Occupy the Occupy:?

Natürlich verfolge ich als Teilnehmer der Erfurter Aktion vom 15. Oktober 2011 sehr interessiert alles, was zum Thema veröffentlicht wird. Mir ist auch nicht entgangen, dass nun Politiker und Funktionäre verschiedenster Couleur versuchen, sich entweder vor den Karren zu spannen, oder sich wie im Falle der unsäglichen Frau Merkel gar mit uns zu solidarisieren.

Die größte Frechheit habe ich aber hier lesen müssen, und zur Sicherheit, falls das verlorengehen sollte, einen Screenshot angefertigt und die Seite vorsorglich gespeichert.

Die Bewegung läuft im Moment Gefahr, der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Natürlich ist mir klar, dass wir gegen die Großbanken kaum etwas ausrichten können, außer eine Aktion “Krötenwanderung” zum Beispiel…
Aber darum kann es auch nicht gehen. Die Finanzjongleure machen doch nur das, woran sie nicht gehindert werden. Da die Regierung und die Volksvertreter bisher eher durch grandiose Tatenlosigkeit bei der Kontrolle der so genannten “Finanzmärkte” aufgefallen sind, in der Vergangenheit – GAZ-Gerd lässt grüßen – durch die Öffnung Deutschlands für die Hedge-Fonds, initiiert durch das mittlerweile die Treppe heraufgefallene Ex-Staatsekret Asmussen den Weg für eine andauernde “Finanzkrise” bereitet haben, deren Zeche wir alle zahlen, müssen wir unseren Protest deutlich und zielgenau artikulieren.

Natürlich ist der zügellose globale Kapitalismus, getrieben von geldgeilen und verantwortungslosen Hasardeuren die Wurzel allen Übels, aber wir sollten nicht vergessen, dass es die Politiker sind, allen voran die Kanzlerin, die von den Finanzhaien auf vielfältige Weise geschmiert werden und vergessen, dass sie deren aktuelles Weltbild durch beschränkende Rahmenbedingungen wieder vom Kopf auf die Füße stellen könnten.
Was macht die Trulla da in Berlin statt dessen? Hält seltsame Reden, deliriert was von Unterstützung ihrer Politik durch die Demonstranten und glänzt ansonsten durch Tatenlosigkeit.
Nein, Frau Merkel, meine Unterstützung haben Sie ganz sicher nicht! Wenn Sie nicht Politik für das ganze Volk machen, dann müssen Sie weg! Sie haben bisher Ihrem Amt schweren Schaden zugefügt und Ihren Amtseid gebrochen.

Langsam sollte sich die Bewegung(TM) für ihre politische Ausrichtung einen kleinsten gemeinsamen Nenner geben. Angesichts der fehlenden Hierarchien und Strukturen ist das sicher schwierig, aber nicht unmöglich. Vereinnahmungen durch Parteien halte ich für kontraproduktiv. Es ist eine Bewegung aus dem Volk, und das soll sie auch bleiben.

Hier habe ich den Vorschlag eines Manifestes gefunden und möchte ihn auch verbreiten:

Bewegung 15. Oktober
Manifest für echte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität

Demokratie

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich zur Demokratie im Sinne einer direkten Volksherrschaft bekennt, die Aufklärung über Manipulation stellt und in der jede Stimme, ohne Ansehen von Vermögen und sozialem Status, gleich viel zählt.

Frieden

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich mit aller Kraft für den Frieden zwischen den Völkern und im Innern einsetzt und in der Krieg und Gewalt geächtet und nicht als Mittel der Politik anerkannt werden.

Meinungsfreiheit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder seine Meinung ohne Angst vor Verfolgung oder Benachteiligung offen und frei äußern kann.

Toleranz

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, seiner Überzeugung, seiner sexuellen Orientierung und seinen körperlichen und geistigen Eigenschaften mit Toleranz, Würde und Verständnis behandelt wird

Solidarität

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die Schwachen, Hilfsbedürftigen und Notleidenden, unabhängig von den Ursachen für ihre Schwäche, ihre Hilfsbedürftigkeit und ihre Not, im eigenen Land und in jedem anderen Land solidarisch und hilfsbereit gegenübersteht.

Wirtschaft

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der sich die Wirtschaft dem Wohl der Menschen unterordnet, in der Besitz untrennbar mit sozialer Verantwortung verbunden ist und in der das Streben nach Glück höher bewertet wird als das Streben nach Gewinn.

Arbeit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die sich für gerechte und faire Arbeitsverhältnisse einsetzt, die Menschen in allen Lebenslagen und Altersgruppen Perspektiven bietet und die verhindert, dass die Würde der Arbeit der Profitsucht und Gier Einzelner geopfert wird.

Bildung

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der jeder, unabhängig von seiner Herkunft, seinem sozialen oder finanziellen Status, seinem Alter und seiner Vorbildung Zugang zu allen Bildungsangeboten erhält und sich frei und ohne Einschränkungen mit allen Inhalten beschäftigen kann, die ihm für seine persönliche Entwicklung als sinnvoll erscheinen.

Soziale Sicherheit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der niemand Angst um seine soziale Sicherheit und seine Versorgung mit Wohnung, Nahrung, Wärme, Kleidung, kultureller und sozialer Teilhabe, medizinischer Versorgung, Bildung, Kommunikation, Genuss und Mobilität hat.

Nachhaltigkeit

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der alle mit Sorgfalt und Behutsamkeit mit den Menschen, der Natur, der Umwelt und den Ressourcen umgehen.

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Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, meine Behauptungen zu belegen. Bei den einschlägigen Seiten kann man die betreffende Vorgänge leicht nachlesen. Ich hatte ziemliche Wut, und die musste eben raus, bevor ich platze!
Natürlich lässt der sprechende Hosenanzug den Ex-Nachrichtensprecher Seibert keine Statements der geistigen Umnachtung verbreiten, das ist alles Kalkül. Der Bewegung soll der Schwung genommen werden, bevor sie eine Kraft erreicht, die gefährlich für die Pfründe wird. Sie haben aus ’89 gelernt…

6 Gedanken zu “Occupy the Occupy:?

  1. Nun, die aufkommende “Bewegung” ist ja noch alles andere als homogen, wie Du selbst vor Ort erlebt haben dürftest. Daher halte ich es für um so wichtiger, daß auch wir Blogger daran teilnehmen und versuchen – im Diskurs mit unseren Lesern – sie mit klaren Inhalten zu füllen und sie nicht den “Spinnern” zu überlassen.

    • Diese Inhomogenität ist me.E. aber auch ein Vorteil, kann sie doch die Bewegung auf eine sehr breite Basis der Akzeptanz stellen. Um aber solchen Entwicklungen und Auswüchsen wie geschildert zu begegnen, muss unsere Stimme noch viel lauter erschallen. Auf die “Qualitätsmedien(TM)” brauchen wir nicht zu bauen, wie man gerade sieht.
      Der von mir eingestellte Entwurf eines Manifestes der Bewegung ist schon mal ein Anfang zur von Dir angesprochenen Füllung mit klaren Inhalten. Und weil ich ansonsten auch völlig Deiner Meinung bin, schrieb ich ja diesen zugegeben emotional eingefärbten Artikel. ;-)

  2. Pingback: Als hätt’ ich es geahnt… | Totschka – Auf den Punkt

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