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Samstag, 29. August 2009

Es sieht so aus, als hätte ich in meinem letzten Eintrag ein wenig zu viel versprochen, denn ich wollte doch wieder berichten…
In den letzten Wochen war ich ganz schön schreibfaul. Keine Zeit? Keine Lust? Nichts passiert?
Der Wahrheit am nächsten kommt wohl, wenn ich sage, dass da sicher von Allem etwas dabei war. Zunächst einmal ist Fakt, dass sich eine gewisse Routine eingestellt hat. So ist es wochentags schon nicht mehr aufregend, sondern Alltag. Wohltuend heben sich da Gespräche mit neuen Kunden hervor, alles andere ist dann aber business as usual. Bleiben noch die Wochenenden. So manche Verabredung oder Vorhaben findet dann nicht so statt wie geplant. Irgendwie hatte ich auch erwartet, zu den Kollegen hier eine festere Beziehung zu bekommen, die über die normalen „dienstlichen“ Kontakte hinausgeht.
So kam es, dass ich mittlerweile meine Wochenenden meist alleine verbringe…

Halt, nicht ganz! Bei meinen Ausflügen habe ich in Little India ein paar nette Leute kennengelernt. Gemeinsame Abendessen, ein paar Bierchen und anschließender Besuch einer Disco sind der Zeitvertreib.
Ich muss zugeben, dass mir diese Abende sehr gefallen. Denn erstens mag ich das indische Essen sehr, wenn es auch oft verteufelt scharf ist. Dann mag ich die Einstellung der Leute: „Das Leben ist viel zu kurz, um sich Sorgen zu machen!“ Geld sparen? An morgen denken? Nichts da, heute wird gelebt!
Nebenbei erfahre ich so noch ein paar Details zu den alten Häusern.

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Das Haus, in dem sich das Restaurant befindet, sowie das Haus gegenüber ließen um 1913 die Engländer errichten. Dann wurden mir die Familienverhältnisse und Geschäftsbeziehungen in der Straße erläutert. Scheinbar handelt es sich um eine große Familie. Ich werde das Ende August überprüfen können, denn ich bin zur Geburtstagsfeier für die Tochter eines Freundes eingeladen. Sie wird ein Jahr alt. Da muss ich mich bis dahin noch schlau machen, was man in so einem Fall als Geschenk mitbringt…
Also auf in die Disco. Nun, ein wenig scheint dieses Wort übertrieben, denn der Club ist etwa doppelt so groß wie meine Wohnstube.

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Drei Tänzerinnen in prächtigen Kleidern unterhalten die Gäste und fordern zum Tanzen auf. Die Musik ist Bollywood, aber mit hundertfünfzig beats per minute. Das knallt ordentlich rein, weil es auch sehr laut ist. Und dann kommt, was kommen muss: still sitzen kann ich bei dieser Art Musik nicht. Also tanze ich mit, was mir die Anerkennung der Anwesenden einbringt. Einer fühlt sich sogar berufen, mir ein Bier auszugeben.

Diese Disco-Besuche ließen mich ein Problem lösen, auf welches ich vor längerer Zeit schon stieß: Wie komme ich wieder heim?
Irgendwann kurz nach Mitternacht stellt die Bahn den Betrieb ein. Es wäre ja nun ungünstig, die Party zu verlassen, wenn sie doch gerade erst begonnen hat. Nahm ich beim ersten Mal noch das Taxi – die Preise sind durchaus erschwinglich, ich löhnte für knapp dreißig Kilometer rund fünfzehn Euro – entschied ich mich beim nächsten Mal für den NightRider. Das sind verschiedene Buslinien, die nachts zwischen halb zwölf und fünf Uhr morgens in halbstündigem Rhythmus bedient werden. Die Linie NR2 fährt direkt zu Hause vorbei, das ist praktisch. Die Fahrt ist mit etwa vierzig Minuten ziemlich flott und kostet dreieinhalb Singapurdollar. Im Vergleich zum Taxi ist das ein Schnäppchen.

Anfang August hatte ich Besuch. Meine große Tochter verbrachte zusammen mit ihrem Freund ihren Urlaub bei mir. Da meine Wohnung groß genug ist, bietet es sich an, auf das Hotel zu verzichten und das Geld zu sparen. Nicht schlecht, so eine kostenlose Unterkunft…
Natürlich hatte ich mir vorher schon ein paar Gedanken gemacht, was wir so alles unternehmen können. Gleich vorweg, alles haben wir nicht geschafft, auch wenn Singapore ein kleines Land ist. Es braucht eben alles seine Zeit. Außerdem konnte ich nicht die ganze Zeit frei machen, ich muss mir ja noch ein wenig Urlaub aufheben, wenn meine Frau zu Besuch kommt.

Ich holte die jungen Leute also vom Flughafen ab. Es ist zwar kein Problem, mit der MRT vom Flughafen zu mir nach Woodlands zu fahren, mit den Koffern ist es aber nicht mehr so bequem. Man muss zweimal umsteigen und dann noch den Bus nehmen, der auf der falschen Straßenseite hält…
Also war für mich von vornherein klar, dass wir das Taxi nehmen und uns direkt bis vor den Block fahren lassen. Das klappte auch ganz vorzüglich.
Aus meinem eigenen Erleben weiß ich: nach so einem Flug erst einmal hinlegen und ein, zwei Stündchen schlafen wird nichts. Meist ist man dann für den Rest des Tages erledigt. Also hieß es, kurz erfrischen, umziehen und gleich wieder los. Es war ja auch schon später Nachmittag.
In Vorbereitung auf den Besuch kaufte ich zwei EZ-Link-Cards für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Fahrpreise sind niedriger als bei Standardtickets, der größte Vorteil ist jedoch die bequeme Nutzung, vor allem im Bus. Man braucht kein Kleingeld für den Bus und muss vorher nicht den Fahrplan studieren, wie teuer eine Fahrt nun ist. Einfach die Karte an den Kartenleser halten, fertig. Der Betrag wird von der Karte abgezogen, der Restbetrag angezeigt. An den Fahrscheinautomaten der MRT kann man die Karte wieder aufladen. Sehr simpel, sehr bequem.
So nutzte ich den ersten Kurztrip gleich zur Einweisung in die Benutzung von Bus und Bahn. Lange Erklärungen konnte ich mir so sparen, denn meine Tochter und ihr Freund musste einfach nur alles nachmachen. Und sich die Nummern von zwei verschiedenen Buslinien zu merken, war auch nicht das Problem. Also nahmen wir den Bus und besuchten Woodlands Causeway Point. Ich dachte mir, es könnte besser sein, erst mal klein anzufangen und sie nicht mit einem Riesen-Einkaufstempel zu verwirren.
Sie waren beeindruckt. Doch zuerst nahmen wir einen Kaffee bei Starbuck’s.
Nach einer Besichtigung verschiedener Shops meldete sich der Hunger. Die Wahl des Einkaufszentrums hätte besser nicht sein können, bietet es doch neben zahlreichen Restaurants auch zwei Foodcourts. Ich will ja keine Werbung machen, aber „banquet“ ist immer eine gute Wahl. Wir entschieden uns für Koreanische Küche.
Für die Fahrt zurück entschied ich, die Bahn zu nehmen. Auch hier brauchte ich nichts zu erklären, das System ist noch einfacher als bei den Bussen. Wir fuhren eine Station bis Admiralty, ich zeigte Supermarkt, McDonald’s und andere Shops, dann spazierten wir nach Hause. Nicht direkt, denn ich wollte noch auf einen Absacker ins 688 Eating House. Zum Einen hatte ich meinem indischen Freund versprochen, ihm meinen Besuch vorzustellen, zum Anderen konnten die jungen Leute so auch gleich die Frühstücksbasis in Augenschein nehmen.
So hatte ich sie mit einem kurzen Ausflug recht ordentlich auf die nächsten Tage vorbereitet, denn sie mussten erst einmal ohne mich klar kommen. Ich habe nicht so wahnsinnig viel Urlaub, deshalb muss ich mir ein paar Tage aufheben, wenn meine Frau herkommt. Das war aber kein Problem. Mit meiner großen Karte, dem Übersichtsplan des MRT-Netzes, den EZ-Link-Karten und meinem Tipp, dass an nahezu jeder MRT-Station ein Einkaufszentrum zu finden ist, waren sie perfekt vorbereitet. Ich gab noch den Tipp, dass es bis Ang Mo Kio nicht sehr weit und das AMK Hub ein sehr schönes Shopping Center sei. So gerüstet, fielen sie todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag vergnügten sich die jungen Leute im AMK Hub und ich mich im Büro. Abends trafen wir uns zu Hause. Nach einer kurzen Erfrischung lud ich Tochter und Freund zum Essen ein, natürlich zu meinem Lieblingsplatz: Boat Quay. Die Location verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht, genauso wenig wie das Essen…

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Der Verdauungsspaziergang führte dann in einem weiten Bogen über Merlion Park und den Supreme Court zurück zur MRT-Station Clarke Quay, von wo aus es bequem nach Hause ging. Der nächste Tag verlief ähnlich, ich im Büro und die jungen Leute unterwegs. Abends lud ich sie – auch als Erholung für meine geschundene Brieftasche, denn Boat Quay ist nicht nur sehr schön, sondern auch sehr teuer – zum Abendessen ins 888 Plaza ein. Das ist eine kleine Shopping Mall mit Food Court nur ein paar Busstops von zu Hause entfernt. Gutes Essen, gute Preise und nette Bedienung, was will man mehr? Und wer möchte, hat einen halbstündigen Fußweg als Verdauungshilfe nach Hause.

Der darauffolgende Freitag sah einen locker-gelösten Papi. Ich hatte mir einen Tag Urlaub genehmigt, damit ich ein schönes langes Wochenende frei habe. Es sollte der Sonntag nämlich Feiertag sein, Nationalfeiertag, der 44. Jahrestag der Unabhängigkeit Singapores. Und wenn ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag fällt, ist in Singapore auch der darauffolgende Montag frei. Paradiesische Zustände…
Freitag stand Sentosa auf dem Plan. Die Hinfahrt absolvierten wir mit dem Cable Car, ein Muss, wenn man zum ersten Mal nach Sentosa will. Mit einem Besuch der UnderwaterWorld und anschließendem Faulenzen und Baden vertrieben wir uns die Zeit. Einfach schön, sich so intensiv mit Nichtstun zu beschäftigen!
Als es dunkel wurde, fuhren wir mit dem Sentosa Express zurück und nahmen die MRT bis Tanjong Pagar. Mein Ziel war das Hawker Centre Lau Pa Sat, um dort zum Abend zu essen. Eine der angrenzenden Straßen wird dort jeden Abend gesperrt und mit Satay-Ständen sowie Tischen und Stühlen vollgestellt.
Wir hatten ein herrliches Abendessen mit schönen Leckereien: Filet vom Stingray – den hatten wir doch in UnderwaterWorld noch lebend gesehen? – Gemüse, Sotong, das sind Tintenfischringe, und Rojak.

In den nächsten Tagen besuchten wir einige Highlights wie Chinatown, die Orchard Road und auch wieder Boat Quay. Diesmal aber, um das Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertages zu sehen. Mal ganz abgesehen davon, dass wir zu spät für einen besseren Platz kamen – irgend wie schien alle Singaporer genau dahin zu wollen, wo wir hin wollten – war das großangekündigte größte Feuerwerk aller Zeiten nach fünf Minuten schon vorbei… Schön war es, aber sehr kurz.
Am Montag unternahmen wir einen Flug mit dem Singapore Flyer, dem mit 165 noch höchsten Riesenrad der Welt.

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Wenn die Chinesen im nächsten Jahr ihr Projekt in Shanghai fertigstellen, ist auch das ein Rekord mit Geschichte.
Der anschließende Besuch des East Coast Village Seafood Resort war mindestens genau so spektakulär wie der Flug mit dem Flyer. Der Platz ist so beliebt, dass wir gut zehn Minuten nach einem freien Tisch Ausschau halten mussten. Dann hatten wir einen und ich bestellt uns etwas zu essen. Muscheln, Tintenfischringe, Stingrayfilet, Baby Kay Lan – das ist Gemüse – und eine Krabbe, Black Pepper Crab. Einfach köstlich und unvergesslich, solche Abende am Meer…
Dienstag noch schnell nach Holland Village und am Mittwoch zeigten mir meine Tochter und ihr Freund den Yishun North Point. An diesem Einkaufszentrum bin ich bisher immer vorbei gefahren. Wir waren noch ein wenig shoppen, hatten ein kleines Essen, fuhren nach Woodlands und dann nach Hause. Die schöne Zeit war nämlich vorbei, nachts sollte der Flieger gehen.
Ich brachte meine Tochter und ihren Freund selbstverständlich mit dem Taxi zum Flughafen. Noch ein Käffchen, dann war es auch schon so weit. Die Verabschiedung war kurz und schmerzlos, heimlich drückte ich ein Tränchen durchs Knopfloch…
Dann war ich wieder allein.
Das ist nun auch schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her, obwohl sie seit zwei Wochen wieder zu Hause sind. Meine Tochter sagte mir, dass es ein ganz toller Urlaub war und ich für lau noch ein ganz passabler Tourguide sei…

Jetzt steht das Wochenende vor mir. Am Samstag werde ich einkaufen, ich habe eine Wunschliste erhalten, was ich alles so mit nach Hause bringen muss. Außerdem brauche ich noch das Geschenk für die kleine Prinzessin. Den Sonntag verbringe ich dann bei ihrer Geburtstagsfeier. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Ich glaube fast, dass es wohl eine besondere Ehre sein muss, eine solche Einladung zu bekommen und die ganze Familie kennenlernen zu dürfen.

In Gedanken aber bin ich schon zu Hause. An 9/11 steige ich ins Flugzeug. Kein Problem, ich bin nicht abergläubisch. Diesmal habe ich Malaysia Airlines ausgewählt und fliege über Kuala Lumpur. Mit rund 500 Euro für Hin- und Rückflug boten die einen sehr guten Preis. Außerdem werden mich auf dem Rückflug meine Frau und meine jüngere Tochter begleiten. Die Flüge alle unter einen Hut zu bekommen, und dann auch noch nebeneinander zu sitzen, klappte bei Malaysia Airlines wie am Schnürchen und zu einem annehmbaren Preis.
So freue ich mich schon wie verrückt und bin sicher, dass die zwei Wochen bis dahin ebenso schnell vorbei gehen, wie die bisherige Zeit.

Meinen Lesern eine gute Zeit.

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