Sentosa zum Dritten …

Samstag, 04. April 2009

Nein, die Insel ist nicht zu ersteigern. Mit dieser Überschrift will ich nur anmerken, dass ich heute zum dritten Mal zu Besuch auf Sentosa war. Nach der Gammelei vom vergangenen Wochenende wollte ich wieder etwas unternehmen, und so fiel die Wahl auf Sentosa. Ich hatte das Verlangen, mal wieder im Südchinesischen Meer zu baden. Nach dem Reinfall auf St. John’s Island war ich mir sicher, diesmal auch genügend Wasser vorzufinden …

In aller Frühe klingelte der Wecker, ich hatte ja dazu gelernt. So kam es, dass ich nach ein wenig Hausarbeit und einem kurzen Frühstück den Rucksack mit den Badeutensilien packte und kurz nach neun loszog. Die Bahn brachte mich mit einmal Umsteigen nach Harbour Front. Hier hat der Sentosa-Besucher, der auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, prinzipiell vier Möglichkeiten. Die erste und wahrscheinlich preiswerteste ist der Sentosa-Express, die Einschienen-Hochbahn. Mit dem Inselticket für drei Singaporedollar kann man den Express auch noch für die Rückfahrt benutzen. Spektakulärer, dafür auch teurer ist das Cablecar. In eindrucksvoller Höhe gondelt man mit dieser Seilbahn und hat eine tolle Aussicht. Ich schrieb bereits im letzten Jahr davon. Man kann auch noch den Bus nehmen oder ein Taxi rufen. Die Inselmaut für PKW schlägt der Taxifahrer aber generös auf den Fahrpreis auf, sodass Taxifahren nicht unbedingt von mir favorisiert wird.

Noch hatte ich aber genügend Zeit und wollte die Location erkunden sowie mich auch noch mit etwas Essbarem eindecken.
Die Station Harbour Front liegt direkt unter dem Einkaufs- und Erlebnistempel VivoCity. Über fünf Etagen verteilen sich Boutiquen, Fresstempel, Supermarkt und Parkhaus. Auf dem Oberdeck kann man schon mal einen Blick zur Insel riskieren

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oder bei der ausgestellten Kunst über die Frage nachsinnen: „Was will uns der Künstler damit sagen?“
Der Schneemann jedoch hat mich überrascht. Da hatte wohl jemand richtig viel Humor.

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Bald hatte ich aber genug gesehen und schaute ich mich erst einmal nach einem Supermarkt um, den ich auch schon bald fand. Mineralwasser, Äpfel und eine Schachtel Kekse sollten als Notration reichen. Man kann bei der Wärme alles Futter weglassen, aber Wasser muss man unbedingt dabeihaben. Mit der bereits angefangenen Flasche hatte ich nun rund zweieinhalb Liter Wasser, das sollte reichen.
Ich musste mich auch noch nach einer Sonnenbrille umsehen, denn meine liegt zu Hause in Deutschland im Auto … Hat auch sein Gutes, da kommt sie wenigstens nicht weg. Die Einkauferei und die Besichtigung des Shoppingtempels ließen mich ein leichtes Hungergefühl verspüren. Also stürmte ich „Kopitiam“, einen Foodcourt mit einem reichhaltigen Angebot an Köstlichkeiten. Ich wählte nach einiger Suche Deep Fried Dumpling Noodles und einen Papaya-Salat vom Thailänder. Ich war recht zufrieden mit dieser Zusammenstellung. Die Deep Fried Dumplings waren die normalen gefüllten Teigtaschen, nur eben frittiert. Dadurch war die Hülle recht knusprig. Die Chilli-Sauce zu den Nudeln bot einen schönen Kontrast zu dem fruchtig-frischen Papaya-Salat.
Satt und zufrieden begab ich mich zum Sentosa-Express, der praktischerweise im gleichen Gebäude abfährt. Dass ich den Express nehmen würde, war schon aus Bequemlichkeitsgründen klar. Zum Cablecar war es mir einfach zu weit.
Nach kurzer Fahrt an einer Riesenbaustelle vorbei – hier entstehen Casino, Hotel, Kneipen, Shopping-Malls und, und, und… – war ich angelangt. Man kann sich auf Sentosa beispielsweise mit der Beach Tram fortbewegen, bei fünf Quadratkilometern ist die Insel aber nicht wirklich groß. Also wanderte ich los in Richtung Siloso Beach. Auch wenn es bei Einheimischen mitleidiges Lächeln und Kopfschütteln auslöst, für mich ist „walking distance“ jede Entfernung, die ich im Spaziergängertempo innerhalb einer Stunde zurücklege. Die Leute hier blasen bei 10 Minuten schon die Backen auf – walking distance: five minutes!
Ich entschied mich, zuerst UnderwaterWorld zu besuchen und dann ein schönes Plätzchen zum Baden und Relaxen zu suchen.

Ich will mal vorsichtig formulieren: Natürlich hatte ich mich vorher schon mal informiert, was mich dort erwartet. So war ich recht neugierig und freudig gespannt. Was ich dann sah, war größtenteils ganz in Ordnung, aber auch ziemlich kitschig. Gut, in Asien steht man auf sowas, aber Quallen vor blauem Hintergrund mit wechselnden Lichtfarben zu illuminieren war dermaßen unnatürlich, dass ich nicht weiß, was ich davon halten soll.
Gleich nach dem Eingang findet man einen Streichelzoo für Fische. Als Aquarianer enthalte ich mich an der Stelle mal einer Wertung.

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Der ganze Komplex ist nicht so groß, wie der Name vermuten lässt. So war ich auch recht schnell durch und stand im Keller vor dem Tunnel.

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Und das ist das eigentlich Beeindruckende an UnderwaterWorld. Ganz in asiatischer Perfektion haben die Designer der Anlage einen Escalator, eine Art Förderband, vorgesehen. So muss der geneigte Besucher nicht einmal mehr selber laufen, um diesen ringförmig angeordneten Tunnel zu besichtigen. Ich war aber der Meinung, dass ich mehr sah, wenn ich einfach an einer Stelle stehenblieb. Die Fische sind schwimmfreudig und kommen sowieso alle irgendwann an der Stelle vorbei, an der ich stehe. Mit Ausnahme einiger großer Haie, die hielten wohl grade ihr Verdauungsschläfchen.

Ich habe mehrere Videoclips vom Tunnel gedreht, zwei davon sind bei Youtube zu besichtigen. Der erste Clip zeigt überwiegend Haie, aber auch elegant und majestätisch dahingleitende Rochen. Im zweiten Clip habe ich mal ein Stück Fahrt auf dem Escalator gefilmt.

Der Tunnel hat mich wirklich fasziniert. Das relativiert dann auch den Eintrittspreis von fast dreiundzwanzig Singaporedollar, das sind nicht ganz zwölf Euro. Diese dreiundzwanzig Dollar halfen mir dann auch, den marketingstrategisch geschickt gewählten Ausgang unbeschadet zu überwinden …

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Okay, mit der Karte bekommt man bei der Delphinshow Rabatt, man hat also noch etwas davon. Darauf hatte ich aber keine Lust, denn das hätte meinen Zeitplan durcheinander gewürfelt.

Direkt neben UnderwaterWorld liegt Fort Siloso. Scheint ganz interessant zu sein, diesem Fort mal einen Besuch abzustatten. Ich nahm mir das für meinen nächsten Trip auf die Insel vor, denn jetzt hatte ich das unzähmbare Verlangen nach einem Bad.
Siloso Beach ist sehr schön, aber auch sehr laut. Da sehr viel gebaut wird, findet man auch am Samstag Baulärm vor.

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Das war nicht gerade meine Vorstellung von Relaxen, also latschte ich weiter. Vom letzten Badetag im vergangenen Jahr wusste ich, dass am anderen Ende der Insel ein Stück Strand in sehr ruhiger Lage zu finden ist. Immer dem Strandweg folgend, stieß ich auf diese zwei Türme. Sie kennzeichnen den angeblich südlichsten Zipfel des asiatischen Kontinents.

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Gemeint ist das Festland, wobei man gerade deshalb geteilter Meinung sein kann. Schließlich ist das kleine Inselchen, auf welchem die Türme stehen und das über eine Hängebrücke zu Fuß zu erreichen ist, künstlich von Menschenhand entstanden. Wie auch immer man das sieht, es liest sich doch ganz gut auf dem Schild.
Ich langte dann am Tanjong Beach an, letzte Ecke der Insel. Damit hatte ich fast die gesamte Länge der Insel abgewandert. Dass ich jetzt nach dem Meer geradezu lechzte, wird wohl jeder verstehen. Ich fand ein schattiges Plätzchen unter Palmen und breitete mich aus.

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Herrlich!!! Obwohl das Wasser sicher seine sechsundzwanzig Grad hatte, war es trotzdem eine Wohltat. Auf Schwimmen hatte ich keinen Bock, außerdem wollte ich meine Sachen im Auge behalten. Es gibt zwar Schließfächer neben den Toiletten, aber das war mir dann auch zu weit weg, falls man mal schnell was holen will. Also planschte ich nur ein wenig, immer aufmerksam, ob sich nicht jemand verdächtig annähert. Aber es gab keinen Grund zur Sorge. Noch etwas schmökern und in der Gegend rumgucken, zwischendurch wieder in den Teich hüpfen, so verbrachte ich den Nachmittag. Die mitgebrachten Äpfel und Kekse trugen zu meinem allgemeinen Wohlbefinden bei.

Irgendwann zogen einige dicke Wolken auf. Anfangs sah das Spektakel am Himmel ja noch faszinierend aus, doch bald schon wurde es dunkel. Ich dachte gerade noch bei mir, dass ich wohl langsam zusammenpacken könne, da bekam ich einen Regentropfen auf meinen großen Zeh. Das war das Startsignal! Sachen zusammenraffen und schnellstens unter dem nächsten Dach Schutz suchen. Kurz – ich schaffte es gerade so! Dann ging der Regen los, dass man draußen kein Schiff mehr erkennen konnte.

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Aber schon nach wenigen Minuten, in denen eine gesamte Tagesration Regenwasser heruntergekommen zu sein schien, hörte es auf. So machte ich mich auf den Weg. Ich hatte zwar einen Schirm mit, aber der Knirps hätte hoffnungslos versagt bei der Wassermenge.

Die Rückfahrt war unspektakulär. Ich unterbrach die Fahrt kurz für ein Abendessen an der Orchard Road. Wohlbehalten „zu Hause“ angekommen, tippe ich diesen Bericht und merke, wie ich langsam schön müde werde. Das ist gut, denn morgen kann ich ausschlafen.

Herzliche Grüße aus Singapore,
Ralf

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