Das falsche Gebet

Bisher dachte ich, es sei ein altes Sprichwort, aber bei meinen Nachforschungen stieß ich auf das Oetinger-Gebet, welches gar nicht vom Oetinger ist:

„Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Angesichts der aktuellen Spritpreis- „Debatte“ fiel es mir sofort ein. Es erscheint mir müßig, mich mit dem Thema zu beschäftigten, weil die Adressaten des allgemeinen „Aufbegehrens“ gegen die Preispolitik auf dem Kraftstoff“markt“ mit hoher Wahrscheinlichkeit nur der Freiheit der einen Seite der „Marktteilnehmer“ verpflichtet fühlen dürften. Die ins Spiel gebrachte Erhöhung der Pendlerpauschale wird sich förderlich auf den erlauchten Kreis der Pendler auswirken, die nicht überlegen müssen, an welcher Stelle sie die fürs Tanken nötige Kohle abknapsen sollen. Niedrigverdiener haben von solchen Vorschlägen nichts.

Mir ist diese alljährlich zu ausgewählten Feiertagen wiederkehrende Zeremonie der allgemeinen Entrüstung über die Ausnutzung von Monopolstellung und der damit verbundenen Marktmacht zuwider. Nach dem Staat zu rufen und sein Eingreifen zu fordern ist dermaßen grotesk, dass ich nicht einmal mehr ein mitleidiges Lächeln dafür übrig habe. Schließlich profitiert der Staat von hohen Spritpreisen, weil er gleich mehrfach besteuert: Mineralölsteuer, Ökosteuer und Mehrwertsteuer. Bildet sich da wirklich noch jemand ernsthaft ein, der Staat wollte das ändern?

Im Sinne des oben genannten Gebets kann ich nur zwei Aspekte selbst beeinflussen: mein Nutzungsverhalten und mein Fahrverhalten. Das Auto nicht zu benutzen, wenn es nicht unbedingt sein muss, entspannt und gemäßigt fahren, wo immer es geht – das ist mein Beitrag zu diesem Kaspertheater.

Auto2012_001

Der Verbrauch sieht schon ganz ordentlich aus, aber ich habe da noch Reserven. Wenn ich ein paar Minuten früher losfahre, könnte ich auf der Autobahn gelassen mit Tempo neunzig hinter den LKW herkullern und weiter sparen. Auf der Landstraße muss ich das ja schon tun, weil erstens an ein Überholen wegen des ständigen Gegenverkehrs nicht zu denken ist, und zweitens bei der Entfernung zum Arbeitsplatz das Zeitspar-Ergebnis eines geglückten Überholmanövers nicht wirklich messbar ist.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

* * *

P.S.: Das TV-Programm in diesem Jahr ist auch nicht besser als das im vergangenen

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2 Gedanken zu „Das falsche Gebet

  1. Frohe Ogtern, Totschka, recht hast Du.

    Mir fällt auf, Dein Auto hat keinen Bordcomputer sondern einen Boardcomputer. Nehme an, dass Du ’nen „geilen Engländer“ fährst, dann passen die 4,7 l nich, oder ein Fahrzeug, das tschörmisch spricht?

    • Kein geiler Engländer, leider. Ist ein Modell eines deutschen Herstellers, der gerade in unruhigem Fahrwasser schlingert. Das Teil ist aus Italien „heim“ geholt, vermutlich stammt daher der Name. Ich gebe auch zu, dass es ein Diesel ist, den man aber problemlos auf über sieben Liter bekommt. Dank der Taste, die mit „Sport“ beschriftet ist.

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