Meine Woche im Rückblick

Montag, 6. Mai 2013
Meinen Blutdruck möchte ich jetzt lieber nicht messen lassen. Mit einem Frühstück beginne ich den Tag, wie ich es gewohnt bin und bemühe mich, diesem Tag einen so normalen Anstrich wie nur möglich zu geben. Es klappt aber nicht recht, denn ich bin tatsächlich aufgeregt. Die Prüfung. Die Prüfung, von der eigentlich alles abhängt. Sicher sind die anderen Prüfungen ebenso wichtig, weil sie alle zur Erlangung der angepeilten Zertifikate erforderlich sind, aber es ist die erste, und ohne die lohnt ein Weitermachen nicht.
Mein Banknachbar holt mich ab, und er ist genauso aufgeregt wie ich. Wir erscheinen überpünktlich und lassen die Anmelde- und Registrierungsprozedur über uns ergehen. Ohne großes Geplänkel geht es los, die Prüfung wird an speziell präparierten Windows-PC absolviert.

Erste Frage… Durchpusten, aufatmen! Es ist der angekündigte und aus der Vorbereitung gewohnte Stil. Ab Frage Nummer Fünf bin ich mir sicher, die nötigen Punkte zum Bestehen der Prüfung zusammen zu stoppeln. Ich werde jedoch nicht übermütig und halte mich an das mir selbst auferlegte Programm: ich lese mir die Frage dreimal durch, bevor ich sie beantworte. So dauert es immerhin beinahe zwanzig Minuten, bis ich alle Fragen beantwortet habe. Danach sehe ich mir alle Antworten noch einmal an und kontrolliere besonders in den Eingabefeldern, ob ich die geforderten Kommandos oder Pfad- und Dateinamen richtig eingetippt habe. Dabei fällt mir auf, dass ich bei einer Frage eine offensichtlich falsche Antwort ausgewählt habe. Ich korrigiere sie, was sich später als richtig erweisen soll.
So bin ich nach einer knappen halben Stunde fertig, insgesamt hätte ich mir noch eine Stunde mehr Zeit nehmen können. Das Programm zeigt mir das Ergebnis an, und ich starre ungläubig auf den Bildschirm.

Wenig später kommt die Mitarbeiterin des Prüfungszentrums freudestrahlend und das Zeugnis schwenkend auf mich zu und gratuliert zur bestandenen Prüfung. Sie bestätigt, was ich nicht recht glauben wollte: 790 von 800 möglichen Punkten!
Während der gesamten Prüfung hatte ich ein gutes Gefühl, die von mir angepeilten 700 Punkte zu erreichen, aber mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Auch mein Banknachbar besteht die Prüfung mit akzeptablem Ergebnis, was insofern beachtlich ist, da er doch viel weniger Erfahrung mit Linux hat als ich.

Dienstag, 7. Mai 2013
Wie vorhergesehen habe ich durch den Prüfungstag nicht wirklich viel Stoff verpasst, das Thema SQL ist nicht weit fortgeschritten. Ich finde mich auch dank der unmittelbaren Hilfe durch meinen Banknachbarn sofort zurecht.
Wir werten natürlich auch die ersten Erfahrungen mit den Prüfungen aus. Einer hat in sagenhaften acht Minuten die volle Punktzahl erreicht. Das nötigt mir einen gewissen Respekt ab.
Nachmittags beginnt ein interessantes Thema: der X-Server und die grafische Oberfläche. Ich stelle fest, dass das einführende Kapitel in unserem Buch zur Prüfungsvorbereitung sehr gut und verständlich geschrieben ist.

Abends ärgert mich Windows schon wieder mit Updates. Es dauert eine geschlagene Stunde, bis der Gast-Rechner damit fertig ist und herunterfährt. Ich habe die Faxen dicke und werde mal nach einer Möglichkeit suchen, den Linux-Host-Rechner automatisch herunter zu fahren, sobald die virtuelle Windows-Maschine ausgerödelt hat. Ich habe da auch schon eine Idee, wie ich das mit einem Shell-Skript lösen könnte: für den Fall, dass Windows wieder das Ausschalten verzögert und Updates installiert, frage ich die Prozess-ID in regelmäßigen Abständen ab. Hat sich die virtuelle Windowsmaschine beendet, liefert diese Abfrage einen Fehlerwert als Rückgabe. In diesem Fall wird der Shutdown veranlasst. Das ganze wird als Hintergrundprozess gestartet, und ich kann schon mal ins Bett gehen.
Mal antesten demnächst.

Mittwoch, 8. Mai 2013
Es werden ein paar Dinge zu SQL wiederholt und gefestigt. In der Chatbox des virtuellen Klassenzimmers geht es hoch her, und der Dozent lässt sich immer wieder aus dem Takt bringen. So wird wieder einmal sehr viel wertvolle Zeit verplempert. Anschließend geht es weiter mit Xorg, unterbrochen von Fachsimpeleien über Grünpflanzen als legale Rauschmittel…
Ich langweile mich und beschließe, ein paar angelesene Sachen einfach auszuprobieren. Die Debian-Maschine wird Server, von der Suse-Kiste melde ich mich über ssh darauf an und starte mit xskat eine grafische Anwendung. Sehr schön, denn das Paket xskat habe ich bei openSUSE bisher nicht gefunden. Damit ssh nicht einfach nur so schnöde über Benutzername und Passwort abgesichert ist, generiere ich ein passwortgeschütztes Schlüsselpaar und reguliere den Austausch mit dem Server. Selbstverständlich passe ich die Einstellungen in der Datei /etc/shh/sshd_config entsprechend an und erhöhe damit weiter die Sicherheit.
Dann kommt mir in den Sinn, den Server in Runlevel 3 zu schicken, das heißt, voller Netzwerkzugriff, Mehrbenutzersystem, aber kein X. Erneut melde ich mich auf dem Server an – ssh funktioniert jetzt komfortabel über den passwortgeschützten Schlüssel ohne weitere Eingaben von mir – und starte xskat. Es läuft wie erwartet und bestätigt meine Erkenntnis, dass ein X-Server nicht unbedingt auch auf einem physischen Server laufen muss.
Inzwischen sind die anderen Teilnehmer dabei, ihre virtuellen Maschinen so zu konfigurieren, dass sie miteinander vernetzt werden können, um genau die Dinge nachzuvollziehen, die ich bereits fröhlich genieße. Ich bekomme langsam eine Ahnung davon, wie die Dinge funktionieren und warum sie funktionieren.

Zu Hause beeindruckt mich Windows mit einer wahren Orgie an Neustarts. Die gestrigen Updates wollen nachversorgt werden, und so ermahnt mich die Kiste nach dem Start erst einmal, dass ich sie nicht ausschalten soll…
Ehrlich, ich habe die Maschine gestartet in dem festen Vorsatz, Windows hoch zu fahren. Was soll dann diese schwachsinnige Ermahnung, ich soll nicht ausschalten? Endlich läuft Windows und erinnert mich sofort an ausstehende Updates. Nach einer halben Stunde will die Maschine neu gestartet werden. Ich gewähre ihr die Bitte. Beim Neustart vollendet sie die Installation der Updates und startet dabei noch drei Mal neu. Nach über einer Stunde Gesamtdauer ist der Update-Terror vorbei.
Wenn ich nicht einen besonderen Grund für den Erwerb von Windows hätte, mir würde kein vernünftiger einfallen, mir dieses System freiwillig auf meinen privaten Rechner zu pappen und mich davon in der Freizeit malträtieren zu lassen. Freiwillig?! Niemals nicht!

Ach ja, das angedachte Skript ist fertig und funktioniert:

skript_windows

Nichts Besonderes, spätestens drei Minuten nach dem Ausschalten der Windows-VirtualBox fährt der Linux-Host herunter.

Donnerstag, 9. Mai 2013
So ein Feiertag ist was Feines. Ausschlafen zum Beispiel ist eine Beschäftigung, der man an einem solchen Tag nachgehen kann. Ich übertreibe es aber nicht damit, denn ich will dann noch los. Ausgiebiges Frühstück ist angesagt, anschließend schaue ich mir die Übertragung der Siegesparade auf dem Roten Platz an. Am liebsten würde ich den Ton abdrehen, denn die Kommentatoren sind unterirdisch schlecht, aber dann verpasste ich ja die herrlichen „Urrrrraaaaaaaaa!“-Rufe der Soldaten, die mir eine leichte Gänsehaut bereiten.
Nach der Parade marschiere ich los. Ich bin zu Bier, Rostbratwurst und Rostbrätel verabredet und habe etwa sechs Kilometer Fußmarsch vor mir. Selbstverständlich regnet es während der gesamten Wanderung, und erst als ich eintreffe hört es damit auf. Dann aber wird es ein wunderschöner Tag. Auf dem Heimweg regnet es dann wieder.
Etwas geschafft von der Zwölf-Kilometer-Wanderung und vom Bier komme ich dennoch wohlbehalten und gut gelaunt nach Hause.

Freitag, 10. Mai 2013
Der Tag ist irgendwie wie angestemmt. Zäh quäle ich mich durch das Thema. Es ist fast Mittag, als wir durch die Hilfsmittel für Computerbenutzer mit Handicaps hindurch sind. Da es nicht viel Sinn macht, noch mit den Automatisierungen zu beginnen, ziehen wir die Mittagspause vor und behandeln anschließend at, cron und anacron. Da sehr hoch gewichtet, sind sie dankbare Punktelieferanten für die Prüfung. Mir fallen auch schon einige sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für den Rechner zu Hause ein.

Sonnabend, 11. Mai 2013
apt-get update && apt-get install money
cd /Gaertnerei
locate gemuese
for k in tomate erdbeere kohlrabi kopfsalat; do stat $k && ./kaufen.sh; done
cd ~/Garten
for k in tomate erdbeere kohlrabi kopfsalat; do dpkg -i $k; done
cd
apt-get clean

Sonntag, 12. Mai 2013
Ich überprüfe die Campingausrüstung, denn kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Meine Daumen drücke ich heute für Fernando Alonso, weil ich mir mehr Spannung wünsche. Es ist einfach unterhaltsamer, wenn nicht immer dieselben Fahrer gewinnen.

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Ein Gedanke zu „Meine Woche im Rückblick

  1. Das Daumendrücken hat geholfen. Im Sinne der Unterhaltung und der Spannung ist dieses Rennergebnis natürlich optimal. Schade zwar für Kimi, dem hätte ich den Sieg auch gegönnt, aber das wird in dieser Saison schon noch mal passen. Ganz starke Leistung von Massa.

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