Angeschaut: Semplice Linux 6

Von Semplice hatte ich bestimmt schon mal gehört oder gelesen, aber es nie ernsthaft beachtet. Also musste ich erst mal lesen: Semplice Linux kommt aus Italien, baut auf Debian Sid und ist gerade in Version 6 veröffentlicht worden. Fix den Download der 64bit-Version gemacht und in eine virtuelle Maschine gepackt, schon läuft es im Live-Modus. Wie zu erwarten war, sieht man – abgesehen vom Hintergrundbild – erst mal nix, aber das ist eben Openbox.

Da der Live-Betrieb ohne Komplikationen lief, habe ich mir mal den Installationsprozess angesehen. Dazu habe ich der Maschine einen Prozessorkern, 2 GB RAM und 64 MB Grafikspeicher verpasst, was für den Test vollkommen ausreichen sollte.

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Der Installer sieht erst einmal ganz normal aus. Beim nächsten Bildschirm, wo es um Lokalisierung geht, wartet schon die erste Entscheidung: der Installer fragt, ob er Platz sparen soll, indem er nur die Sprachpakete für die ausgewählte Lokalisierung installieren soll. Natürlich soll er das, denn ich habe die Maschine nur mit 8 GB Plattenplatz eingerichtet.

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Es folgen die Tastatureinstellungen und die Frage des Installers, ob er sich vor der Installation erst einmal selbst auf Aktualisierung prüfen soll. Natürlich soll er das. Es könnte ja sein, dass kurzfristig noch Fehler ausgebügelt wurden. Komplettiert wird die Konfiguration der Lokalisierung durch die Abfrage der Zeitzone.
Anschließend werden die Benutzerdaten eingegeben.

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Hier wartet schon die nächste Entscheidung auf den geneigten Anwender: die Frage, ob er ein separates root-Passwort haben möchte. Für diese Fall wird sudo deaktiviert. Dieses Vorgehen wird nicht empfohlen, was ich selbst nicht ganz nachvollziehen kann. Mich erinnert das Einrichten des ersten Benutzers an Ubuntu, und ich kann dieser Konstellation keine Vorteile abgewinnen. In dieser Hinsicht bin ich traditionell auf dem Debian Way und arbeite mit einem normalen root-Konto.

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Anschließend wird nach der Partitionierung der Platte gefragt. Ich entschied mich nicht für „The geek’s paradise“, sondern ließ den Installer die Arbeit machen.

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Der Installer reservierte einen Bereich von 2 GB als swap-Partition und formatierte den Rest mit ext4. Für den Testzweck ist das ganz brauchbar so. Für eine native Festplatteninstallation hätte ich mindestens eine separate /home-Partition eingerichtet und den swap-Bereich verkleinert.

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Den Bootlader installiere ich üblicherweise in den MBR, weil Semplice das einzige Betriebssystem auf dieser Platte ist. Anschließend kann man ein paar Features für die Installation auswählen. Ich habe die Vorgaben einfach mal so übernommen, obwohl ich auf die Webapplikationen für Youtube, Twitter und Facebook verzichten kann.

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Ein ganz brauchbares Gimmick tauchte kurz vor dem Installationsbeginn auf: Der Installer fragte, ob er den schnellsten Spiegelserver für meine Zone aussuchen sollte. Natürlich sollte er, das würde mir später diese Arbeit ersparen. Irgendwo hatte ich ja das Problem kürzlich mal gehabt.
Zuletzt kam noch die Zusammenfassung, um vor der Installation noch einmal zu prüfen, ob alle Angaben zur Konfiguration und Installationsziel korrekt sind.

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Die Installation selbst verlief dann unspektakulär. Nach der Meldung über deren erfolgreichen Verlauf startete ich die Maschine neu und erfreute mich an der Installation.

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Semplice bringt eine Reihe an Standardanwendungen mit. Für den Bürobereich sind das Abiword und Gnumeric, im Bereich Grafik finden wir GNU Paint und den Bildbetrachter Mirage. Chromium und die nötigsten Multimedia-Anwendungen, wie Exaile und Xfburn, sind dabei.

Die Installation belegt ziemlich genau 2 GB Plattenplatz. Bisher läuft es stabil und schnell. Für eine intensivere Nutzung würde ich es mir sicher noch anpassen und einiges an Arbeit reinstecken. Fürs Erste reicht es jedoch so. Openbox ist natürlich nicht Jedermanns Sache, bietet dafür aber sehr schöne Möglichkeiten, es an seine Bedürfnisse anzupassen.
Da Semplice auf Debian Sid baut, möchte ich es nicht unbedingt für den Linux-Einsteiger empfehlen. Sid heißt zwar, dass es sich um den unstable-Zweig von Debian handelt, was nicht per se auf Instabilität schließen lässt – im Gegenteil! Debian unstable läuft stabiler als manch andere Distribution, die von sich behauptet, stabil zu sein. Bei Sid kann es vorkommen, dass durch Fehlerkorrekturen in Paketen Probleme mit ungelösten Abhängigkeiten auftauchen, die ein unerfahrener Einsteiger unter Umständen nicht selbst lösen kann.
Die Größe der Installation und der ressourcenschonende Desktop Openbox empfehlen diese Distribution auch für den Einsatz auf älterer Hardware.

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P.S.: Auch Semplice hat so seine Problemchen mit der korrekten Anwendung der eingestellten Sprache. Der Installer redete Englisch mit mir. Das Terminal spricht Englisch, was aber für den Systemadministrator erstens keine Hürde und zweitens sogar ein wenig schmeichelhaft ist. Und der Abmeldedialog bietet eine unfreiwillige Komik:

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