Regenzeit

Sonntag, 01. März 2009

Diese Woche war ganz ordentlich gespickt mit Terminen. So hatte ich meine erste Erfahrung mit einem Arzt hier gemacht, doch keine Angst, es war nur ein Routinecheck für meine Krankenversicherung. Das System hier ist ein völlig anderes. Die einheimischen Arbeiter und Angestellten und die Arbeitgeber zahlen in eine Art persönlichen Sozialfonds ein, der für die Krankenversicherung und die Altersvorsorge herangezogen wird. Dabei beträgt der Beitrag 20% des Bruttolohns für den Arbeitnehmer und 14% für den Arbeitgeber. Ich selbst komme für diesen „CPF – Central Provident Fund“ genannten Fonds nicht in Betracht und darf alles selber zahlen. Die Versicherung erfolgt ausschließlich über private Versicherungsgesellschaften. Ein System von gesetzlichen Krankenkassen gibt es hier nicht. Die Versicherung, die ich mir ausgesucht habe, schreibt vor Vertragsbeginn einen ärztlichen Check vor, was bei mir mehr Vertrauen erweckt, als die Beantwortung von seitenlangen Gesundheitsfragen bei einem deutschen Versicherungsvertreter.
So lautete der Befund des Arztes schließlich „generally healthy“, was soviel wie „Hauptuntersuchung mit kleinen Mängeln bestanden“ bedeutet.

Dann habe ich noch einen Telefon-, Fax- und Internetanschluss für die Firma angemeldet, weil wir Anfang März umziehen. Die neue Location ist dann sehr viel näher an meinem Wohnort als bisher. Habe ich zur Zeit einen Arbeitsweg von etwa eineinhalb Stunden, reduziert sich diese Zeit dann auf rund 25 Minten, falls ich die ganze Strecke laufe. Das ist eine wesentliche Verbesserung meiner Arbeits- und Lebensbedingungen, über die ich mich aber bisher sowieso nicht beschweren kann.

Zur Zeit hält sich das Wetter mal an die Verabredung, dass ja eigentlich Regenzeit ist. So regnet es auch tatsächlich täglich meist sehr stark, sehr oft verbunden mit einem ordentlichen Tropengewitter. Am Mittwoch beispielsweise regnete es genau zur Feierabendzeit.

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Plötzlich fühlte ich mich an ein Vorhaben erinnert, was ich aber schon wieder vergessen hatte: Ich wollte mir einen kleinen Regenschirm kaufen, der zusammengelegt in die Hosentasche passt. An diesem Mittwoch tat ich das dann gezwungenermaßen, ich kaufte mir so einen kleinen Knirps. Tatsächlich benötigte ich den für die knapp einhundert Meter von der Bushaltestelle bis zu meinem Block. Der Rest des Weges war ja überdacht. Es regnete so stark, dass ich ohne den Schirm klatschnass gewesen wäre.
Meist ist das Timing des Wetters so perfekt, dass es immer genau dann wie aus Eimern schüttet, wenn ich gerade irgendwohin will…

Am Samstag war ich zu einem Besuch des Singapore Zoo eingeladen. Wir starteten recht früh mit einem Frühstück. Es ist angenehmer, zeitig am Morgen den Zoo zu besuchen. Nachmittags ist Hitze einfach zu groß, man kann dann nicht so recht genießen. So jedoch ließ es sich aushalten.

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Der Zoo ist recht großzügig angelegt und bietet überwiegend große Freigehege. Der Besucher findet einige Vertreter der einheimischen Tierwelt, aber natürlich auch die üblichen Afrikaner.

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Beeindruckend war auch, wie gewandt sich so ein Eisbär im Wasser bewegt. So konnte ich auch die Fütterung miterleben. Leider habe ich nicht so gut sehen können, wie der Eisbär einen lebenden Fisch gejagt und erbeutet hat.

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Das Video zur Fütterung des Eisbären gibt es hier.

Und nein, er heißt nicht „Knut“ …

Einigen Zoobewohnern kann man recht nahe kommen. Anfassen wollte ich dann aber lieber doch nicht. Man weiß ja nie.

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Natürlich besuchten wir auch die Weissen Tiger. Kürzlich sind diese Tiere ja in die Schlagzeilen gekommen, als sie einem Tierpfleger den Garaus gemacht haben. Es heißt hier, dass der Pfleger wohl psychische Probleme gehabt und auf diese Weise seinem Leben ein Ende gesetzt haben soll. Wie auch immer, prächtig anzuschauende Tiere sind das allemal.

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Nein, diese Ähnlichkeit!

Nein, diese Ähnlichkeit!

Aber den Typen rechts im Bild gibt es tatsächlich auch in echt und lebend zu bestaunen. Bei den Besuchern verursachen er und seine Kollegen regelmäßig Gelächter.

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So verging die Zeit ziemlich schnell

Am Nachmittag ruhte ich mich erst mal von der Lauferei aus, bevor ich dann noch mal loszog. Oder besser gesagt, losziehen wollte… Denn wie schon erwähnt, es ist Regenzeit. Nach einem kurzen, aber sehr heftigen Gewitter konnte ich dann doch etwa eine Sunde später als geplant los. Allerdings war es auch abends kurz vor acht noch sehr warm, der Regen brachte die nötige Feuchtigkeit mit, sodass ich mich wie in der Sauna fühlte. Aber Shopping ist dann genau die richtige Wahl, wegen der klimatisierten Umgebung. Ich brauchte noch ein paar Kleinigkeiten wie beispielsweise Rasierklingen.
Auch angenehm, dass jedes Shoppingcentre seinen eigenen Foodcourt hat, man kann dann das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und gleich speisen.
Da ich ja nun schon einige Tage hier bin, war es auch an der Zeit, einen Frisör aufzusuchen, denn die Haare sprießen ja auch in den Tropen. Praktischerweise kann man das auch gleich im Einkaufszentrum erledigen. Es gibt nur keinen „Salon“ dort, sondern so eine kleine Kabine mit drei Stühlen, drei Spiegeln und drei Hairstylistinnen. Massenabfertigung. Zehn Minuten Haarschnitt für zehn Singapore-Dollar. Es dauerte wirklich nicht länger, und der Vorteil ist, dass man kaum länger als zehn Minuten Wartezeit hat. Ich war einigermaßen skeptisch, um so angenehmer war ich dann vom Resultat überrascht. Wer wirklich nur einen Haarschnitt ohne Extras braucht, ist da ganz gut aufgehoben. Waschen und Schnickschnak gibt’s aber nicht, dafür muss man schon ein Haarprobierstudio aufsuchen …

Dann freute ich mich auf den Besuch meines Lieblings-Kaffeehauses. Ich wurde auch freudig begrüßt, immerhin hatte ich mich schon fast zwei Wochen dort nicht sehen lassen. Ich wollte die Zeit auch gleich noch nutzen, um mit der Familie zu skypen und mich sonst noch im Netz umzusehen, weshalb ich den Laptop eingepackt hatte. Alles ließ sich sehr gut an, ich war auch gerade mitten in der Unterhaltung mit meiner Frau, als an einem der benachbarten Geldautomaten der Alarm losging. Die Sirene machte rund zwanzig Minuten lang einen ohrenbetäubenden Lärm. Es dauerte auch sehr lange, bis zwei Uniformierte auftauchten. Dann war endlich wieder Stille, aber nur für zehn Minuten, denn der Alarm ging ein zweites Mall los. Nun reichte es mir. Meinen Kaffee hatte ich eh ausgetrunken, also packte ich zusammen, fuhr nach Hause und genoss die Ruhe.

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