Nikolausi…

Sonntag, 06. Dezember 2009

Gleich vorweg: Ich lass mir nichts in die Schuhe schieben! Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich keine Stiefel vor der Tür stehen hatte. Wer sollte sie auch hier füllen? Da fällt mir ein, dass ich morgen mal eine Kollegin frage, ob hier dieser Brauch bekannt ist und ebenfalls gepflegt wird.

So war dieser Tag für mich zumindest ein Sonntag wie jeder andere. Allerdings mit einer erfreulichen Note, denn es geht bald nach Hause…
Doch je näher der Abflug rückt, desto schlimmer wird es. Die gedienten männlichen Leser kennen den Begriff wahrscheinlich noch: Tagedrücken.
Gut, sehr viele Gedanken verschwende ich nicht daran, denn die Zeit vergeht nach wie vor sehr schnell, selbst am Wochenende.
Gestern habe ich einen längeren Ausflug gemacht zum Einkaufen. Mir stand der Sinn wieder einmal nach normalen Mischbrot, Wurst und Käse. Nach der letzten Pleite, als es in dem Supermarkt meines Vertrauens kein deutsches Brot mehr gab, entschloss ich mich, nach Vivo City zu fahren. Im dortigen Supermarkt gibt es tatsächlich normales Mischbrot und auch Kartoffel- oder Zwiebelbrot.
Etwas Frühstücksschinken, Salami, ein Brie und ein Gouda rundeten den Einkauf ab, Damit werde ich mir dann heute einen schönen Fernsehabend machen. Sie bringen hier „Stirb langsam 4.0“, nicht unbedingt anspruchsvoll, aber unterhaltsam. Und es ist recht interessant, die Filme einmal mit ihrem englischen Originalton zu genießen.

Mir scheint, dass der vorweihnachtliche Einkaufsstress auch von den Singapurern Besitz ergreift. Kurz, es war schrecklich gestern. Menschenmassen, dass man Platzangst bekommen kann. Das Schlimmste ist, dass sie alle meinen, keine Zeit zu haben, dann aber doch unvermittelt direkt vor mir stehen bleiben, um sich die Schaufensterauslagen anzusehen.
Eine ganz perfide Masche ist, von schräg nach schief im Gegenverkehr direkt meine Flugbahn zu kreuzen… So bin ich mit ständigem Schlängellauf beschäftigt, um die Leute nicht umzurennen. Schließlich sind die meisten Einheimischen nur knapp die Hälfte von mir.
Nur der Kollege, der mir beim Aussteigen aus der Bahn frontal entgegenkam, hatte null Chance. Aber das kommt, wenn man die Leute nicht aussteigen lässt, bevor man versucht, die Bahn zu entern. Ich verpasste ihm ungewollt mit der Schulter einen saftigen Kinnhaken, entschuldigte mich aber dafür. Es sind nun einmal ein paar Gesetze der Physik, die in einem solchen Moment ihre Wirkung entfalten: Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein, Kraft ist Masse mal Beschleunigung, und das Gesetz von der Massenträgheit war auch von der Partie, ich war eben in Bewegung und nicht abrupt zu stoppen…

Nach dem Einkaufsstress spannte ich bei einem ordentlichen Abendessen aus. Auf dem Heimweg fuhr ich über Marsiling und begab mich zu dem von mir bevorzugten Foodcourt meines Vertrauens und bestellte mir Baby Kai Lan, Butter Sotong und etwas Reis. Dazu gab es sehr kaltes Bier. Köstlich.

Zum Spaß habe ich einfach mal die Rechnung eingesteckt und gescannt. Ich kann sie sogar lesen…

rechnung_essen

Position Zwei bezeichnet die Butter Sotong und an Position Vier findet Ihr Baby Kai Lan. Ist doch ganz einfach zu entziffern, nicht wahr? Ganz unten steht noch der Reis, das preiswerteste Nahrungsmittel. Macht alles zusammen umgerechnet rund acht Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, dafür aber sehr lecker und eine reichliche Portion. Und eigentlich bestellt man hier so, wenn mehrere Leute gemeinsam essen. Zu dritt hätte es nur noch einer kleinen Beilage, ein wenig Fleisch für rund zehn Dollar bedurft, sowie zwei zusätzlichen Tellern Reis für einen Dollar, und schon wären drei hungrige Mäuler für umgerechnet dreizehn Euro satt geworden. Da sieht das Verhältnis dann schon günstiger aus. Ich schlemme so auch nur am Wochenende, wochentags komme ich mit einer solchen Rechnung über den ganzen Tag hin.

Anschließend nahm ich mir noch die Zeit und beobachtete die Szenerie ausgiebig.

Photo012_0

Das Foto scheint etwas „konspirativ“ entstanden zu sein. Das ist auch tatsächlich der Fall, weil es die Leute hier nicht so sehr mögen, in ihren Foodcourts beim Essen abgelichtet zu werden. Also habe ich das Mobilphone genommen und ohne Blitz einfach mal knapp über die Tischkante gehalten.

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