Tiefdruckgebiete

In den letzten Wochen war es sehr ruhig hier, und schon erreichten mich diverse Anfragen nach der Ursache der Funkstille. Ja, es ging mir nicht gut. Physisch schien alles in Ordnung, doch ich hänge auch der These an, dass sich psychisches Unwohlsein auch in körperlichen Gebrechen äußert, wenn es nur lange genug währen darf.

Der Grund aller Antriebslosigkeit war in der Arbeit zu suchen. Damit sollte ich mich in guter Gesellschaft befinden, denn ein großer Teil der Krankschreibungen erfolgt wegen psychischer Probleme, die durch Arbeit verursacht werden. Ich selbst befand mich in einem Strudel aus neuen Aufgaben, unerledigter Arbeit und stetig wachsenden Anforderungen. Dazu gesellte sich die Überzeugung, dass sich die Arbeitsbelastung nicht mit dem Status einer befristeten Beschäftigung und der damit verbundenen Verdiensthöhe verträgt. Ich zweifelte daran, dort noch eine berufliche Zukunft zu haben und begann,mich auf interessante Stellenausschreibungen zu bewerben. Die bald eintreffenden Absagen verbesserten meine Situation auch nicht, denn die von der Uschi verkündeten Propagandamärchen über die stark verbesserten Chancen für ältere Arbeitnehmer haben sich wohl noch nicht so recht herum gesprochen. Ich muss bei solchen Jubelmeldungen immer wieder an die Aktuelle Kamera und die dort verkündeten unglaubliche Erfolge der sozialistischen Produktion denken.

In dieser Melange aus Überforderung, Aussichtslosigkeit und Systemablehnung gärte es unablässig, und ich interpretierte in jede Äußerung eine Geringschätzung meiner bisherigen Leistung, ich war sogar der Meinung, es mit Bossing zu tun zu haben. Der Ausweg aus dieser Situation war ein Gespräch, bei dem alle diese gesammelten Eindrücke und Erlebnisse auf den Tisch kamen. Letztlich sind die Fronten geklärt, Missverständnisse ausgeräumt. Jetzt habe ich ein paar Tage Urlaub.

Der große Berg Arbeit aber bleibt…

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6 Gedanken zu „Tiefdruckgebiete

  1. „ich hänge auch der These an, dass sich psychisches Unwohlsein auch in körperlichen Gebrechen äußert

    „Der Kummer, der nicht spricht,
    flüstert zum Herzen, bis es bricht.“
    William Shakespeare, Macbeth, IV. Akt, 3. Szene (Malcolm)

    • Ich wusste doch, dass da einer der Altvorderen was Schlaues formulierte… 😉 Danke!
      Letztlich war alles eine Frage von nicht kommunizierten Erwartungshaltungen. Beidseitig.

  2. Pingback: Nachlese zum Artikel “Tiefdruckgebiete” | Totschka – Auf den Punkt

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