Außer Spesen nichts gewesen?

Vor ziemlich genau zwei Wochen hatte ich ein Erfolgserlebnis. Ich bekam eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei einem Systemhaus, das die Netzwerk- und Systemadministration als Dienstleistung für die Unternehmen in der Region anbietet. Die passende Stellenausschreibung gab es zwar so nicht, denn die veröffentlichte Offerte bezog sich ausschließlich auf Microsoft- und Windows-Umgebungen, aber ich ließ mich nicht davon abschrecken und rief in der Personalabteilung an. Auf meine Einlassung, dass ich von dem geforderten Kram keinen blassen Schimmer hätte, aber mit LPIC-2 aufwarten könne, und der Frage, ob die Firma auch vergleichbare Stellen im Angebot hätte, antwortete mir die nette Dame am Telefon, dass das gut möglich sei und ich, sofern ich möchte, gern meine Bewerbung schicken könne.

Gesagt – getan! Drei Tage später lud mich der Geschäftsführer zu einem Gespräch ein. Er zerstreute erst einmal meine inzwischen angehäuften Zweifel bezüglich meines Alters. Auch zollte er mir Anerkennung ob meines LPIC-2-Zertifikates. Dann erklärte er mir, dass er mich bei Vorliegen eines entsprechenden Microsoft-Zertifikates (idealerweise MCITP) sofort einstellen würde. Es sei eben nicht so, dass der Kundenbedarf an reinen Linux-Lösungen so groß sei, dass er zur Schaffung einer reinen Linux-Stelle ausreiche. Deshalb sei die Kenntnis der Microsoft-Umgebung unverzichtbar, die ich mit der passenden Zertifizierung nachweisen könne. Dann allerdings hätte er so viel Arbeit, um mich damit bis über beide Ohren einzudecken.
Sollte es nötig sein, könne er mir für die Begründung eines Bildungsgutscheines von der Arbeitsagentur eine schriftliche Einstellungszusage im Fall des Vorliegens des passenden Zertifikats geben.

Derart positiv gestimmt und motiviert, setzte ich umgehend meine Sachbearbeiterin in der Arbeitsagentur von der Situation in Kenntnis und bat um einen Bildungsgutschein, da sich meine Zukunftsaussichten damit schlagartig verbessern würden.

Dachte ich.

Das ist jetzt zehn Tage her.
Ich habe einen Antrag für einen Bildungsgutschein auch noch einmal per Post auf den Weg gebracht. Bisher ist keine Reaktion erfolgt. Passende Kurse beginnen Anfang Oktober…

In dem Gespräch mit dem Geschäftsführer des Systemhauses machte dieser mir keinerlei Hoffnungen, dass andere Firmen in dieser Branche mir andere Angebote machen könnten. Es sei aus seiner Erfahrung heraus einfach sehr selten bis gar nicht der Fall, dass eine Administratorenstelle geschaffen würde, die ausschließlich auf Linux ausgerichtet sei.
Offenbar sind das alles nicht die passenden Argumente für die Arbeitsagentur.

Ich freunde mich nach und nach mit dem Gedanken an, dass ich ein ziemlich hoch dekorierter Hobby-Linuxer bin, der ein im Augenblick wertloses LPIC-2 an der Wand hängen hat. Mindestens genau so frustrierend ist die Erkenntnis, dass die Arbeitsagentur offenbar auf das bisher investierte Geld pfeift. Ist ja nicht deren Kohle…

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11 Gedanken zu „Außer Spesen nichts gewesen?

  1. Es geht doch nix über ’ne schöne Dekoration! 😉 Spass beiseite: Kannste Dich nich schon ‚mal auf Verdacht in Redmond anmelden … Gutschein kommt nach? Mach‘ Deiner AA-Tante maximalen Dampf! *Daumen_drück*

    • Es gibt zwei Möglichkeiten, sich bei einer solchen Maßnahme anzumelden: entweder man hat den Bildungsgutschein, oder man zahlt selber. Angesichts einer zu erwartenden fünfstelligen Summe bin ich darauf angewiesen, dass ich einen Bildungsgutschein habe. Bildungsunternehmen sind Wirtschaftsunternehmen, denen ist letztlich egal, wer zahlt.

      Gestern Abend habe ich von anderer Seite erfahren, dass die Arbeitsagentur wohl kein Geld mehr hat für Vermittlungsförderung. Im Frühjahr sah das noch anders aus, jetzt erklärt es aber auch die Sprachlosigkeit.

  2. Auf jeden Fall drücke auch ich dir die Daumen, das bei der Agentur noch ein wenig Geld aufzutreiben ist.
    Am Ende fällt dir hier auf die Füsse bei der IT, dass du ein „Quereinsteiger“ bist. Entsprechende praktische Erfahrungen vorausgesetzt – das meint in erster Linie Windows – und dazu die LPIC-2 würde die Sache anders aussehen, denn insbesondere Netzwerktechnik ist ja „Betriebssystemoffen“.
    Was genau soll es beim MCITP denn sein? Damit ist ja der Chef der Firma noch recht bescheiden in seinen Forderungen …

    • Konkret ist MCITP: Enterprise Administrator gemeint. Also Server 2012, Exchange, Vmware, Citrix, Xen …
      Dazu gesellen sich dann noch spezifische Dinge wie asterisk/FreePBX (VoIP). Immerhin laufen der Server 2008 (ja, ich weiß, ist alt, aber mein erster Windows Server und dazu noch kostenlos) und FreePBX in der VirtualBox, sodass ich da schon mal schnuppern kann.

      Momentan grübele ich aber, wie ich das Amt wenigstens zu einer Antwort bewegen kann.

  3. Na mit dem Enterprise Admin ist er ja dann doch nicht mehr soo bescheiden …
    Nach meinen Erfahrungen mit dem Amt (damals hiess es auch noch so) sagen: immer persönlich vorsprechen. Wenn das nichts hilft nächst höhere Stelle kontaktieren und den Sachbearbeiter darüber informieren …

    • Ja, da wird mir nichts übrig bleiben, als selbst dort aufzuschlagen. Ich konnte bisher immer sehr unkompliziert mit der Sachbearbeiterin über das Portal in Verbindung treten, auch bei der ersten Qualifizierungsmaßnahme. Aber sicher werde ich dazu erst mal einen Termin vereinbaren müssen, denn nur im Falle einer direkten Einstellung und der damit verbundenen Leistungen wie Einarbeitungszuschuss etc. darf ich ohne Termin vorsprechen. Nur, drauf warten werde ich nicht, bis ich einen Termin bekomme.

      Noch drei Monate bis Hartz IV…

  4. Der persönliche Besuch heute hat genau Nullkommanix ergeben. Meine Sachbearbeiterin ist zu einem Lehrgang außer Haus. Generell ist eine Vorsprache ohne Termin aber auch gar nicht möglich. Also habe ich die entsprechende Telefonnummer gewählt, um mir einen Termin geben zu lassen. Nach Auskunft der Dame am anderen Ende der Strippe ist es nicht möglich, mir einen Termin zu geben. Allerdings wird mich die Sachbearbeiterin bis zum Freitag anrufen.

    Das ist dann wohl das endgültige Aus für die angestrebte Karriere in der IT, denn eine fünfstellige Summe zuzüglich Fahrtkosten für einen entsprechenden Lehrgang kann ich nicht stemmen, wenn im Regelsatz dafür nichts vorgesehen ist.

    „Wenn Träume sterben…“

  5. Menschenskind,
    wenn ich sowas lese, kommt mir die Galle hoch …..
    Bloß gut, daß ich rechtzeitig weg bin von dadort und nur noch fünf Jahre habe bis „Konez“….
    Drücke Dir alle Daumen, Totschka !

    Und werde für Dich mal ne Kerze bei den Lamas anzünden, vielleicht hilft das ja ….

    LG
    der Mongoleifan

  6. Morgen ist nun Feiertag, und der heutige Tag verging ohne Anruf durch die Sachbearbeiterin. Am Telefon erhielt ich die Auskunft, dass ich bis Freitag angerufen würde. Dann ist ja noch Hoffnung…

  7. Pingback: (Spesen-)Abrechnung – letzter Teil | totschkas_blog ✎

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