Indonesien

Vielleicht kennt das ja jemand: wenn man selbst keinen Bezug zu dem betroffenen Land hat, dann sind solche Meldungen wie jetzt aktuell über die Naturkatastrophen in Indonesien schon ziemlich beeindruckend, aber in aller Regel hält die Betroffenheit darüber nicht so sehr lange an.
Mich selbst schockieren die Meldungen und die Bilder aus dem Land, das ich, für nur kurze Zeit zwar, kennen lernen durfte. Ich habe selbst mit den Menschen dort geredet, gegessen und getrunken, und so ist eine ganz eigene Beziehung zu diesem Land und seinen Menschen entstanden. Und so empfinde ich die Meldungen als sehr bedrückend.
Ich hoffe sehr, dass es besonders Donna und ihrer Familie gut geht.
Sie selbst lebt ja auf Batam Island, das sollte eigentlich weit genug weg sein von den Orten der Katastrophen, aber ihre Tochter und ihre Mutter leben auf Sumatra…
Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich kaum in Worte zu kleiden vermag. Plötzlich bin ich irgendwie direkt betroffen.

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Blick aus dem Zimmer im Pacific Palace Hotel von Nagoya, Batam Island, Indonesien. In solchen Hütten wohnen die Leute, die wohl am meisten unter den Katastrophen zu leiden haben.

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Neuerdings stelle ich fest, dass sich immer mehr Leser hier einfinden, die eigentlich auf der Suche nach dem Heiligen Link für Kanotix „Hellfire“ sind.

Da sich „Hellfire“ sozusagen noch im Entwicklungsstadium befindet, gibt es keinen öffentlich zugänglichen Link dafür. Wenn Ihr trotzdem Interesse habt, „Hellfire“ einmal zu testen, dann hilft es, im IRC Chat #kanotix zu erscheinen und, falls er anwesend ist, Kano persönlich um den Link zu bitten. Das klappt hervorragend, wenn man berücksichtigt, dass die vom Login vorgeschlagenen Nicks nicht so sehr beliebt sind. Doch das lässt sich ja leicht ändern.

Neues aus der Tapetenschmiede

Nun habe ich mich doch entschieden und Kanotix „Hellfire“ zu meinem Arbeitspferd gemacht, obwohl diese Version eigentlich noch im Teststadium ist und daher noch nicht in den offiziellen Downloads der Kanotix-Homepage zu haben ist.
Doch in den letzten Wochen wollten einfach keine weltbewegenden Probleme damit auftauchen, und ich hatte mich ja schon vorher mit KDE 4 angefreundet.
Natürlich bleibt bei mir kein Standard-Thema, wie es ist, ich bin da auch immer auf der Suche nach interessanten Motiven und wechsele schon mal häufiger die Tapete.

Aktuell sieht es so aus auf der Kiste:

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Das Hintergrundbild habe ich selbst fotografiert. In der Firma hatte der Lehrling die ehrenvolle Aufgabe, aus Aluminiumstangen 20 mm x 10 mm hunderte kleine Klötzchen mit einer Länge von etwa 45 Millimetern zu sägen. Die fertig gesägten Klötzchen baute er kunstvoll und ebenmäßig in eine flache Schale. Flugs holte ich die Kamera und schoss dieses Bild:

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In Gimp habe ich es dann noch ein wenig bearbeitet, ein paar Lichteffekte eingebaut, und fertig war die Tapete.

Fix noch das Cairo-Dock installiert und die Kontrollleiste an den oberen Rand des Bildschirms plaziert, fertig! So mag ich das.

Nebenbei zog ich noch mit dem /home-Verzeichnis auf eine andere Partition um. Ich brauche ja jetzt das „alte“ Excalibur nicht mehr, und so konnte ich die frei werdende Partition nutzen, um Linux Mint 9 zu installieren. Das nutze ich überwiegend nur für Multimedia-Anwendungen, weil es die meisten erforderlichen Codecs schon mitbringt.
Außerdem probiere ich gerne mal andere Sachen aus und möchte beim Thema Gnome auch meinen Senf dazu geben können …

Zeitreise (III)

Trotzdem hatten wir mit einer sehr unklaren Lage zu kämpfen. Bisher war das System so organisiert, dass alle offiziellen Informationen zur aktuellen politischen Lage im Land sozusagen „von oben“ kamen. Mit der Militärreform war dieser Informationsweg wegen der Auflösung der Politorgane und der Parteiorganisationen plötzlich abgeschnitten, und ich stellte fest, dass ich über die Jahre hinweg verlernt hatte, mir selbst Informationen zu beschaffen. So blieb erst einmal ein bedeutender Anteil Ungewissheit, wie es in unserem Land weitergehen sollte. Auch deshalb hielt wohl der Wegzug vieler Menschen in den Westen unvermindert an.
Wir verließen uns also auf unsere bewährten Dienstvorschriften und gewährleisteten ein Mindestmaß an Ausbildung und Disziplin. Das Frühjahr 1990 brachte uns noch einmal die letzte Taktische Übung ein, diesmal nur eine Übung der Batterie ohne Gefechtsstart. Aus Gründen der Personalknappheit wurden alle Startrampen der Abteilung in einer Batterie zusammengefasst und notdürftig bemannt. Die Übung brachte ein gutes Ergebnis, was wohlwollend durch den Chef Raketentruppen/Artillerie der Division zur Kenntnis genommen wurde. Er hat uns dafür gelobt, und ich sah, wie der Mehrzahl meiner Jungs die Brust schwoll vor Stolz, noch einmal gezeigt zu haben, was sie drauf hatten.

Irgendwie ging soweit alles seinen Gang, und ich glaubte damals an ein Weiterbestehen der DDR, so wie viele Bürgerrechtler auch. Sie wollten den Sozialismus und die DDR nicht abschaffen, sondern reformieren. Diese Meinung erklärt vielleicht die Motivation, mit der ich weiter meine Aufgaben erfüllte. So dachte ich auch kaum einen Augenblick daran, etwas anderes zu machen.
Mehr oder weniger planmäßig wurden angedachte Umstrukturierungen vorangetrieben. Die Raketenabteilungen der Divisionen sollten aufgelöst und die Technik sowie ein Teil des Personals in die Brigadestruktur überführt werden. Im Juli 1990 war es dann soweit. Wir brachten unsere Technik nach Tautenhain. Die dortige Raketenbrigade wurde umstrukturiert und gab ihre Technik – den Raketenkomplex „Elbrus“, besser als „Scud-B“ bekannt – ab und wurde zur Raketenbrigade taktischer Bestimmung umgerüstet. Gleichzeitig wurde der Termin zur Auflösung „meiner“ Raketenabteilung festgelegt: der 30. September 1990.

Wir gingen mit Elan daran, die Umschulung des Tautenhainer Personalbestandes auf die neue Technik vorzubereiten. Unmittelbar vor deren Beginn flatterte der Befehl herein, den ich fürchtete und jeden Gedanken an ihn verdrängte: Wir hatten die Technik und alle Unterlagen zur Übergabe an die Sowjetarmee vorzubereiten. Es handelte sich um sensible Technik, der Raketenkomplex „Totschka“ (NATO-Code SS-21 „Scarab“) war erst im Herbst 1988 in unsere Abteilung eingeführt worden, und der ehemals große Bruder wollte die Technik wiederhaben.

Nun war es gewiss: meine Armeezeit ging zu Ende. Hatte ich vielleicht noch ein Fünkchen Hoffnung, das ja auch durch verschiedene Äußerungen unseres damaligen Abrüstungsministers Eppelmann wider besseren Wissens bei den Offizieren am Glimmen gehalten wurde, so war es jetzt erloschen. Glücklicherweise hatte ich mich zum Umzug nach Tautenhain entschlossen. Ich sagte mir damals: „Wenn ich schon arbeitslos werde, dann wenigstens in einer schönen Gegend!“
Mittlerweile war mir klar, dass die Einheit kommt, was mich immer mal wieder zur sarkastischen Bemerkung von „Deutschland, eilig Vaterland!“ verleitete. Ich hatte die Anziehungskraft von Reisefreiheit und prall gefüllten Schaufenstern auf meine Landsleute unterschätzt.
Anfang September rollten „meine“ Startrampen, von russischen Soldaten gelenkt, zum letzten Mal an mir vorbei. Ich stand auf dem Balkon und heulte…

Ich war ja noch Angehöriger der Raketenabteilung in Zeithain. Ich fuhr noch einmal dahin zurück, regelte meine Entlassungsformalitäten und trat meinen noch verfügbaren Urlaub an. Das Kapitel NVA war für mich damit abgeschlossen.
Natürlich hätte die Möglichkeit bestanden, mich nach Tautenhain versetzen zu lassen und auf Übernahme in die Bundeswehr zu hoffen. Aber irgendwie konnte ich das nicht. Ich vermochte einfach nicht, jahrelang gewachsene Überzeugungen über Bord zu werfen und über Nacht die Uniform jener Armee anzuziehen, der ich noch kurz vorher unterstellte, sie könnte mein Land bedrohen.
Mir war so oder so eine ungewisse Zukunft beschieden. Ich begann mein Studium und den Dienst in der NVA direkt nach dem Abitur, hatte also keine Berufsausbildung. Das erschien mir damals auch unnötig, wollte ich doch den militärischen Beruf ergreifen. Mir erschien es unmöglich, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in irgend einer Form überhaupt ändern könnten.
Nun wurde ich von den Ereignissen gewissermaßen überrollt. Mein Volk sagte mir, dass es auf meine Dienste verzichten wolle. Ich akzeptierte das, nahm die Nichtanerkennung meines Studienabschlusses durch die neuen Staatsorgane zur Kenntnis und begann meine Karriere als Bürger des geeinten Deutschlands mit dem Gang zum Arbeitsamt, das mir damals mit noch als großzügig zu bezeichnender Förderung ermöglichte, eine zweijährige Umschulung zum Datenverarbeitungskaufmann zu beginnen.

Zurückblickend kann ich für mich feststellen, dass die Deutsche Einheit ein großes Glück für uns Deutsche ist. Ich habe sehr viele interessante Menschen aus den alten Bundesländern (wie lange wollen wir eigentlich noch in „alt“ und „neu“ trennen?) kennengelernt. Ich empfinde es als großartig, in so einer interessanten Zeit leben zu dürfen und solche gesellschaftlichen Umbrüche mitzuerleben.
Dass ich nach wie vor der Meinung bin, dass unbewusst, aber auch bewusst Fehler begangen worden sind, wird sich wohl nie ändern.
Für mich bleibt von der DDR mehr als die Reduktion auf ein Negativbeispiel, mit dem alle Vorschläge zu sozialen Reformen als Versuch der Errichtung des Sozialismus abgeschmettert werden können.
Die heutigen Reflexionen auf die DDR als „Unrechsstaat“ sind holzschnittartig vereinfacht und diennen zur Durchsetzung politischer Ziele. Sachliche Aufarbeitung der Geschichte sieht nach meiner Meinung anders aus.

Nein, ich will sie nicht zurück haben, die DDR (obwohl manche Betonköpfe der „anderen Seite“ mir ein solches Ansinnen gern unterstellen). Aber das, was ich jetzt als Staat vorgesetzt bekommen habe, ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

* * *

Einen sehr sachlichen Exkurs zum Umgang mit dem System „DDR“ fand ich hier.