Der erste Kontakt

Seit Stunden war ich nun schon mit der Justierung der beiden Transwarpspulen beschäftigt. Ich war durch die engen Jeffries-Röhren gekrochen und hockte nun schwitzend vor dem geöffneten Antriebsstrang. Der Tricorder zeigte seltsame Werte, die ich nicht zu deuten wusste. Beim letzten Sprung durch das Wurmloch hatte sich gezeigt, dass die Spulen nicht synchron liefen, was das Schiff kräftig durchschüttelte und zu einem Beinahe-Ausfall der Trägheitsdämpfer geführt hätte. Zum Glück hielten sich die Schäden in Grenzen, bis auf den Ausfall der Konsole der Schiffsbibliothek durch den bei der Wackelei verschütteten Kaffee gab es keine ernsthaften Beschädigungen.
Dann fand die Ursache. Es war eine geringe Abweichung in der Phasenvarianz einer der Spulen, minimal nur und mit einem oberflächlichen Scan kaum zu bemerken.

Ich hatte die Arbeiten fast abgeschlossen, als sich plötzlich die Sternenflotte über das Interkom meldete. Ich sollte mich zur Sternzeit 2014,101815 am vorgesehenen Rendezvous-Punkt im Gamma-Quadranten einfinden, um die neue Sternenflotten-Direktive und meinen nächsten Auftrag entgegen zu nehmen. Außerdem sollte ein neuer Wissenschaftsoffizier an Bord kommen.
Ich musste mich also beeilen, denn viele Dinge waren noch zu erledigen…

* * *

Mit leichtem Schädelbrummen erwachte ich. Ich war immer noch zu Hause, auf der Erde, von Transwarpspulen, Trägheitsdämpfern und verschüttetem Kaffee auf der Bibliothekskonsole keine Spur. Erleichtert atmete ich auf – ich hatte nur geträumt. Doch sogleich schoss die Erinnerung ins Hirn: ich hatte tatsächlich ein Rendezvous im Gamma-Quadranten. Zumindest handelte es sich dabei für mich um Das Unentdeckte Land, im Volksmund Jobcenter genannt. Zum ersten Mal sollte ich einem leibhaftigen Fallmanager gegenübertreten.

Dann zeigte sich schnell, dass die leichte Nervosität, die mich ergriffen hatte, vollkommen unberechtigt war. Mein Betreuer war äußerst umgänglich. Meine Frage nach einem neuen Vermittlungsgutschein hätte er mit Verweis auf den noch nicht erhaltenen Bescheid der Leistungsabteilung abschmettern können – allein, er tat es nicht. Statt dessen hängte er sich ans Telefon und versicherte sich, dass die Übersendung des Bescheides nur noch eine Zeitfrage, ich selbst anspruchsberechtigt sei und mir daher der Vermittlungsgutschein ruhigen Gewissens ausgehändigt werden könne. Die Aussicht, dass ich ihn demnächst in Anspruch nehmen werde, geht gegen einhundert Prozent, was das Ende meiner Odyssee und der Bekanntschaft mit dem Jobcenter absehen lässt.
Ich kann nur hoffen, dass mich das Jobcenter bis dahin mit der Teilnahme an sinnfreien Maßnahmen verschont.

Möge die Macht mit Euch sein!

Ach nee, das ist ein anderer Film…

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