Augenpflege

Schon der bekennende Hypochonder Harald Schmidt wies in einer seiner legendären Sendungen auf verschiedene Augenprobleme hin, die sich mit dem fortschreitenden Alterungsprozess zwangsläufig einstellen. Ich muss dem Mann insofern beipflichten, dass auch mich schon eine beginnende Presbyopie ereilt hat. Damals machte er diese Diagnose zum Thema einer ganzen Sendung, und ich werde nun regelmäßig daran erinnert.
Presbyopie bedeutet nämlich, dass die Linse im Augapfel mit der Zeit ihre Elastizität verliert und beim Wechsel von Nah- auf Fernsicht und umgekehrt anfangs nicht mehr so schnell „verstellt“ werden kann, später dann fast gar nicht mehr.

Das heißt nun für mich, meine Augen ein wenig zu schonen, denn wer weiß, was ich mir noch so einfange. Deshalb fand ich sehr interessant, was in einem Diskussionsstrang bei ubuntuusers.de von einem Teilnehmer bei wechselnden Lichtverhältnissen und der Nutzung des Computers in den Abendstunden empfohlen wurde: die Verwendung von redshift.

Die Installation und Inbetriebnahme von redshift ist ganz einfach. Ich habe zuerst gesucht, ob das Paket auch in den Paketquellen von KANOTIX bzw. Debian stable enthalten ist.

apt-cache search redshift

Es ist enthalten, also muss ich keine fremden Paketquellen einbinden, was ja immer ein gewisses Risiko darstellt. redshift benötigt XRANDR in der Version ab 1.3 aufwärts. Das prüfe ich mit

xrandr --version

Die bei KANOTIX Hellfire vorhandene Version ist 1.3.3, also kann ich das Paket installieren:
su
apt-get update && apt-get install gtk-redshift

Die Installation von gtk-redshift habe ich deshalb gewählt, weil es beim Start ein Symbol in die Kontrollleiste bastelt, mit dem es bequem ein- und ausgeschaltet werden kann.

redshift

Als nächstes habe ich den Aufruf von gtk-redshift in die Startprogramme eingetragen. Bei KDE geht es über die Systemeinstellungen -> Erweitert -> Autostart. Das neue Programm wird hinzugefügt und folgender Befehl eingetragen:

gtk-redshift -l 52.5:13.4

Der Parameter -l 52.5:13.4 bezeichnet Längen- und Breitengrad von Berlin (wahlweise können hier andere Koordinaten eingegeben werden) und wird zum Start von redshift benötigt.

redshift_autostart

Bei Gnome 2 trage ich den Befehl unter System -> Eigenschaften -> Startprogramme ein.

Anschließend reicht es, sich ab- und neu anzumelden, und gtk-redshift wird gestartet.
Die Farbtemperatur des Monitors wird standardmäßig auf 3700 Kelvin gestellt, wenn der Nachtmodus aktiv ist. Die Programmierer sagen, dass das Programm die Farbwerte aus dem jeweiligen Sonnenstand errechnet. Deshalb ist wohl auch die Angabe der Koordinaten des eigenen Standortes erforderlich.
Wem die standardmäßigen Einstellungen nicht zusagen, kann mit dem Parameter

-t Tageswert:Nachtwert

seine eigenen Vorlieben übergeben und ausprobieren.

Mir gefällt diese Temperaturverschiebung außerordentlich gut. Es heißt, mit einer solchen Rotverschiebung ermüden die Augen nicht so schnell, wenn die Umgebung um den Bildschirm herum dunkel ist. Ich werde das mal im Auge behalten…

Update 18. Oktober 2011:
Tatsächlich konnte ich am gestrigen Abend beobachten, wie mit fortschreitender Dämmerung die Rotverschiebung langsam zunahm. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es stimmt, was die Programmierer sagen. redshift errechnet aus den Koordinaten und der Systemzeit den Sonnenstand und passt die Rotverschiebung in den Grenzen der eingestellten Werte für den Tag- und Nachtmodus an. Tolles Ding!

Update 24. Oktober 2011:
Die Standardeinstellung war mir mit der Zeit zu krass. Nach ein wenig Probieren habe ich mich mit mir auf die folgende Einstellung geeinigt:

gtk-redshift -l 52.5:13.4 -t 6500:4900

Mit diesen Parametern ist die Rotverschiebung immer noch deutlich, aber nicht mehr so extrem.

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5 Gedanken zu „Augenpflege

  1. Danke für die Info. Werde „meinen“ Nerd ‚mal drauf ansprechen.

    Mit meinen zehn Daumen trau‘ ich mich nich, mein Ubuntu entsprechend selbst zu tunen.

    • Naja, eigentlich kann bei der Sache nichts „kaputt“ gehen, aber sicher ist sicher. So ein „persönlicher Nerd“ ist dann doch nicht zu verachten ;-), zumal ich momentan über kein aktuelles Ubuntu verfüge und daher auch nicht vorher ausprobieren kann, ob denn alles so funktioniert, wie ich schreibe.
      Bei mir bezieht sich alles auf KANOTIX, und da es zur Debian-family gehört, gehe ich einfach davon aus, dass es auch bei Ubuntu klappt.

  2. Danke für den Tip und die gute Anleitung. Die manpage kann man ja vergessen..Geniales Tool. Ich musste auch den minimal (Rot) -wert anpassen.

  3. Pingback: Dazu gelernt: apt-pinning | Totschka – Auf den Punkt

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