Indonesien (2)

Samstag, 16. Mai 2009

Beim Aussteigen schallte mir schon Musik entgegen. Der Foodcourt entpuppte sich als Freilichtbühne, die von einer großen Zahl verschiedenster Stalls umgeben war. In der Mitte thronte der Biertempel.

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Unzählige fleißige Bierkellnerinnen versorgten das dürstende Publikum, während auf der Bühne Karaoke gesungen wurde. Da ich schon gespeist hatte, ignorierte ich freundlich alle Angebote zu einem Abendessen und bestellte stattdessen ein Bier. Das Bier war herrlich kalt und schmeckte ausgezeichnet. Natürlich war es Tiger, der Preis mit achtundzwanzigtausend Rupiah pro Flasche zwar kein Schnäppchen, aber immerhin preiswerter als in Singapore.
Ich genehmigte mir ein paar Fläschchen und amüsierte mich über die Karaoke-Darbietungen. Nebenbei machte ich eine interessante Beobachtung. Donna, meine Bedienung, hatte es sich mittlerweile gemütlich an meinem Tisch gemacht. Auch viele ihrer Kolleginnen saßen an den Tischen ihrer Kunden. Nun denn, ich war gut erzogen und fragte sie also, ob sie denn auch etwas trinken wolle. Sehr gern, antwortete Donna, sprang auf und verschwand. Aha, dachte ich, jetzt holt sie sich ’ne Cola. Doch weit gefehlt! Zu meinem Erstaunen kam sie mit einem leeren Bierglas zurück und goss sich Bier ein. So kurbeln die Mädchen ihre Umsätze also an, dachte ich mir. Ich fragte ganz konkret danach, ob es denn keine Probleme mit Alkoholgenuss und Arbeit gäbe. Gibt es nicht, antwortete Donna augenzwinkernd, nur ohne Alkohol…
So half sie mir ganz ordentlich bei meinem Bier und besorgte mir ein Taxi für die Rückfahrt zum Hotel. Da sie den Fahrer kannte, gab es auch keine Überraschungen, und der Preis war angemessen.

Am nächsten Tag genehmigte ich mir einen ganz besonderen Höhepunkt, eine traditionelle indonesische Ganzkörpermassage. Ich buchte eine Stunde aus Bequemlichkeit direkt im Hotel. Dann läutete es schon an der Tür. Ich zweifelte kurz, ob so ein zierliches Persönchen überhaupt ordentlich massieren könne. Doch sie überzeugte mich augenblicklich vom Gegenteil. Ganzkörpermassage bedeutet wohl auch, mit ganzem Körpereinsatz zu arbeiten. Jedenfalls war es eine Wohltat. Ich kann sie jedem nur empfehlen, sollte sich die Gelegenheit einmal bieten. Und für umgerechnet elf Euro war noch ein gutes Trinkgeld drin.
Nach einer Verschnaufpause organisierte ich mir ein Taxi, um Nongsa Beach zu besuchen. Die Fahrt dahin dauerte eine gute dreiviertel Stunde. Nongsa Beach, im Nordosten der Insel Batam gelegen, soll das schönste Stück Strand von Batam sein.

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Es ist sehr idyllisch gelegen. In eine der Holzhütten wollte ich ursprünglich auch einziehen, doch angeblich war alles ausgebucht. Nun stellte ich fest, dass es wohl nicht ganz so war. Wie auch immer, ich war dann doch recht froh, dass ich dort nichts mehr buchen konnte. Denn außer der Hotelanlage gibt es weit und breit nichts, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Foodcourts. So muss man als Gast dort immer sehr weit fahren, wenn man mal was anderes sehen will.

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Da war aber noch der Strand. Ja, der war sehr schön. Baden war allerdings nicht empfohlen, wegen der schlechten Wasserqualität. Und über allem schwebte der Geruch von Diesel… Es roch nicht nach Meer, sondern nach Diesel. Schade, das hat den ersten guten Eindruck nachhaltig gestört.
Ich ließ mir von der freundlichen Dame an der Rezeption ein Taxi rufen und verschwand dort wieder. Das Frühstück lag auch schon etwas zurück, weshalb ich mich zum Windsor fahren ließ. Dort genehmigte ich mir ein Seafood Hotplate, das ist eine heiße gusseiserne Bratpfanne auf einem Holzteller. Das Essen brutzelte noch vor sich hin, als es serviert wurde, schmeckte aber sehr lecker. Dazu gab es noch einen Teller mit Gemüse und einen frisch gepressten Orangensaft. So gestärkt brach ich auf und erkundete ein wenig die Gegend, denn es war ja noch hell. Tapfer und standhaft wehrte ich alle Angebote ab, mich mit allen erdenklichen Gefährten irgendwohin zu fahren. So gelang es mir, auch in Gegenden vorzudringen, die nicht so vornehm aussahen, wie die schmucken Häuser entlang der Hauptstraßen.

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Als ich den Wunsch verspürte, mich noch einmal zu erfrischen, winkte ich ein Taxi und fuhr ins Hotel. Hier entschied ich mich dann auch, für den Abend auf Nummer sicher zu gehen und mein Bier wieder im Windsor zu trinken. Ich hatte allerhand Geschichten über Batam gelesen, was mich zu ein paar simplen Verhaltensregeln veranlasste, ich ging abends ohne Brieftasche aus dem Hotel, das Geld hatte ich lose in der Hosentasche. Keine erkennbaren Klunkern, dicke Uhren – habe ich sowieso nicht – und kein Rumgefuchtel mit hochwertigen Handphones. Auch sollte man nachts nicht allein irgendwo rumstolpern. Also schien mir das Windsor ein guter Platz zu sein. Donna freute sich dann auch.

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So erfuhr ich noch einiges mehr über die Menschen in Indonesien, ihre Probleme und Sorgen, aber auch über ihren Spaß und ihre Lebensfreude. Mal ein Detail: das normale Einkommen der Kellnerinnen dort liegt bei etwa achthunderttausend Rupiah im Monat. Das entspricht etwa sechzig (!) Euro. Glaubt jetzt noch jemand, in Asien sei es nicht üblich, Trinkgeld zu geben? Ich fand, dass zwei Euro Trinkgeld angemessen waren, und Donna war erfreut. Anders kommen die Leute da wahrscheinlich nicht über die Runden, und auf Batam wird noch mehr verdient, als anderswo. Donna erzählte mir, dass sie auf Sumatra für den gleichen Job nur fünfhunderttausend Rupiah bekam. An diesem Abend habe ich noch lange darüber nachgedacht.

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Das Hotel einmal von der anderen Seite fotografiert. Es war tatsächlich ein Schiff aus Beton.

Der Sonntag war der Abreisetag. Ich frühstückte im Hotel und machte es mir danach noch vor dem Fernseher gemütlich. Gegen Mittag war die Abholung durch den Reiseveranstalter geplant. Die Wartezeit verkürzte ich mir in der Lobby mit einem Singapore Sling. Mit demselben kleinen Gefährt ging es zurück zum Fährterminal. Die gesamte Abfertigung lief reibungslos, ebenso die Überfahrt.
Es war ein sehr interessanter und lehrreicher Ausflug. Ich hatte ein anderes Land bereist und ein wenig über die Menschen dort erfahren. Nun war ich aber auch froh, wieder zurück in Singapore zu sein.

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