Spaß mit dem Amt

Dienstag, 09. Februar 2010

Zur Abwechslung habe ich hier eine witzige Geschichte, in der ein Amt in Deutschland die Hauptrolle spielt:

Es begab sich also, dass ich just die Nachricht vom Ende meiner Tätigkeit hier in Singapore erhielt, als ich gerade ein paar Tage wieder hier verweilte. Selbstverständlich nahm ich meine staatsbürgerliche Pflicht wahr und informierte das Arbeitsa… äh, die Agentur für Arbeit von meiner bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland und der anschließenden Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Der bequemste und schnellste Weg ist wohl die Email, dachte ich mir, und verfasste folgende Depesche:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit dem 01. Januar 2009 arbeite ich bei einer Firma in Singapur. Zum 28.02.2010 ist dieser Vertrag gekündigt worden. Die Kündigung bewirkt das Erlöschen meiner Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Singapur.
Da ich bereits im Vorfeld einen regulären Flug nach Deutschland gebucht habe und eine Umbuchung aus Kostengründen nicht in Frage kommt, werde ich am 12. März 2010 wieder in Deutschland eintreffen.

Bitte teilen Sie mir mit, wie der weitere Verfahrensweg bezüglich meiner Meldung bei Ihnen ist und wie die Situation hinsichtlich eventuell bestehender Ansprüche meinerseits ist. Im Anhang finden Sie eine Kopie des Kündigungsschreibens sowie die Kopie der Buchungsbestätigung.

Mit freundlichen Grüßen…“

Damit meinte ich, mein Anliegen erst einmal auf den Punkt gebracht zu haben. Ich wollte eben wissen, was da so auf mich zu kommt.
Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten und verschlug mir für einige Sekunden die Sprache, bevor ich laut losprustete.
Die Agenten schickten ein paar Unterlagen nach Hause mit der höflichen „Bitte“, den beiliegenden Fragebogen ausgefüllt bis zum dritten Februar zurückzusenden und selbst mit vollständigen Bewerbungsunterlagen am achten Februar persönlich in der Agentur vorzusprechen. Natürlich vergaßen sie auch nicht, mir zu erklären, was mir passieren würde, falls ich irgend etwas vergessen sollte…

Ich hatte mich alsbald wieder im Griff, nur noch von gelegentlichen Heiterkeitsausbrüchen unterbrochen, ging ich also ans Werk. Ich verfasste – hin und wieder von Lachanfällen geschüttelt – einen Text, den ich zur Agentur faxen wollte. Er ist mir etwas länger geraten, weshalb ich hier nur auszugsweise zitiere:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

offensichtlich ist mir durch den langen Aufenthalt im fremdsprachigen Ausland die Fähigkeit abhanden gekommen, mich in verständlicher deutscher Sprache auszudrücken. Das tut mir leid, und deshalb möchte ich nun noch einmal versuchen, mein Anliegen zu erläutern:…“

Es folgt dann die Beschreibung der singapurischen Firma inklusive der Registriernummer der Firma bei der hier zuständigen Behörde. Natürlich konnte ich mir nicht verkneifen, auf einen ganz wichtigen Umstand gesondert hinzuweisen:

„Singapur gehört nicht zur EU.“

Dann noch einmal der ganze Sermon meine Aufenthaltsdauer betreffend, und weshalb ich nicht so ohne weiteres den Flug umbuchen könne. Nebenbei, ich erwähnte ja im letzten Beitrag schon, dass ich Selbstzahler bin und preiswerte Flüge bevorzuge. Die haben neben dem Preisvorteil aber nun mal auch den Nachteil, dass Umbuchungen ziemlich teuer werden. Ich hätte knapp fünfhundert Euro eingebüßt in diesem Fall. Dazu hätten sich noch die Kosten für das neue Ticket gesellt, was durch kurzfristige Buchung wohl kein Schnäppchen werden würde. Alles in allem also inakzeptabel, was ich der Agentur auch schrieb.
Doch ich bin nicht nur ein oller Meckerkopp, sondern mache auch hin und wieder, wenn ich gut gelaunt bin, konstruktive Vorschläge zur Lösung des Problems. In diesem Falle lautete der meine:

„Sie schicken mir ein Flugticket.“

Hihi. Natürlich rechnete ich nicht wirklich damit. Aber um weiterhin guten Willen zu zeigen, ließ ich mir eine Seite des Fragebogens von meiner Frau hierher ins Büro faxen. Das Ergebnis war völlig unbrauchbar, wohl nicht zuletzt auch wegen der bescheidenen Papier- und Druckqualität der Vorlage. Also bat ich um die Zusendung neuer Unterlagen direkt nach Singapore, nicht ohne den Hinweis, bei einem neuen Termin“vorschlag“ die postalischen Laufzeiten von und nach Singapore zu berücksichtigen. Ja, das Fax erreichte seinen Adressaten, und ich musste nicht lange auf eine Antwort warten:

„Der Ihnen vorgeschlagene Termin am 08.02.10 kann aufgrund Ihres Auslandsaufenthaltes nicht wahrgenommen werden.
Bitte melden Sie sich am 1. Tag Ihres Aufenthaltes in Deutschland (12.03.2010) persönlich in der Eingangszone der Arbeitsagentur…“

Ich erlaube mir, Euch an dieser Stelle daran zu erinnern, dass ich an meine erste Email die Kopie der Buchungsbestätigung der Fluggesellschaft angefügt hatte.
So stellte ich mir vor, wie ich vom Flughafen schnell zu Hause vorbeischaue, meine alte Bewerbungsmappe kralle und zu den Agenten eile. Ich sah mich in der Wartezone lümmeln, übermüdet, unrasiert und müffelnd. Nein, das konnte doch nicht sein…
Folgerichtig schrieb ich eine weitere Email, in der ich meiner Befürchtung, wegen des Langstreckenfluges von insgesamt fünfzehn Stunden geistig nicht so richtig aufnahmefähig zu sein, Ausdruck verlieh. Die Antwort sah dann so aus:

„Aufgrund der Öffnungszeiten ist eine Vorsprache am 12.03.2010 nicht möglich. Wir bitten Sie daher, am nächsten dienstbereiten Tag ( dem 15.03.2010) in Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit vorzusprechen.“

Ganz schön viel Aufwand, nur um jemandem zu sagen, dass er wohl beim ersten Mal nicht richtig gelesen hat, nicht wahr? Interessant auch zu lesen, wie sich die Agenten schrittweise an eine wohl für alle praktikable Lösung herangerobbt haben.

Nun bin ich ja kein Unmensch; und ich weide mich nicht am Schmerz der so Aufgelaufenen. Ich war also fair und habe die Agenten noch auf einen besonderen Umstand aufmerksam gemacht. Ich schrieb ihnen, dass ich seit dem Jahresbeginn 2009 keine Beiträge in die deutsche Arbeitslosen“versicherung“ eingezahlt hätte.

Ich selbst mache mir da nichts vor, es wird nicht so furchtbar positiv für mich sein, was die Leistungsbereitschaft der Agenten angeht. Aber das bekümmert mich zur Zeit nur sekundär…

Ich habe so eine komische Vorahnung. Ich glaube, dass es noch viel Spaß geben wird.

Herzliche Grüße aus Singapore,

Ralf

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