Indonesien

Donnerstag, 07. Mai 2009

Irgendwie schaffte ich es doch noch, ein auf den ersten Blick ansprechendes Urlaubspaket für das lange Wochenende zu ergattern. Da der 1.Mai hier in Singapore ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag ist, lag es nahe, doch einmal kurz zu verreisen, gewissermaßen als Einstimmung auf die bald bevorstehende größere Reise einerseits, andererseits aber auch als Abwechslung.

Ich buchte also „3D2N Batam Island“, zwei Nächte im Pacific Palace Hotel von Nagoya, Batam Island, Indonesien. Das Hotel wurde als das Beste der Stadt angepriesen, weshalb ich angesichts des moderaten Paketpreises von zweihundertdreiundfünfzig Singaporedollar ziemlich gespannt war.
Am 1.Mai sollte es also los gehen. Ich stand rechtzeitig auf, um die Fähre nicht zu verpassen, die um 13.20 Uhr ablegen sollte. Das Reisebüro hatte perfekt vorgearbeitet, alle Unterlagen waren fertig ausgestellt, sodass der Check-In am Fährterminal Harbour Front problemlos innerhalb von fünf Minuten erledigt werden konnte. Die restliche Prozedur ähnelt der auf einem Flughafen mit dem üblichen Sicherheits-Check und dem Boarding. Dann ging es auch pünktlich los.

Batam Centre, das silberne Gebäude links ist das Fährterminal

Batam Centre, das silberne Gebäude links ist das Fährterminal

Die Fähre benötigt etwa eine Stunde von Singapore bis Batam Centre. Entgegen der Reiseberichte, die ich in Vorbereitung auf den Trip gelesen hatte, war die Überfahrt sehr ruhig, und die Passagiere behielten auch alle ihr Essen bei sich. Nach der Ankunft auf Batam wurde als Reaktion auf die aktuelle Schweinegrippe bei allen Passagieren die Körpertemperatur an der Schläfe gemessen. Mir ist nicht aufgefallen, dass es irgendwelche Zwischenfälle gab. Als nächstes musste ich mir ein Visum für den Kurzaufenthalt besorgen. Das kostete zehn US-Dollar oder umgerechnet fünfzehn Singaporedollar. Hier nun machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit indonesischem Geschäftssinn. Der Beamte verlangte einfach achtzehn Singaporedollar, Widerspruch war irgendwie zwecklos…
Die Einreise ging dann ganz problemlos vonstatten, ebenso die Abholung durch das Reisebüro. Mit einem Minibus wurden wir Urlauber, die beim gleichen Veranstalter gebucht hatten, auf die Hotels verteilt.
Die Fahrt war interessant, aber ungemütlich. Der Straßenzustand war einfach erbärmlich, weshalb ich erleichtert war, als ich nach einer halben Stunde am Hotel ankam.

Das Hotel machte äußerlich einen ansprechenden Eindruck. Es erinnerte an ein Kreuzfahrtschiff.

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Auch im Inneren fühlte ich mich an selbiges erinnert. Der Empfang war herzlich, der Check-In klappte vorzüglich und das Zimmer war angemessen. Weil ich seit dem Frühstück – es gab zwei Roti Prata – nichts mehr gegessen hatte, hielt ich mich auch nicht sehr lange im Hotel auf, sondern erfrischte mich nur kurz und zog wieder los. Doch zuerst wollte ich noch Geld umtauschen, fürs Erste schien mir das Hotel mit dem erfahrungsgemäß schlechtesten Kurs geeignet. Die Frage nach einem Taxi schmetterte ich generös ab, schließlich hatte ich innerhalb der walking distance einige Speisentempel gesehen. Sehr weit kam ich jedoch nicht. Es gab dort leider keine Gehwege, und angesichts des Straßenverkehrs kehrte ich reumütig zum Hotel zurück und nahm doch ein Taxi. Das war ein sehr weiser Entschluss, wie ich später noch merken sollte. Ich ließ mich also zum Nagoya Hill kutschieren, dem größten Einkaufszentrum auf Batam.

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Zunächst musste ich mich wieder an die großen Zahlen auf den Preisschildern gewöhnen, bei einem Kurs von rund vierzehntausend Rupiah für den Euro wird man schnell Millionär.
Sehr schön fand ich die Tatsache, dass genau wie in Singapore auch dieses Einkaufszentrum über einen Foodcourt verfügt. Das Angebot war überwältigend, entsprechend lange dauerte die Auswahl. Ich konnte mich kaum entscheiden, fand dann aber doch etwas Passendes: Satay, in Indonesien einfach Sate geschrieben, wie man’s spricht… Die kleinen Fleischspießchen waren köstlich, ich verdrückte von Hähnchen und vom Lamm jeweils fünf Stück.
Die Shopping Mall selbst bot das gewohnte Bild einer Mischung aus Boutiquen mit wahrscheinlich echten Markenartikeln und den üblichen Marktständen, die das Dior-Parfum und RayBan-Sonnenbrillen zu sensationellen Schnäppchenpreisen anbieten. Ich vertrat mir noch ein wenig die Beine, staunte dabei über ein Gemälde, welches das Portrait von Usama Ibn Ladin zeigte und für drei Millionen Rupiah zu haben war, und verspürte bald ein unbändiges Verlangen nach einem Bier. Die Dosen im Shopping Centre sprachen mich nicht so an, deshalb machte ich mich auf den Weg nach draußen. Nun wusste ich auch, dass man am besten mit dem Taxi unterwegs ist, wenn man seine Ruhe haben will…

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Es ist schlicht unmöglich, auch nur fünf Schritte zu tun, ohne zum Taxifahren aufgefordert zu werden. Glücklicherweise erspähte ich an der nächsten Eckkneipe einen mit Tigerflaschen gefüllten Kühlschrank und hatte eine Ausrede an alle Taxifahrer. Das Seafood-Restaurant war recht gemütlich, und der Koch zauberte virtuos die Köstlichkeiten auf dem Grill. Ich genoss das kalte Bier und schaute dem Künstler bei seiner Arbeit zu. Irgendwann legte er einen Kalmar im Ganzen auf den Rost. Interessiert machte ich mal einen langen Hals. Er grillte den Kalmar rundherum an und schnitt ihn dann in feine Ringe. Die Ringe kamen auf einem Drahtrost über das Feuer und wurden mit verschiedenen Soßen bestrichen. Dann waren sie wohl fertig. Mir war beim Zuschauen das Wasser im Mund zusammengelaufen, also bestellte ich mir auch welche, dazu noch einen kleinen Teller mit Gemüse. Köstlich, sehr knusprig und scharf. Zum Bier eine gute Wahl.

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Im Hochgefühl des perfekten Genusses kam ich nun auf die Idee, mich nach einer anderen Kneipe umzusehen. Ich wollte ein Taxi rufen, aber das brauchte ich gar nicht. Als ich vom Stuhl aufstand, war der Fahrer zur Stelle. Ich verhandelte mit seinem Boss und wollte zu einem Lokal mit Bier und Musik. Der empfahl mir den Windsor Foodcourt und wir einigten uns dann auf dreizehntausend Rupiah. Hätte ich mal lieber gleich bei ihm bezahlt…
Nach einer recht kurzen Fahrt war ich da und wollte den Preis bezahlen. Der Fahrer sprach aber kein Englisch, zumindest tat er so. Er hatte aber bei den Verhandlungen mitbekommen, dass eine Drei im Preis enthalten war und verlangte nun dreißigtausend Rupiah. Ich machte meinem Ärger ein wenig Luft, gab ihm aber die dreißigtausend. Was soll’s? Ich beschloss, beim nächsten Mal besonders darauf zu achten, dass der Fahrer auch versteht, was verhandelt wird.

– Wird fortgesetzt –

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