Warum ich damals meinen Beruf an den Nagel hing

Es gibt im Verlaufe des Lebens immer wieder Situationen, in denen man Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen, die weitreichende Konsequenzen haben und deren Umfang man kaum abzuschätzen vermag. So stand ich in der Wendezeit, die heute als „friedliche Revolution“ verklärt wird, vor einer solchen Entscheidung. Den Beruf, den ich erlernte, würde ich so nicht mehr ausüben können. Der geplante Einsatz von Einheiten der Armee gegen Demonstranten kollidierte meiner Auffassung nach eindeutig mit dem von mir geleisteten Eid.

Dass es mit der DDR zu Ende ging und als Konsequenz sich das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik künftig bis zur Oder erstrecken würde, war mir klar. Meine Zukunft hingegen schien völlig unklar. Nur in einem Punkt war ich mir sicher: eine Bewerbung bei der Bundeswehr kam für mich nicht in Frage. Ich war mir damals sicher, dass diese Bundesrepublik nicht mein Staat sei und ich diesem Staat auch nicht dienen wollte.

Meine Erfahrungen aus den letzten zweiundzwanzig Jahren haben mich darin bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn ich seit dem einen recht holprigen Weg ging und im landläufigen Sinne nicht „erfolgreich“ war. Aber auch darauf pfeife ich getrost, weil sich der Begriff „erfolg-reich“ in dieser kranken Gesellschaft nur noch auf die Silbe „reich“ fokussiert.
Um dieses „reich“ zu sichern, beteiligt sich dieser Staat aktiv an Kriegen und plant nun auch den Einsatz der Bundeswehr gegen das eigene Volk. Wobei diese Feststellung nicht ganz korrekt ist, denn es gab bereits Bundeswehreinsätze gegen Demonstranten.

Das jetzt vom Bundesverfassungsgericht gefällte Urteil bietet dank wachsweicher Formulierungen jede Menge Interpretationsspielraum bei der Festlegung dessen, was einen Einsatz der Bundeswehr gegen das eigene Volk rechtfertigt. Dass in der westlichen „Werte“gemeinschaft auch schon einmal bewusst Falschmeldungen lanciert werden, um einen lange vorbereiteten Angriffskrieg zu beginnen, dürfte bekannt sein.

Mir schwant, dass „die Märkte“ wohl wissen, welche Zumutungen sie in Zukunft noch für das Volk bereit halten und wohin das führen kann. Deshalb wird schon einmal vorsorglich Schritt für Schritt die rechtliche Grundlage geschaffen, im dank Gummiformulierung frei zu definierenden Bedarfsfall das Militär mit effektiveren Waffen Demonstranten, Aufständische und Aufrührer zusammen schießen zu lassen.

Nein, dieser Staat ist wirklich nicht mein Staat, und er wird es nie sein. Er ist ein Büttel des Kapitals. Mag so mancher ob dieser altbacken-klassenkämpferischen Formulierung kopfschüttelnd die Stirn mit dem Zeigefinger berühren, es lässt mich kalt. Bisher haben sich annähernd alle Indoktrinationen, die mir während meiner schulischen Ausbildung zum Thema Kapitalismus verabreicht wurden, als zutreffend erwiesen. Letztlich bin ich froh und mit mir selbst im Reinen, dass ich die Entscheidung, niemals in der Bundeswehr dienen zu wollen, damals so traf.

* * *

Ich fand in der Blogosphäre einen interessanten Artikel, der unter anderem auch flankierende Maßnahmen beschreibt, die auf dem Weg zu diesem fatalen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes bereits eingeleitet wurden.

Deutschland und EU auf dem Weg zu Militärdiktatur und Bürgerkrieg? Halbzeitbetrachtungen.

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6 Gedanken zu „Warum ich damals meinen Beruf an den Nagel hing

  1. Tach Totschka,

    wieder zurück?

    Zum Artikel: Wer glaubt denn, dass die Phynanzer – und der von ihr geduldete Politniki – eine „Ermächtigung“ durch das BVerfG und Auslegung des GG bedürfen?

    Wenn’s soweit iss wird „ab fünfuhrfünfundvierzig zurückgeschossen“!

    Bis dahin gugg ich mir das Spiel an, welches lautet: flatter & Co. Hüh! (Verfassungsrechtler) Dehnhardt & Co. Hott! *gäääähn* (wehret den Anfängen gilt nich, kein Mensch kann 30, 40 Jahre rückwärts arbeiten)

    PS.: Gero Jenner Das Pyramidenspiel – Finanzkapital manipuliert die Wirtschaft. Ich es‘ für Dich schon ‚mal vor!

    • Hi,
      ich bin mir sicher, dass die nicht erst nach einer Ermächtigung fragen, wenn es soweit ist. Allerdings denke ich auch , dass sie es nicht soweit kommen lassen, einen Sturm des Protestes heraufzubeschwören. Lieber homöopathische Alternativlos-Döschen, gewürzt mit propagandistisch aufbereiteten Feindbildern, damit selbst der Unterschichtler noch jemanden zum Draufrumtrampeln hat, damit lässt sich Volkes Zorn in die genehmen Bahne lenken und kanalisieren.

      Wie formulierte der Herr Richter Gaier?

      Im Schatten eines Arsenals militärischer Waffen kann freie Meinungsäußerung schwerlich gedeihen.

      Kluger Mann. Wenn man jetzt noch die geschaffene Infrastruktur aus Vorratsdatenspeicherung, Kennzeichenverfolgung, Bundestrojanern und Netzsperren dazu nimmt…
      Eines Morgens wachen wir auf und sitzen alle im Knast.

      • Wie formulierte Richter Gaier … und wie formuliert der kluge Mann:

        „Im Schatten von Hartz-Vier, unter dem allgemeinen Aufschrei: Das hieße ja … (Druckerpresse … Sozialismus … Schuldenwirtschaft … unsere Kinder und Enkel … nimm irgend einen Mehnschtriemdreck und setze ihn hier ein) und unter den Augen des Triumfeminats Äjintschie, Liz und Friede kann freie Meinungsäußerung schwerlich gedeihen.“

        Sach ich doch: *gäääähn*

  2. Sach ma, Totschka, den WordPressern iss wieder ‚was neues eingefallen, gelle? Lange Zeit ging’s unter Vogel jezz geht’s nur mit Vogel, Imehl-Adresse und Passwort … das passt mir nich. Wieso iss das nur bei Dir so. Arbeitest Du mit WP-light? 😉

    • Ja, WP light.
      In den Einstellungen sind keinerlei Restriktionen drin. Ich kann mir das nicht erklären. Kommentatoren haben momentan bei mir alle Freiheiten. Die einzige Einschränkung ist die Verschachtelungstiefe der Kommentare…

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