Noch mehr Arbeit

Dienstag, 14. August 2012

Gleich nach dem Frühstück geht es zur Arbeit. Wir werden wieder von dem netten koreanischen Kollegen abgeholt. Beim Zutritt zum Reinraum habe ich aufgepasst und finde mich nun sofort zurecht und brauche weniger Zeit und keine Hilfestellung mehr. Die eigentliche Arbeit ist nicht so spannend, das Warten auf vorbeifliegende Partikel kann auch zermürbend sein. Test um Test wird absolviert, alles verläuft zur Zufriedenheit sowohl der anwesenden Ingenieure als auch der meinigen.

Nachmittag gegen vier Uhr ist der ganze Zauber vorbei, wir sind erschöpft, aber hoch zufrieden. Das Ausschleusen der mitgebrachten Messtechnik verläuft unkomplizierter als zunächst befürchtet. Zügig geht es zum Hotel zurück, wo ich unter die Dusche springe und erst einmal ausruhe. Mein Plan ist, abends los zu ziehen und noch ein paar Wünsche der Daheimgebliebenen zu erfüllen. Als ich wach werde und aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass es wieder einmal regnet. Offensichtlich rangiert jetzt der Montag in der Hitliste der schönen Tage auf einem Spitzenplatz, denn bei unserem Ausflug zur Hwaseong-Festung gab es keinen Regen.

Ich beschließe, mir ein Abendessen zu suchen. Mir steht der Sinn nach Fisch oder Meeresfrüchten, und so stürme ich das erste Lokal, dass ich identifizieren kann. Zum Glück haben sie vor einem Lokal mehrere Fischbecken draußen stehen, in denen das spätere Mahl schwimmt. Die Kalmare sehen zum Anbeißen aus. Drinnen heißt man mich gewohnt höflich willkommen, der Inhaber bittet mich zu Tisch und präsentiert mir eine unbebilderte Speisekarte voller koreanischer Schriftzeichen, die ich nicht entziffern kann. Ich versuche, ihm das klar zu machen. Er spricht kein Englisch, versteht aber trotzdem und bittet mich zur Wand. Dort ist die Speisekarte als Wandgemälde angebracht und mit Abbildungen der Speisen versehen. Ich suche mir eine Suppe aus, was erstauntes Gelächter seiner Angestellten erzeugt. Offensichtlich freuen sie sich schon, meine Reaktion auf die Schärfe des Gerichtes zu sehen.

Wenige Minuten später steht das Essen auf dem Tisch. Es ist eine große Schüssel mit einem Gasbrenner darunter, in der Schüssel schwimmt jede Menge Gemüse in einer roten Suppe. Die Farbe lässt auf extensiven Gebrauch von Chili schließen. Dazu gibt es jede Menge Zubehör wie Ei und das unverzichtbare Kimchi. Ich rühre mit der Kelle in der Suppe und finde Miesmuscheln und kleine Tintenfischarme. Der Geschmack ist köstlich, die Suppe ist genau so scharf, wie ich erwarte, nämlich höllisch! Neugierig verfolgen alle Anwesenden, wie ich die Schärfe vertrage. Schnell verlieren sie das Interesse an mir, weil ich erstens keine Probleme mit der Schärfe und zweitens keine mit den Stäbchen habe. Zudem tue ich durch lautes Schmatzen kund, dass es mir schmeckt. Nur die Größe der Portion bereitet mir Sorgen, denn sie reicht sicher auch für zwei Esser. Ich beschränke mich auf die Meeresfrüchte und etwas Gemüse und bin trotzdem lange beschäftigt. Dank des Brenners wird das Essen jedoch nicht kalt.

Irgendwann bin ich dann doch derart gesättigt, dass nichts mehr geht. Zufrieden zahle ich. Der Chef des Hauses lächelt noch ein wenig mehr, als ich ihm das Geld mit der rechten Hand reiche und dabei mit der linken Hand meinen rechten Ellenbogen berühre, wie es in Korea üblich ist. Mit einer Verbeugung bedankt er sich. Sein Lächeln wird noch breiter, als ich mich mit einem freundlichen „Kamsamida!“ revanchiere.

Mir fällt öfter auf, dass niemand von mir erwartet, dass ich Koreanisch spreche. Die Leute sind auch so sehr freundlich. Aber dieses Wort „Kamsamida!“ bewirkt, dass sie sich wirklich freuen und das Lächeln noch etwas freundlicher ausfällt.

In der Überzeugung, den regnerischen Abend mit einem vorzüglichen Mahl doch noch gerettet zu haben, trete ich den Rückweg zum Hotel an.

 

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