Was nun? Das Ende von XP (I)

Wie bereits angekündigt, will ich mich hier mit der aus meiner Sicht einzig logischen Alternative beschäftigen, die für die vom Lebensende von Windows XP betroffenen Computerbenutzer existiert. Diese kleine Artikelserie richtet sich an alle Benutzer, die ihren XP-Rechner nicht einfach entsorgen, sondern weiter nutzen wollen und sich vielleicht schon mal mit ersten Informationen zu alternativen Systemen eingedeckt haben.

Das Thema ist wie folgt gegliedert:

  1. Die Folgen des Supportendes und mögliche Alternativen
  2. Was Linux nicht ist
  3. Was ist Linux?
  4. Wie kann ich Linux ausprobieren?
  5. Installation einer geeigneten Distribution
  6. Das Schwarze Loch

1. Die Folgen des Supportendes von Windows XP und mögliche Alternativen

Kürzlich fand der Support für Windows XP sein Ende, und seine Benutzer stehen vor dem Dilemma, eine Entscheidung fällen zu müssen. Denn in der Welt der Experten ist man sich weitestgehend darüber einig, dass es höchst waghalsig ist, wenn man mit einem Rechner ins Netz geht, der von einem veralteten und nicht mehr betreuten und unterstützten Betriebssystem angetrieben ist. Durch möglicherweise vorhandene Sicherheitslücken, die nun nicht mehr geschlossen werden, kann ein potenzieller Angreifer die Kontrolle über den Rechner bekommen. Was dann alles so passieren kann, ist vielfältig. Wird nur das eigene Bankkonto leer geräumt, mag das zwar betrüblich sein, ist aber ein bedauerlicher Einzelfall mit geringer Auswirkung auf die übrigen sich im Netz tummelnden Menschen. Schlimmer wäre dann schon, wenn so ein Rechner gekapert und als Teil eines illegalen Botnetzes missbraucht würde. Der massenhafte Versand von Spam- und Phishingmails würde somit unterstützt werden, aber auch die privaten Daten auf dem infizierten Rechner sind interessant und schnell kopiert. Denken wir nur einmal an Zugangsdaten bei Mail-Anbietern oder Onlineshops…
Niemand sollte durch Bequemlichkeit dazu beitragen, eine solche Spamschleuder zu betreiben.

Fassen wir also kurz zusammen, dass wir einen Rechner mit Windows XP nicht mehr ins Netz bringen sollten, weil er

  • potentiell unsicher und gefährlich
  • potentiell gefährlich und unsicher
  • potentiell schädlich

sein kann.
Es ist nicht gesagt, dass die schrecklichen Szenarien auch alle so eintreten müssen, denn es müssten schon alle Bedingungen dafür zutreffen. Wer kann schon mit Sicherheit vorhersagen, ob die gerade benutzte Anwendung die Funktion xyz() aufruft, die damit einen Pufferüberlauf bewirkt und die Ausführung von Kommandos mit Administratorrechten erlaubt? Wir sollten also nicht blind vertrauen, sondern handeln.

Entschließen wir uns also folgerichtig, das jetzt veraltete und potentiell unsichere System Windows XP nicht mehr einzusetzen, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Die können natürlich so aussehen, dass wir uns einen neuen Rechner anschaffen und den alten günstigstenfalls beim Neukauf entsorgen können. Obwohl er noch funktionstüchtig ist und unseren Anforderungen vielleicht noch genügen würde…
Das Dilemma heißt „moralischer Verschleiß“. Wir wollen ja auch mal was Neues haben. Also gibt es einen neuen Rechenknecht mit einem bereits installierten System aus Redmond, welches natürlich unterstützt wird.
Oder wir entscheiden uns mal für was ganz Anderes: Apple! Man gönnt sich ja sonst nichts! Mitnichten will ich diese Alternativen verteufeln, jeder nutzt das System, welches am Besten zu ihm passt.

Wenn es aber die Möglichkeit gibt, das Schätzchen weiter zu benutzen, mit ein wenig mehr Performance, aber auch etwas mehr Einsatz von Gehirnschmalz, dann können wir das im Sinne der oft propagierten Nachhaltigkeit ruhig tun. Die Hardware der meisten XP-Systeme genügt den Anforderungen der Standardanwendungen wie Office, E-Mail, Surfen im Internet, Verwaltung und Bearbeitung von Fotos und Musik.
Nehmen wir also mal an, wir hätten so einen Rechner mit einem Hauptspeicher von einem Gigabyte, einem Athlon-Prozessor mit einem Kern und einer Onboard-Grafikkarte, vielleicht nVidia. In diversen Linux-Foren wird so ein Teil, wenn überhaupt beachtet, allenfalls nur mitleidig belächelt. Für unseren Zweck ist diese Kiste absolut geeignet, denn wir wollen ein GNU/Linux-System installieren, was die Probleme mit dem nicht mehr unterstützten XP mit einem Schlage löst, aber gleichzeitig neue schafft. Denn Linux ist nicht Windows.

Zusammenfassend gibt es also folgende Alternativen:

  • Neukauf eines Rechners mit Windows 7 oder 8punktirgendwas
  • Neukauf eines Rechners mit dem Apfellogo
  • Weiterbetrieb des Schätzchens mit einem geeigneten Linux

Zu den ersten beiden Punkten gibt es hier keine Ausführungen von mir.

Lasst mich an dieser Stelle noch ein paar Vorbemerkungen hinsichtlich der verwendeten Hardware machen. Die Minimalausstattung für ein zufriedenstellendes Arbeiten liegt nach meiner Erfahrung bei einer Arbeitsspeichergröße von 512 MB. Mein erster XP-Rechner aus dem Jahr 2001 verfügte schon über satte 1024 MB RAM, das ist natürlich besser.
Ob der Prozessor nun Athlon, Sempron oder Pentium heißt, ist erst einmal nebensächlich, solange es sich um einen normalen Desktop-PC handelt. Bei älteren Notebooks, die vielleicht mit einem Pentium M herumwerkeln, sieht es etwas komplizierter aus, ist aber nicht unmöglich.

Ich betreue den Rechner eines Freundes, den wir erfolgreich von Windows XP auf Linux umgestellt haben. Den Rechner. Und den Freund. Beide kommen sehr gut klar mit diesem System. Konkret ist dort folgende Rechenpower verbaut:

  • AMD Sempron 3000+
  • 512 MB RAM
  • Grafik NVIDIA NV34 [GeForce FX 5200]
  • Chipsatz VIA UniChrome KM400A
  • Plug-and-Play-Monitor (VGA)
  • AGP-Steckplatz

Die Grafikkarte hatte ich hier bei mir herumliegen. Die Anzeige funktionierte auch mit der Onboard-VIA/S3G-Unichrome, doch nahm die sich etwas vom sowieso schon knappen Arbeitsspeicher weg. Aus Performancegründen ist die GeForce eingestöpselt, und mein Freund schaut Youtube-Videos beinahe ruckelfrei.
Die Linux-Eignung der Hardware lässt sich zum Glück relativ einfach testen, indem wir uns ein Medium erstellen, von welchem der Rechner gestartet werden kann und welches ein Linux enthält. Doch dazu später mehr.

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