Tippfehlern unerbittlich ebenso unverständliche Fehlermeldungen ausspuckt. Läuft aber alles sauber, sagt dieser Moloch nichts. Nicht mal, dass er fertig ist.

So, etwas Unbehagen musste sein. Ernsthaft, es ist nicht nötig, ein Informatikstudium absolviert zu haben, um auf Linux umzusteigen. In der täglichen Arbeit wird die Konsole kaum bis überhaupt nicht benötigt. Später werden wir uns noch einmal darum kümmern. Es reicht, wenn wir an dieser Stelle einen gewissen Respekt vor dem Moloch entwickeln, denn er gibt uns alle Möglichkeiten und Werkzeuge, alles mit unserem System zu tun. Alles. Wir können es damit auch kaputt machen.

Fürs Erste sollen diese einführenden Informationen genügen.

So ein Linux hat also in der Regel alles dabei, um mit dem Rechner arbeiten zu können. Je nach Anliegen und Vorlieben bringt so eine Linux-Distribution eine mehr oder weniger komplette komplette Software-Sammlung mit:

  • Betriebssystem
  • Treiber
  • grafische Benutzeroberfläche
  • Programme zur Systemverwaltung
  • Anwendungsprogramme (Browser, Mail-Client, Office-Paket, Multimedia, Spiele etc.)
  • Zubehör

Als künftige Anwender haben wir eigentlich die Qual der Wahl. Schon bei der grafischen Benutzeroberfläche stoßen wir auf eine nette Auswahl, beispielsweise KDE, XFCE, Gnome, Unity, LXDE, Enlightenment, Razor-Qt, Openbox…
Allerdings kommen gerade für den Einsatz auf in Würde gealterter Rechentechnik nicht alle Möglichkeiten in Frage, ebenso sind gerade für den Umstieg Desktops mit alternativen Bedienkonzepten nicht empfehlenswert. Die können wir uns ansehen, wenn wir ein wenig mehr Erfahrung mit dem System gesammelt haben.

Geeignete Benutzeroberflächen

Linux ist nicht eintönig, also gibt es etliche unterschiedliche grafische Benutzeroberflächen, die auch Desktop Environments genannt werden. Mit LXDE und XFCE werden sich die meisten Umsteiger wohl schnell anfreunden können, weil allein schon der optische Eindruck ein wenig an XP erinnert.

Hier mal ein älterer Schnappschuss meines aktuellen Manjaro Linux mit XFCE-Oberfläche:

manjaro-xfce-whisker-menu

Das Panel habe ich nach oben verschoben, aber das kann man bei Windows XP ja auch tun. In Manjaro gibt es das so genannte Whisker-Menü. Das kann man mögen, muss es aber nicht. Ein traditionelles Menü tut es auch.
Ich mag aufgeräumte Oberflächen. Natürlich können wir die Programmstarter auch, wie bei XP üblich, auf den Desktop legen und durch Doppelklick starten. Ein einfacher Klick zum Starten von Programmen kann eingestellt werden, wenn uns die Klickerei nicht so gefällt.

manjaro-screenshot-2014-04-13

Alternativ kann auch LXDE gewählt werden, was etwas schlichter anmutet, jedoch keinesfalls langweilig oder altmodisch erscheint. Es benötigt noch einmal weniger Ressourcen und ist daher für ältere Technik sehr gut geeignet.

Hier mal der Schnappschuss aus der Vorschau auf KANOTIX „Spitfire“:

spitfire-pre-lxde

Um nicht unnötige Verwirrung zu stiften, wollen wir uns auf diese beiden Oberflächen beschränken. Es gibt für beide Umgebungen genügend Möglichkeiten, diese an die eigenen Geschmäcker anzupassen, sei es durch Auswahl eines anderen Fensterrahmens oder eines schickeren Symbolthemas. Dem eigenen Spieltrieb sind da kaum Grenzen gesetzt.

Geeignete Distributionen

Ein Vorteil von Linux besteht darin, dass eine Unmenge an Distributionen gibt, gewissermaßen für jeden Geschmack eine. Darin liegt jedoch auch ein Orientierungsproblem für uns Einsteiger. Wir brauchen eine Distribution, die

  • benutzerfreundlich und stabil
  • leicht zu installieren
  • leicht zu pflegen
  • möglichst komplett ausgestattet
  • ressourcenschonend und
  • benutzerfreundlich und stabil

ist.

Nach allem, was ich selbst erlebt, erfahren, ausprobiert, installiert und verwendet habe, kommen für unser Vorhaben ein paar wenige Distributionen in Frage:

Warum habe ich nach meinen bisher durchweg positiven Erfahrungen nicht auch Manjaro Linux in der Liste stehen? Nun, Manjaro ist eine sogenannte Rolling-Release-Distribution und damit ständigen Aktualisierungen ausgesetzt. An sich ist das sehr positiv, kann für einen Einsteiger aber unlösbare Probleme aufwerfen. Kann. Muss nicht, aber kann. Damit ist unser Anliegen nicht umsetzbar.

Ein nicht zu unterschätzender Fakt bei der Auswahl der Distribution ist die Community. Meiner Meinung nach ist das Wiki von ubuntuusers.de eine der besten Informationsquellen im Netz. Das Supportforum ist sehr aktiv und kompetent, falls doch mal Hilfe benötigt wird.
KANOTIX hat da ein etwas anderes Vorgehen. Kompetente Unterstützung gibt es im IRC, einem Chat, in dem die Entwickler selbst helfen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, funktioniert aber ganz gut, wenn man sich traut.

Wie geht es weiter?
Für das weitere Vorgehen werden wir uns auf den Test der Hardware mit und die Installation von Lubuntu beschränken. Zunächst werden wir uns anschauen, was Lubuntu an Anwendungsprogrammen so bietet. Anschließend wird dieses Linux heruntergeladen und überprüft. Dann bringen wir es auf ein bootbares Medium und starten den Rechner zum ersten Mal mit Linux. Nach einem Test der Hardware machen wir uns über die Installation her.

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