Update: KANOTIX Dragonfire Preview auf dem Desktop

Kürzlich berichtete ich vom KANOTIX Dragonfire Preview, das ich auf dem Netbook und als Testinstallation auf meinem Desktop-PC in Benutzung hatte.
Nach den durchweg positiven Erfahrungen entschloss ich mich, Dragonfire auch auf dem großen Rechner als Arbeitspferd einzusetzen. Nachdem ich geklärt hatte, dass mit Erscheinen von „Wheezy“ als nächster Debian-stable-Version wohl keine Probleme zu erwarten seien, machte ich mich ans Werk.

Datensicherung ist der erste Gedanke bei einem solchen Vorhaben! Vor langer Zeit hatte ich das im Terminal per rsync erledigt, dann mal überlegt, ein Skript dafür zu schreiben, bis ich auf luckybackup stieß. Das erledigt die gleiche Arbeit auf der Basis von rsync und ist auch noch gut bedienbar.

Der nächste Schritt bestand darin, mir Gedanken über das weitere Vorgehen zu machen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, ein neues System zu installieren. Zum einen konnte ich die bestehende Partitionierung übernehmen, das System auf der bisherigen Root-Partition installieren und das /home-Verzeichnis behalten. Die extremste Lösung war, die Festplatte komplett zu formatieren und neu aufzuteilen. Dazwischen lag noch eine komplette Installation auf den bestehenden Partitionen mit Überschreiben des /home.

Das Ergebnis meiner Überlegungen sah dann so aus:

  • Ich tausche den Platz der beiden im System verbauten Festplatten. /dev/sda (mit ursprünglich 160 GB) wird zu /dev/sdb (ursprünglich 1 TB) und umgekehrt.
  • /dev/sda mit nun 1 TB Plattenkapazität wird neu partitioniert. Für das System (/) werden großzügige 30 GB reserviert. Die Hälfte tut es sicher auch, aber wozu kleckern, wenn man klotzen kann? Der freibleibende Platz von reichlich 900 GB steht für /home zur Verfügung. Bei meiner Art der Nutzung reicht das eine ganze Weile.
  • Bei 4 GB RAM erübrigt sich eine Partition für linux-swap auf einem Desktop-PC.
  • Die kleinere Festplatte /dev/sdb (160 GB) wird mit einer Linux-Partition mit dem Dateisystem ext4 versehen, deren Größe ich mit 30 GB festlegen wollte. Der freibleibende Bereich wird vorerst ungenutzt bleiben.

Ich machte mich derart gerüstet ans Werk. Zuerst exportierte ich alle Lesezeichen des Browsers und meine Adressbücher. Ich speicherte wichtige E-Mails. Anschließend startete ich luckybackup.
Die Datensicherung lief zügig, da ich erstens sowieso ziemlich regelmäßig und häufig sichere, und zweitens das Backup nur die Änderungen zur vorhergehenden Sicherung schreibt.
Nach wenigen Minuten war das erledigt. Beide Platten wurden neu partitioniert und formatiert.

Nun hieß es Festplattentausch! Ich öffnete das Gehäuse und tauschte einfach nur die SATA-Kabel der Platten auf dem Mainboard. Der anschließende Neustart mit KANOTIX vom USB-Stick zeigte mir, dass es geklappt hatte. Mit SATA sind solche Operationen sehr einfach. Wenn ich da noch an die alten Zeiten zurückdenke, als ich zwei IDE-Festplatten erst mit Jumpern auf Master und Slave setzen und dann auch noch aufpassen musste, dass ich sie ans richtige Kabelende anschließe…

sda_partition

sdb_partition

Details zur Installation spare ich mir hier, denn die Bedienung des AcritoxInstallers ist tatsächlich keine große Sache, zumal ich schon von Hand partitioniert hatte. Nach etwas mehr als fünf Minuten meldete der Installer, dass die Arbeit getan sei.
Der anschließende Neustart des frischen Systems von der Platte fiel erwartungsgemäß aus.

Die nächsten Schritte kurz zusammengefasst:

  • Aktualisierung des Systems mit apt-get dist-upgrade
  • Zurückschreiben der persönlichen Daten mit mc (ich mochte damals den Norton Commander wegen seiner guten Bedienbarkeit und Performance bei Dateioperationen, deshalb nutze ich heute häufig mc, außerdem sollte man solche Operationen mit großen Datenmengen lieber nicht mit Dolphin erledigen, da es dabei zu Fehlern kommen kann)
  • gezielte Auswahl und Zurückschreiben von persönlichen Einstellungen (z.B. ~/.Skype)
  • Import der Adressbücher im Mailclient und der Lesezeichen im Browser
  • Installation zusätzlicher Softwarepakete (GoogleEarth, Digikam, Amarok)
  • Anpassung des Erscheinungsbildes des Desktops

dragonfire_20120606

Der ganze Vorgang dauerte kaum zwei Stunden, und ich hatte anschließend ein komplett installiertes System mit allen von mir bevorzugten Anwendungsprogrammen, meinen persönlichen Daten und ohne Stress mit irgendwelchen Virenscannern…

Hier noch eine kurze Übersicht, was man alles so bekommt bei der Installation von KANOTIX Dragonfire:

  • Kernel 3.2.0-24
  • KDE 4.8.3
  • LibreOffice 3.5.3 (aktuell ist 3.5.4, das bekommt man beim dist-upgrade)
  • Gimp 2.8
  • Iceweasel 10.0.4 (esr) und Icedove 10.0.4
  • und noch vieles mehr

Seit zwei Tagen habe ich dieses System in Benutzung.

Der zur Verfügung stehende Speicherplatz hat mich dazu verleitet, VirtualBox zu installieren, um darin andere Distributionen zu testen. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich vorerst dazu wohl nicht kommen werde angesichts der Begeisterung für mein neues Arbeitspferd.

Advertisements

3 Gedanken zu „Update: KANOTIX Dragonfire Preview auf dem Desktop

  1. hallo Totschka,
    ich hab mal wieder ein kleines Problem! Hatte 2x Kanotix Dragonfire und Win 7 auf meinem Samsung netbook installiert. Hat bisher auch alles super funktioniert, bis ich vorhin mit GParted eine der beiden kanotix löschte! Dummerweise war das die grub-partition (oder so). Als ich neu starten wollte kam die Meldung:

    GRUB loading.
    Welcome to GRUB!

    error: no such partition.
    Entering rescue mode…
    grub rescue>

    …und da ich grad unterwegs bin und keine live-cd dabei hab, wollte ich von Dir wissen, ob ich das auch anders regeln kann???
    …gibts da nicht nen Befehl den ich eingeben kann um die GRUB Partition neu zu wählen?

    …vielen Dank schon mal im Voraus

    Liebe Grüße

    Felix

    • Hallo Felix,

      ohne Live-CD bzw. Stick wird das meines Wissens nach nicht gehen, denn Grub muss neu installiert werden. Üblicherweise macht man das im Live-Betrieb und wechselt in die chroot-Umgebung. Die beste Erklärung, wie es sicher geht, steht hier: Grub2 reparieren

      • Hallo Totschka!
        Wieder mal besten Dank für die schnelle Hilfe!!! 🙂
        Hab noch mal ne Installations-CD gebrannt und einfach das System neu aufgesetzt. Aber das mit der Grub2-Reparatur mach ich dann das nächste Mal, auch wenn ich hoffe, das ich nicht denselben Fehler noch mal mache! Aber wie man so schön sagt: „Nicht zur Strafe, nur zur Übung“! 😉

        Vielen Dank noch mal und Dir wünsch ich all das Beste. Bis zum nächsten Mal.

        Liebste Grüße

        Felix

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.