Die Zeit rast

Mittwoch, 18. Februar 2009

Die Zeit rast.
Bei einem meiner letzten Besuche in einem Lokal einer sehr bekannten Kaffeehauskette unterhielt ich mich mit der sehr netten, sehr jungen Dame hinter dem Tresen. Wir redeten so über dies und das … Natürlich fragte sie mich, was ich denn hier mache. Also erzählte ich ihr, dass ich kein Tourist sei, sondern hier arbeite und wohne. Natürlich erwähnte ich auch, dass es mir in Woodlands gefällt und es sich hier ganz gut leben lässt. Die Antwort war, dass das wohl stimmen möge, ansonsten und überhaupt und allgemein das Leben aber viel zu schnell sei in Singapore.
Meine Erfahrungen der letzten Tage und Wochen sagen nichts anderes …

Das letzte Wochenende war aber recht ruhig. Natürlich konnte ich nun den Tag anders einteilen, weil ich nicht mehr aus dem Haus muss, um mit der Familie Kontakt via skype aufzunehmen.
Am Samstag war erst mal Ausschlafen angesagt, denn ich hatte nach dem Besuch meines Kommunikationszentrums und dem ausgiebigen Genuss der einheimischen Speisen und Getränke noch ziemlich lange vor dem Rechenknecht gesessen. Natürlich ich bin nicht spät ins Bett gegangen, sondern ganz schön früh.
Selbstverständlich stand auch Einkaufen und die Wäsche auf dem Programm. Der wichtigste Punkt war aber das Abendessen mit Freunden in einem libanesischen Restaurant.

http://www.alqasr.com.sg/index.htm

Es gab nach dem Salat unter anderem Batata Harrah, Falafel, Halabi Kabab Batinjan und Lahim Bel Ajeen, alles kleine Leckereien, meist gefüllt mit Hackfleisch vom Lamm oder vom Rind. Die Batata waren Bratkartoffeln, kleine Würfel und mit Knoblauch, Koriander und Chilli gewürzt. Es schmeckte alles sehr kräftig und gut gewürzt, aber nicht übermäßig scharf.
Bisher hatte ich noch keine Berührung zur libanesischen Küche gehabt, weshalb ich sehr neugierig darauf war. Mir hat es aber ausgezeichnet geschmeckt. Die Speisen sind für meinen europäischen Geschmack nicht sonderlich gewöhnungsbedürftig, aber exotisch genug, um als etwas Besonderes zu gelten. Ich erwartete auch einen recht exotischen Preis, doch ich wurde angenehm überrascht. Die achtundsechzig Singdollars für drei Personen waren wirklich angemessen, um mich jetzt mal diplomatisch auszudrücken.
So hatte ich einen sehr schönen Abend in Gesellschaft und musste meinen Geburtstag nicht alleine feiern. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal für die Grüße und Glückwünsche bedanken.

Der Sonntag war dann recht ruhig. Am Nachmittag rappelte ich mich endlich mal auf, um noch was von der Gegend hier zu sehen. Mir fiel schon vor einigen Tagen auf, dass an vielen Stellen große Zelte errichtet wurden. Das sah ich mir einmal genauer an. Irgendwie hatte ich aber etwas Besondereres erwartet, als ich dann aber antraf. Es waren Verkaufsstände aller Art. Vom Krimskrams, den kein Mensch braucht, über Klamotten bis hin zu Autos konnte man alles kaufen. Angenehm dabei war, dass auch gleich genug Essen und Getränke angeboten wurden. So erfrischte ich mich angesichts der hohen Temperaturen erst mal mit einer kühlen Kokosnuss. Das ist ein Geheimtipp, den man hier an jeder Ecke bekommt. Den Tip, nicht die Nuss. Was daran aber stimmt, ist die Erfrischung, die man davon hat. Seltsamerweise bilde ich mir ein, dass während des Genusses die Körpertemperatur sinkt. Ist das nur Einbildung, oder ist da gar etwas Wahres dran? Vielleicht komme ich ja noch dahinter, denn sicher ist, dass ich bei der nächsten Gelegenheit wieder eine Kokosnuss in der Hand halte…

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Nachdem ich genug gesehen hatte, machte ich mich auf zum Woodlands Centre am Alten Kino. Dort schlenderte ich ein wenig und hielt Ausschau nach Hemden. Aber die angebotenen Hemden hatten entweder nicht meine Größe oder trafen nicht meinen Geschmack. Die Größenangabe ist ja so ein Ding für sich! Wenn ich zu Hause in Deutschland eine XXL probiere, dann passt das meist. Die Größe XXL gibt es hier auch, allerdings ist das so klein, dass ich ein solches Teil nicht probieren muss, um herauszufinden, dass es nicht passt … Ich hatte unlängst ein T-Shirt in XXXXXXXL (ja, richtig, das sind sieben X!) gesehen und zweifelte, ob ich da wohl reinpassen würde. So ist es nicht ganz einfach, die passende Größe zu bekommen. Vielleicht frage ich mal einen richtig dicken Chinesen hier, wo er seine Klamotten kauft.

Dann hatte mich auch schon der Alltag wieder eingeholt, denn es war bereits wieder Montag.
Auf dem Weg zum Büro kann ich eine Menge beobachten, falls ich im Bus nicht schlafe. Mir fiel auf, dass selbst die Industriegebiete hier viel Vegetation bieten.

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Auch sonst kann man einige schon eher haarsträubende Beobachtungen machen, wenn man unsere Maßstäbe anlegt. Die Personenbeförderung auf der Straße ist zum Beispiel ein solches Thema. Sehr beliebt sind die kleinen Transporter mit Pritsche. Da werden dann einfache Bretter auf die Planken gelegt, ein Geländer angebracht und in der Luxusausführung ein Dach drübergeschraubt. Fertig ist der firmeneigene „Bus“.

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Ich bin sehr froh, dass meine gastgebende Firma einen richtigen Reisebus gechartert hat. Offensichtlich sind hier die Vorschriften in dieser Hinsicht etwas laxer. Nun weiß ich auch, was es bedeutet, wenn an einem LKW ein Schild „32 pax“ hinten an der Pritsche angebracht ist. Es dürfen bis zu 32 Personen auf der Ladefläche mitfahren. Natürlich ohne Sitz und Gurt, ohne Netz und doppelten Boden. Dafür ist dann aber die Geschwindigkeit des LKW auf sechzig Stundenkilometer begrenzt, zur Sicherheit wahrscheinlich.
Selbstverständlich wird oft gleichzeitig mit den Personen auch noch das eine oder andere Material befördert. Aber ich habe mich an diesen Anblick gewöhnt und die Nackenhaare stellen sich nicht mehr auf…

* * *

Die Zeit rast.
Trotzdem sehne ich mich nach meiner Familie und kann den Tag kaum erwarten, an dem meine erste Geschäftsreise nach Deutschland beginnt…

Herzliche Grüße aus Singapore,

Ralf

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