Der Letzte Arbeitstag

Samstag, 27. Februar 2010

Er liegt nun hinter mir, der vorerst letzte Arbeitstag hier in Singapore. Es war ein teilweise erfolgreicher Tag, wenn ich an die zu regelnden Angelegenheiten denke.
Auf der Habenseite steht die Klärung der Rückgabe meiner Arbeitserlaubnis.
Mit dem Erlöschen meines Arbeitsvertrages hier verliert dieser Employment Pass seine Gültigkeit. Die Kanzlei hat beim Ministry Of Manpower, dem Arbeitsministerium, schon alles Notwendige eingeleitet, so muss ich in der kommenden Woche nur noch im MOM erscheinen und meinen Employment Pass abgeben. An seiner Stelle erhalte ich ein normales Touristenvisum, die Immigration Card, und darf dann noch 30 Tage hier verweilen.

Außerdem habe ich eine sehr elegante Lösung für das Strom- und Wasserproblem in der Wohnung gefunden. Ich möchte ja am Tag des Abfluges noch ganz profane Dinge tun, zu denen es vorteilhaft scheint, beide Medien noch zur Verfügung zu haben.
Also rief ich beim Anbieter SPServices an und fragte konkret nach dieser Möglichkeit. Der nette junge Mann am anderen Ende der Telefonstrippe war erst ein wenig verwirrt. Also fragte ich konkret nach der Möglichkeit, mir die Schlussrechnung nach Deutschland zu schicken, da ich ja eine Kaution zu Vertragsbeginn gezahlt hätte.
Natürlich sei das möglich, beschied mein Gesprächspartner. Er schlug sogar vor, aus Gründen der Versorgungssicherheit die Leistung erst am zwölften März, dem Tag nach meiner Abreise, einzustellen.
Gesagt, getan. Rechnungsanschrift und Bankverbindung für einen eventuellen Restbetrag der Kaution – davon werden die letzten ausstehenden Beträge abgezogen – einfach per E-Mail geschickt, fertsch!
Das nenne ich Kundenservice par excellence!

Nicht ganz so glatt lief es dagegen mit der Kündigung meines TV-Breitband-Telefon-Bundles bei SingTel. Die Dame von der Hotline war sehr nett und freundlich, sprach aber ihr Englisch mit einem sehr schwer verständlichen Akzent. Nach einer halben Stunde eröffnete sie mir, dass ich meinen Vertrag nur in dem Laden kündigen könne, in dem ich ihn abgeschlossen hätte. Also war ich gleich morgens im Laden. Dort sagte mir die nächste nette freundliche Dame, dass ich nur kündigen könne, wenn ich die Set-Top-Box mitbrächte…
Dieses Vorhaben verschob ich dann auf das Wochenende,

Nach so viel Arbeit wurde ich hungrig und besuchte zum vorerst letzten Mal die Kantine. Es gab, fast schon traditionell zu nennen, die herrlichen Dumpling Ban Mian, Nudelsuppe. Einmal in der Woche muss ich die einfach haben!
Auf dem Rückweg traf ich dieses Schmuckstück:

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Den Truck hatte ich schon öfter gesehen, dabei fiel mir auch irgendwann das schmucke Interieur auf. So bequeme Fahrersitze muss man zu Hause in Deutschland sicherlich lange suchen…

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Ich kann ja auf ein recht buntes Vorleben zurückblicken, und so fühle ich mich gerade an meine Zeit als Trucker erinnert und stelle mir eben das Gesicht eines deutschen Polizeibeamten vor, bei dem ich mit so einer Perle zur Polizeikontrolle vorfahren würde. Köstlich! Andere Länder, andere Sitten.
Dieses Fahrzeug ist, übrigens wie die große Mehrzahl der auf den Straßen Singapores anzutreffenden großen LKW, in Malaysia beheimatet.

Zurück im Büro hatte ich dann noch mit Aufräumarbeiten zu tun. Die verbliebenen Akten und Ausrüstung musste verpackt werden. Da ich schon ganz ordentlich vorgearbeitet hatte, ging das recht zügig.
Nettes Detail: auf dem Gang lief mir eine nette Kollegin der Partnerfirma in die Arme und eröffnete mir, dies sei ihr letzter Tag in dieser Firma. Sie hätte eine neue Arbeit gefunden, mit besseren Bedingungen und kürzerer Arbeitszeit. Nebenbei, mir fiel schon auf, dass gerade Rosalind meist elf oder zwölf Stunden täglich arbeitete.
Als ich ihr sagte, dass dies ein schöner Zufall sei, weil auch ich meinen letzten Tag hätte, war sie doch ein wenig erschrocken. Offensichtlich hatte sich noch nicht jede Neuigkeit auch überall herumgesprochen…
Wir wünschten uns also gegenseitig alles Gute und verabschiedeten uns.

Nun mischte sich doch ein wenig Wehmut in meine Gemütslage, aber nur kurz. Ich beschloss, nachdem nun alles erledigt war, die letzte Stunde nicht mehr „abzusitzen“, sondern mich zu verabschieden und zu gehen. Ich hielt mich nicht lange auf, denn solche Abschiedszenen mag ich nicht.
Da auch nicht alles Gold ist, was glänzt, überwiegt die Freude. Vielleicht werde ich später noch einiges zu meinen Erfahrungen speziell in dieser Beziehung schreiben, vorerst blende ich dieses Kapitel noch aus.

Abends beschloss ich dann, den Tag würdig ausklingen zu lassen. Ich besuchte 888 Plaza und hatte ein tolles Abendessen. Ich gönnte mir Kai Lan Sliced Fish, gebratenen vietnamesischen Wasserspinat mit Fisch, und die Tintenfischringe, Butter Sotong.
Dazu gab es ein wenig Bier…

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Jede dieser Schönheiten hat ein Fassungsvermögen von 0,633 Litern.
Falls jetzt der eine oder andere verehrte Leser aus der Zahl der Flaschen auf ein Frustbesäufnis schließt, so sei ihm versichert, dass Biertrinken für mich immer eine Freude und Lust ist!
Und ja, ich habe sie alle alleine niedergerungen…

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