Mainboardtausch – nicht wirklich ein Problem

Manchmal schlägt sie eben zu, die Obsoleszenz, ob geplant oder nicht. In diesem Fall eher schlecht geplant, wenn überhaupt, denn eigentlich lebt das alte Mainboard ja noch, und außerdem hat es den Garantiezyklus schon sehr lange überlebt. Es hat nur ein paar Gebrechen, die ich im Nachhinein zuordnen kann.
Zuerst fiel die Maus aus. Einfach so. Das Board hatte je einen PS/2-Anschluss für Tastatur und Maus, und vom Vorgänger der Kiste übernahm ich einfach die Peripherie inklusive der notwendigen USB-PS/2-Adapter. Ich gab dem Adapter die Schuld, stöpselte die Maus in einen USB-Port und war zufrieden. Ein paar Tage danach wollte der Rechner nicht mehr starten. Beim POST (Power-On Self-Test) wartete ich vergeblich auf den erlösenden Piepton, der signalisiert, dass hardwareseitig alles okay ist. Nach kurzem Probieren identifizierte ich die Grafikkarte als Übeltäter. Das war jetzt nicht tragisch, denn die Onboard-GPU funktionierte ja noch. Die Karte war nur ein paar Monate alt, also ein Garantiefall. Als ich das Austauschmodell einbaute, gab es den selben Fehler. Also lag es nicht an der Karte, sondern am Board. In einem verzweifelten Versuch reinigte ich den Slot und suchte das Board nach geplatzten Elkos ab. Nichts!

Zwei Ausfälle auf einem Mainboard innerhalb kurzer Zeit – das gab mir zu denken. Ich wollte keinen unerwarteten Totalschaden riskieren und entschloss mich, das Board auszutauschen. Nach kurzer Recherche war klar, dass eine Aufrüstung wegen der Kosten nicht in Frage kam. Also besorgte ich für den Rechenknecht AMD Athlon 64 und die vorhandenen RAM-Riegel (DDR-2) das passende Board.

Der Wechsel selbst ist kein Problem, alle Anschlüsse sind gut dokumentiert. Empfehlenswert ist bei so einer Aktion, die Wärmeleitpaste zwischen Prozessor und Kühlkörper zu erneuern, da man diese Verbindung bei der Demontage lösen muss. Um den armen Kerl nachher nicht den Hitzetod sterben zu lassen, sollte diese Verbindung wieder lückenlos sein. Das geht nur, wenn die Rückstände der alten Paste von Prozessor und Kühlkörper entfernt werden und neue Paste aufgetragen wird. Ich benutzte zum Entfernen Nagellackentferner und anschließend reinen Alkohol (Alkoholtupfer). Von der neuen Wärmeleitpaste, die ich gleich mit dem neuen Board bestellt hatte, trug ich ein etwa erbsengroßes Häufchen auf den Prozessor auf. Die Paste verteilte sich beim Aufsetzen des Kühlers, den Rest erledigte die Wärme.

JD505340
Der gereinigte Prozessor ist montiert und mit der Wärmeleitpaste versehen.

Nach einer knappen Stunde war alles erledigt und der Rechner lief sofort ohne Murren.

Ich stellte dann fest, dass die Lüfterdrehzahl nicht regelbar war. Das Board benötigt dafür einen 4-pin-PWM-Lüfter, der alte hatte aber nur einen 3-pin-Anschluss. Also besorgte ich mir noch den passenden Lüfter, denn ohne intelligente Drehzahlregelung ist das Geräuschniveau ziemlich hoch, wenn man den Flüsterbetrieb gewohnt ist.
Alles in allem haben mich Board, Wärmeleitpaste, Lüfter und Versand rund siebenundfünfzig Euro gekostet, was ich als akzeptablen Preis ansehe.

Seit mehr als einer Woche läuft die Kiste wieder vollkommen störungsfrei. Ich wunderte mich nur, dass conky in KANOTIX keine Netzwerkverbindung anzeigte, obwohl sie vorhanden war. Seltsamerweise tat es das aber in Arch Linux. Also ging ich der Sache auf den Grund.
Beim Wechsel des Mainboards änderte sich auch die MAC-Adresse der Netzwerk“karte“. Debian etabliert dafür die neue Schnittstelle eth1. In /etc/udev/rules.d/70-persistent-net.rules findet sich der neue Eintrag mit der entsprechenden MAC-Adresse und der Schnittstelle eth1.

# This file was automatically generated by the /lib/udev/write_net_rules
# program, run by the persistent-net-generator.rules rules file.
#
# You can modify it, as long as you keep each rule on a single
# line, and change only the value of the NAME= key.

# PCI device 0x10de:/sys/devices/pci0000:00/0000:00:0a.0 (forcedeth)
# SUBSYSTEM=="net", ACTION=="add", DRIVERS=="?*", ATTR{address}=="00:e0:4d:9f:2f:7b", ATTR{dev_id}=="0x0", ATTR{type}=="1", KERNEL=="eth*", NAME="eth0"

# PCI device 0x10de:/sys/devices/pci0000:00/0000:00:07.0 (forcedeth)
SUBSYSTEM=="net", ACTION=="add", DRIVERS=="?*", ATTR{address}=="bc:5f:f4:7c:6a:62", ATTR{dev_id}=="0x0", ATTR{type}=="1", KERNEL=="eth*", NAME="eth0"

Es ist die bereits geänderte Version. Den ersten Eintrag habe ich auskommentiert, der zweite Eintrag enthält den bereits korrigierten Eintrag NAME=“eth0″.

Nun musste ich nur noch /etc/network/interfaces polieren:

# This file describes the network interfaces available on your system
# and how to activate them. For more information, see interfaces(5).

# The loopback network interface
auto lo
iface lo inet loopback

# The primary network interface
# allow-hotplug eth0
# iface eth0 inet dhcp

Die beiden letzten Zeilen mussten nur auskommentiert werden, und schon passt alles. Conky zeigt die Netzwerkdaten wieder ordentlich an. Letztlich spielte es für die Funktionalität keine Rolle, wenn ich statt dessen in conky nur die Schnittstelle von eth0 in eth1 geändert hätte. Aber irgendwie habe ich mich daran gewöhnt, dass das jeweils erste Gerät mit „0“ – hier also „eth0“ – bezeichnet wird.
Ordnung muss sein!

* * *
Hier noch ein paar aktuelle Daten zum alten Maschinchen:

Machine: Mobo: ASRock model: N68C-GS FX Bios: American Megatrends version: P1.40 date: 10/31/2012

CPU: Single core AMD Athlon 64 3500+ (-UP-) cache: 512 KB flags: (lm nx sse sse2 sse3 svm) clocked at 1000.00 MHz

Graphics: Card: NVIDIA GT218 [GeForce 210] X.Org: 1.12.4 driver: nvidia Resolution: 1920x1080@60.0hz
GLX Renderer: GeForce 210/PCIe/SSE2 GLX Version: 3.3.0 NVIDIA 304.64

Audio: Card-1: NVIDIA MCP61 High Definition Audio driver: snd_hda_intel Sound: ALSA ver: k3.8.0-10-generic
Card-2: NVIDIA High Definition Audio Controller driver: snd_hda_intel
Card-3: Z-Star Micro driver: USB Audio

Network: Card: NVIDIA MCP61 Ethernet driver: forcedeth
IF: eth0 state: up speed: 100 Mbps duplex: full mac: bc:5f:f4:7c:6a:62

Drives: HDD Total Size: 1160.2GB (5.9% used) 1: id: /dev/sda model: SAMSUNG_HD103SJ size: 1000.2GB
2: id: /dev/sdb model: ExcelStor_Techno size: 160.0GB
Partition: ID: / size: 14G used: 8.7G (67%) fs: ext4 ID: /home size: 40G used: 1.6G (5%) fs: ext4
ID: swap-1 size: 4.29GB used: 0.00GB (0%) fs: swap

Sensors: System Temperatures: cpu: 34.0C mobo: 32.0C gpu: 53C
Fan Speeds (in rpm): cpu: 0 fan-2: 0 fan-3: 0 fan-4: 0 fan-5: 0

Info: Processes: 117 Uptime: 2:45 Memory: 668.8/3953.9MB Client: Shell inxi: 1.8.4

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2 Gedanken zu „Mainboardtausch – nicht wirklich ein Problem

  1. Ach ja, fast vergessen:
    Zum Einen habe ich bei der Gelegenheit mich getraut und ein BIOS-Update gemacht. Ging einfach, die aktuellste Version von der Herstellerseite laden, auf einen mit fat16 formatierten USB-Stick bringen und beim Booten F6 drücken. Die Aufforderung, tunlichst keine Gnöbfler zu drücken während des BIOS-Flash, habe ich befolgt. Nach ein paar Sekunden war alles erledigt.

    Zum Anderen gibt es nun keine Probleme mehr beim Booten von USB-Sticks mit Multi-Hybrid-ISOs, die auch das Booten von UEFI beinhalten. Das ging mit dem alten Board nie so recht.

  2. Pingback: Meine Woche im Rückblick | totschkas_blog ✎

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